https://www.faz.net/-gqe-9e77m

Neue Berichte : Nerven der Kaufhof-Mitarbeiter liegen blank

  • Aktualisiert am

Bald ein gemeinsames Unternehmen? Karstadt und Kaufhof Seite an Seite in der Innenstadt von Trier Bild: Reuters

Berichte über einen Kahlschlag bei Kaufhof nach der geplanten Fusion mit Karstadt lassen die Mitarbeiter zittern. Es soll schon Geld für Abfindungen bereitgelegt worden sein.

          2 Min.

          Unter den Beschäftigten der vor der Fusion mit dem Konkurrenten Karstadt stehenden Warenhauskette Kaufhof wächst die Angst um die Zukunft ihrer Stellen. Es sei „respektlos“, wie durch Berichte über einen Kahlschlag bei Kaufhof mit „der Psyche unserer Kolleginnen und Kollegen umgegangen wird und Verlustängste geschürt werden“, heißt es in einem internen Schreiben des Gesamtbetriebsrats an die Belegschaft, das der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorlag. Den Arbeitnehmervertretern lägen bislang keinerlei Informationen über einen Abbau vor.

          Kaufhof und Karstadt stehen Insidern zufolge vor einer Fusion, die in den kommenden Tagen verkündet werden soll. Die Eigner – der nordamerikanische Konzern HBC und die österreichische Signa des Karstadt-Eigners Rene Benko – hätten sich bereits auf entsprechende Pläne verständigt. Dabei soll es auch Einsparungen geben.

          Diese könnten in der Logistik, beim Einkauf und bei den Zentralen der Handelsriesen in Essen und Köln erzielt werden, hatten Insider gesagt. Zwei Hauptsitze seien nach einer Fusion nicht mehr nötig. Insidern zufolge könnten bis zu 5000 Stellen bei Kaufhof auf der Kippe stehen. Kenner der Unternehmen halten solche Schätzungen jedoch für „unseriös und überzogen“, wenngleich ehrgeizige Sparvorgaben in Bankenkreisen kursieren. Die Kette beschäftigt rund 20.000 Menschen.

          „Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“

          Nach der vollzogenen Fusion von Karstadt und Kaufhof soll nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ ein dreistelliger Millionenbetrag in die kriselnde Kaufhof-Kette investiert werden. Karstadt-Eigner René Benko wolle 250 bis 300 Millionen Euro für die Sanierung von Kaufhof und für Abfindungen einsetzen, berichtete die Zeitung. Darin enthalten sei ein dreistelliger Millionenbetrag für Abfindungen. Ein HBC-Sprecher wollte dies nicht kommentieren, ein Signa-Sprecher war nicht zu erreichen.

          Übereinkünfte zwischen Kaufhof und den Arbeitnehmern für einen Sanierungstarifvertrag oder Gespräche über einen Sozialplan gibt es Insidern zufolge indes nicht. Die Gewerkschaft Verdi hatte angesichts der Gespräche zwischen den Eignern über eine Fusion Verhandlungen mit dem Kaufhof-Management über einen Sanierungstarifvertrag auf Eis gelegt.

          Benkos Holding Signa und HBC hatten sich Anfang Juli auf eine Zusammenlegung der beiden Ketten verständigt. Signa soll bei der Fusion mit knapp 51 Prozent etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft mit ihrem Handelsexperten, dem Karstadt-Chef Stephan Fanderl, führen, heißt es aus Unternehmenskreisen. HBC-Vertreter rücken in den Aufsichtsrat ein. Auch die Warenhaus-Immobilien des Kaufhof sollen Teil der Übereinkunft sein. Kaufhof-Eigner HBC würde bei dem Deal wohl knapp eine Milliarde Euro für Benkos Anteil am operativen Geschäft und den Warenhaus-Immobilien zufließen.

          Verdi hatte Signa und HBC schon aufgefordert, die Mitarbeiter unverzüglich in ihre Fusionsverhandlungen einzubinden. „Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“, hatte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger gesagt. Sie hatte eine Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie die Tarifbindung für Karstadt und Kaufhof gefordert. 

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wie bei Dagobert Duck: Viele Aktivisten demonstrieren schon lange für das bedingungslose Grundeinkommen, wie hier bei einer Aktion 2013 in Zürich.

          Österreich entscheidet : Kommt das bedingungslose Grundeinkommen?

          Eine Privatinitiative fordert ein monatliches Grundeinkommen von 1200 Euro. Sollte das Volksbegehren Erfolg haben, muss sich das Parlament mit dem Thema beschäftigen. Die Kosten wären höher als der gesamte Bundeshaushalt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.