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Nazi-Vergangenheit : Günther Quandt war ein skrupelloser Unternehmer

Behauptete, von der nationalsozialistischen Regierung jahrelang „auf das schwerste” verfolgt worden zu sein: Günther Quandt Bild: Bundesarchiv

Drei Jahre lang hat ein Historiker in den Archiven der Unternehmerfamilie über deren Nazivergangenheit geforscht. Jetzt liegt sein Buch vor. Das Ergebnis: „Der Großvater war Teil des NS-Regimes“.

          „Es waren alles Männer, die, ebenso wie mein Vater, während des Krieges nur von einem Ziel beseelt waren. Es war halt Krieg. Jeder musste seine Pflicht tun, sein Bestes geben. Politische Überlegungen gab es nicht mehr.“ Das hat Herbert Quandt 1978 geschrieben. Dann der Kontrast, vom Autor des Buches über die Quandts bewusst gesetzt: „Vieles Wissen und Gelernthaben ist . . . weder ein notwendiges Mittel der Kultur noch ein Zeichen derselben und verträgt sich nötigenfalls auf das beste mit dem Gegensatz der Kultur, der Barbarei.“ Dieses Zitat stammt von Friedrich Nietzsche. Er hat es gut hundert Jahre vor Herbert Quandt in seinen „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ geschrieben.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dazwischen liegt die Wahrheit über Günther Quandt, den Vater von Herbert und Harald Quandt. Drei Jahre lang hat Joachim Scholtyseck, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bonn, geforscht, hatte uneingeschränkten Zugang zum Familienarchiv der Quandts in Bad Homburg, um dieser Wahrheit möglichst nahe zu kommen. Jetzt liegt sein Buch „Der Aufstieg der Quandts“ vor. Und Scholtysecks entscheidender Satz im Fazit des Buchs fällt für die Familie ernüchternd aus: „Der Familienpatriarch war Teil des NS-Regimes.“ Nur etwas später zitiert Scholtyseck Nietzsche.

          Quandt sah sich stets als Opfer

          Günther Quandt habe sich auf die von staatlicher Seite gestellten Bedingungen des Rüstungsgeschäfts eingelassen, habe die sich daraus ergebenden Chancen schon vor dem Krieg genutzt und sich dadurch notwendigerweise an den Nationalsozialismus gebunden, schreibt der Historiker. Wem das zu abstrakt ist, der findet für dieses grausame Geschäftsmodell im Buch Beleg um Beleg. Nach überschlägigen Schätzungen waren während des Krieges mehr als 50.000 Zwangsarbeiter in den verschiedenen Unternehmen der Gruppe beschäftigt. Und sowohl Günther als auch Herbert Quandt waren von Beginn an über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter informiert. Günther Quandt habe sich sogar gelegentlich persönlich mit Detailfragen des Arbeitseinsatzes beschäftigt. In Posen gab es ein ganzes Werk, das auf dem Rücken von mehr als 20.000 Zwangsarbeitern aufgebaut worden war. Auch bei den sogenannten „Arisierungen“, also den Konfiszierungen jüdischer Unternehmen, haben für Günther Quandt nach Scholtysecks Überzeugungen menschlicher Anstand und kaufmännische Seriosität keine Rolle gespielt. Vielmehr habe Quandt skrupellos zugegriffen. Und während es damals kaum möglich gewesen wäre, Zwangsarbeiter grundsätzlich abzulehnen, hätte es Quandt freigestanden, sich überhaupt nicht an „Arisierungen“ zu beteiligen oder zumindest einen dem Unternehmenswert entsprechenden Kaufpreis zu zahlen. So das harte Urteil des Historikers.

          Günther Quandt aber sah sich stets als Opfer. Er selbst behauptete gar, von der nationalsozialistischen Regierung jahrelang „auf das schwerste“ verfolgt worden zu sein. Wahr ist daran nur, dass Quandt tatsächlich 1933 wegen des Vorwurfs von Wirtschaftsdelikten verhaftet und für ein paar Monate inhaftiert worden war. Über Jahre stritt sich Quandt auch mit dem nationalsozialistischen Propagandaminister Joseph Goebbels, dem zweiten Mann seiner geschiedenen Frau Magda, um das Sorgerecht für seinen Sohn Harald Quandt. Das war aber auch schon alles. Ökonomisch verstand sich Quandt mit dem Regime stets glänzend. 1946 wurde er festgenommen, erst 1948 wieder freigelassen, zu einer Anklage in Nürnberg kam es nicht. Sein Fall landete vor einer deutschen Spruchkammer, einem überforderten Laiengericht. Am Ende wurde Quandt lediglich als „Mitläufer“ eingestuft.

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