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Videodienst : Neue Konkurrenz belastet Netflix

Der Netflix-Aktienkurs notiert nach der Veröffentlichung der Zahlen im nachbörslichen Handel zunächst leicht im Minus. Bild: Reuters

Der Videodienst liegt über seiner eigenen Prognose, gewinnt mehr Abonnenten als erwartet und schneidet vor allem in Europa gut ab. Auf dem Heimatmarkt jedoch sieht sich Netflix neuer Konkurrenz gegenüber.

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          Der Videodienst Netflix hat mit seinem am Dienstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht ein gemischtes Bild geliefert. Er hat zwar insgesamt mehr Abonnenten gewonnen als erwartet und dabei vor allem in Europa gut abgeschnitten. Auf dem amerikanischen Heimatmarkt sind die Kundenzahlen aber nur wenig gewachsen und blieben hinter den Vorhersagen von Analysten zurück. Das wiegt insofern schwer, weil sich Netflix hier besonders viel neuer Konkurrenz gegenübersieht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Unterhaltungsgigant Walt Disney und der Elektronikkonzern Apple starteten hier in November rivalisierende Video-Plattformen, die Netflix im Preis unterbieten. Apples Dienst „Apple TV+“ gibt es auch schon in Europa, Disneys Angebot „Disney+“ wird hier erst im März einen breiteren Start haben und ist bislang erst in den Niederlanden verfügbar. Das wirft die Frage auf, ob das Geschäft von Netflix in den kommenden Monaten auch außerhalb seines Heimatmarktes verstärkt unter Druck geraten wird. Zudem stehen weitere sogenannte Streaming-Dienste in den Startlöchern: Der Medien- und Telekommunikationskonzern AT&T will „HBO Max“ ins Rennen schicken, sein Wettbewerber Comcast bereitet den Start seiner Plattform „Peacock“ vor.

          Netflix machte in seinem Quartalsbericht selbst unter anderem die neuen Wettbewerber für die vergleichsweise schwache Entwicklung in Amerika verantwortlich. Das Unternehmen versuchte aber auch, mit Blick auf die wachsende Konkurrenz Zuversicht zu verbreiten und sagte, im Markt für Videodienste gebe es Platz für viele Anbieter, und es habe einen Vorsprung. Zudem sei der durchschnittliche Netflix-Konsum je Nutzer im vierten Quartal trotz der neuen Konkurrenz in den Vereinigten Staaten und auch global gestiegen. Das Unternehmen verwies auch darauf, dass es zuletzt mehr Google-Suchen für seine neue Serie „The Witcher“ gab als für die Show „The Mandalorian“ auf Disney+. „The Mandalorian“ ist ein Ableger der Weltraumsaga „Star Wars“ und hat seit dem Start des Disney-Dienstes für einigen Rummel gesorgt, unter anderem wegen einer neuen Figur, die den Spitznamen „Baby Yoda“ bekommen hat.

          Insgesamt hat Netflix im vierten Quartal 8,8 Millionen neue Abonnenten gewonnen und lag damit deutlich über seiner eigenen Prognose von 7,6 Millionen zusätzlichen Kunden. In den Vereinigten Staaten wuchsen die Abonnentenzahlen nur um 440000. In der Region mit Europa, dem Nahen Osten und Afrika gab es dafür 4,4 Millionen neue Kunden. Hier hat Netflix jetzt insgesamt 52 Millionen Abonnenten und liegt damit nicht mehr so weit hinter seinem amerikanischen Heimatmarkt (61 Millionen) zurück. Für das erste Quartal sagte das Unternehmen ein Wachstum bei den Abonnentenzahlen um sieben Millionen voraus, was unter den Erwartungen von Analysten lag.

          Inmitten des härteren Wettbewerbs beschreibt es Netflix als seine Strategie, Kunden wie bislang attraktive Inhalte zu liefern, und das lässt sich das Unternehmen auch einiges kosten. Es ist zwar unter dem Strich profitabel, weist aber einen deutlich negativen Mittelzufluss (Free Cash Flow) aus, gibt also mehr Geld aus als es über seine Abonnementgebühren hereinbekommt. Gerade für die Eigenproduktionen, auf die Netflix zunehmend setzt, entstehen Kosten oft lange vor der Veröffentlichung und damit vor ihrem Eingang in die Gewinn- und Verlustrechnung. Im abgelaufenen Jahr lag dieser Free Cash Flow bei negativen 3,5 Milliarden Dollar. Für 2020 sagt Netflix eine Verbesserung auf minus 2,5 Milliarden Dollar voraus. Der Aktienkurs des Unternehmens notierte am Dienstag nach der Veröffentlichung der Zahlen im nachbörslichen Handel zunächst leicht im Minus.

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