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Umsatz schwächelt : Nestlé mischt sein Wassergeschäft auf

Eine Flasche Wasser von Nestlé Bild: Reuters

Der Schweizer Konzern will mehr aus seinem Geschäft mit Wassermarken wie Perrier und Contrex rausholen. Mit mehr Fokus auf den lokalen Markt und auf Premium.

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          Nestlé ist bekannt für Marken wie Nescafé, Nespresso, Nesquik, Kitkat, Maggi und Thomy. Der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt besitzt aber auch ein breites Portfolio an Wassermarken. Davon hört man immer dann, wenn Umweltaktivisten sich darüber aufregen, dass Nestlé Quellwasser in Plastikflaschen füllt, die hernach die Meere vermüllen. Zu den bekanntesten Marken des Schweizer Konzerns zählen Perrier, San Pellegrino, Vittel, Contrex, Acqua Panna, Poland Spring und Nestlé Pure Life.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Das gesamte Wassergeschäft brachte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,9 Milliarden Franken. Das waren 9 Prozent des Konzernumsatzes von 91,4 Milliarden Franken. Die Gewinne dieser Sparte sprudeln allerdings längst nicht mehr so hoch wie früher. 2018 betrug die operative Umsatzrendite 11 Prozent, was deutlich unterhalb des Konzerndurchschnitts von 17 Prozent lag. Auch das Wachstum ließ zu wünschen übrig.

          Im laufenden Jahr ist die Rendite zwar etwas besser geworden. Aber von Absatzdynamik kann keine Rede sein: In den ersten neun Monaten ist der Umsatz organisch, also bereinigt um Wechselkurseffekte sowie Zukäufe oder Beteiligungsverkäufe, nur um 0,5 Prozent gewachsen, während Nestlé insgesamt um 3,7 Prozent voran kam.

          Das Wassergeschäft ist also zu einer Bremse geworden. Und die will Ulf Mark Schneider jetzt lösen. Seit seinem Antritt als Vorstandschef vor fast drei Jahren hat der Deutsche zahlreiche Hebel in Bewegung gesetzt, um den träge gewordenen Lebensmittelriesen auf mehr Tempo zu trimmen. Schneider hat schwachbrüstige Einheiten verkauft und wachstumsträchtige neue Geschäfte hinzugekauft. Zugleich hat er die Innovationsgeschwindigkeit erhöht und zahlreiche neue Produkte auf den Markt gebracht.

          Jetzt knöpft er sich das Wassergeschäft vor. Schneider löst die zentrale Sparte „Nestlé Waters“ auf und verteilt die Geschäfte auf die drei Hauptregionen Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Der bisherige Spartenchef Maurizio Patarnello verlässt die Konzernleitung zum Jahresende. Die dezentrale Führung soll dem Wassergeschäft zu mehr Wachstum verhelfen. „Dank der neuen Struktur werden wir künftig näher beim Kunden sein. Wir können schneller und besser auf neue Trends reagieren“, sagte Schneider im Gespräch mit der F.A.Z. Die alte Führungsstruktur sei gut gewesen, um globale Marken aufzubauen. Aber: „Mehr als die Hälfte unseres Umsatzes mit Wasser kommt von unseren starken lokalen Marken.“

          Zugleich kündigte Schneider an, dass sich Nestlé aus dem preisgetriebenen Geschäft mit einfachen Wasserprodukten, also der austauschbaren Massenware, zurückziehen werde. „Wir werden uns strategisch neu positionieren und uns stärker auf hochmargige Premium-Marken konzentrieren.“ Die Wässerchen von Marken à la Perrier sollen mit gesunden Zusatzstoffen oder kalorienfreien Aromen veredelt werden. Damit folgt Nestlé nach Aussage Schneiders einem Trend aus Übersee: „Wir sehen in Amerika, dass die Leute nicht einfach so von einem Softdrink auf stilles Wasser umsteigen. Sie wollen ein Getränk, das sprudelt und wenigstens etwas Geschmack hat.“

          Nestlé will stärker auf pflanzenbasierte Produkte setzen

          Als Teil des Konzernumbaus hat Nestlé jüngst das Geschäft mit Hautpflegeprodukten zum Preis von 10,2 Milliarden Franken an Finanzinvestoren verkauft. Der warme Regen soll auch den Anteilseignern zugutekommen: In den nächsten drei Jahren sollen bis zu 20 Milliarden Franken via Aktienrückkäufe und Sonderdividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Schneider stellte diese Ankündigung allerdings unter einen Vorbehalt: „Falls wir eine große Akquisition vornehmen wollen, können wir das Geld aus der Kapitalrückführung herausnehmen.“ Auf die Frage, ob Nestlé derzeit ein größeres Objekt der Begierde vor der Flinte habe, ging Schneider nicht ein. Allgemein stellte der Vorstandschef fest: „Im Moment sind die Marktpreise für Unternehmen sehr hoch. Wenn es vom Preis her nicht passt, haben wir die Disziplin, nein zu sagen.“

          Naheliegend wäre, dass sich Nestlé auf dem Feld der pflanzenbasierten Produkte nach Übernahmen umschaut. Denn auf dieses Geschäft setzt Schneider große Hoffnungen, zumal neue eigene Produkte wie der „Incredible Burger“, der aus einer Mischung aus Soja und Pflanzen- und Fruchtsaftkonzentraten besteht, offenbar sehr gut eingeschlagen sind. Nestlé will jetzt zügig nachlegen: „Es gibt eine Vielzahl pflanzenbasierter Alternativen, mit denen wir unsere Produkte attraktiver machen können. Das Interesse der Kunden ist riesig.“ Schneider denkt zum Beispiel an alternative Auflagen für Tiefkühlpizzen. Angesichts des gewachsenen ökologischen Bewusstseins ist er davon überzeugt, dass der Trend zu fleischärmerer Ernährung keine flüchtige Modeerscheinung ist, sondern langfristig anhalten wird. Wie groß der Umsatz von Nestlé in diesem noch relativ kleinen Geschäft ist, wollte Schneider nicht verraten.

          Stagnierende Umsätze in China

          Der Konzern aus Vevey hat den Umsatz in den ersten neun Monaten aus eigener Kraft um 3,7 Prozent auf 68,4 Milliarden Franken erhöht. Damit hat Nestlé zwar das Wachstumsziel für das Gesamtjahr (3,5 Prozent) übertroffen. Manche Analysten hatten allerdings ein etwas höheres Tempo erwartet. Immerhin war das organische Wachstum höher als jenes des Rivalen Unilever, der im dritten Quartal nur um 2,9 Prozent vorankam.

          Der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern litt unter anderem unter der Wachstumsschwäche in China, die freilich auch Nestlé zu schaffen macht. Die Schweizer berichteten von stagnierenden Umsätzen in China, wobei insbesondere die rückläufige Nachfrage nach Erdnussmilch und Reisbrei der Marke Yinlu ins Kontor schlug. Trotzdem ist Schneider mit Blick auf diesen wichtigen Markt weiter positiv gestimmt: China bleibe für Nestlé ein Feld für Investitionen und Wachstum.

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