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Nasdaq : Groupon schafft Kurssprung zum Börsenstart

Gelungener Start für Groupon zum Handelsstart Bild: REUTERS

Der Aktienkurs des amerikanischen Gutscheinportals stieg zum Handelsstart um 40 Prozent. Trotz des gelungenen Starts sieht sich Groupon weiter Zweifeln an seinem Geschäftsmodell gegenüber.

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          Das amerikanische Schnäppchenportal Groupon Inc. hat seinen mit Spannung erwarteten Börsengang mit einem großen Kurssprung über die Bühne gebracht. Zum Handelsstart an der Nasdaq schaffte die Groupon-Aktie gegenüber dem Ausgabepreis von 20 Dollar einen Kursgewinn von rund 40 Prozent auf 28 Dollar. Am Abend vor dem Börsendebüt hatte Groupon schon den Ausgabepreis gegenüber der zunächst angepeilten Preisspanne von 16 bis 18 Dollar erhöht und außerdem mehr Aktien verfügbar gemacht. Trotz des zunächst gelungenen Börsenstarts sieht sich Groupon weiter Zweifeln an seinem Geschäftsmodell gegenüber.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mit seinem Börsengang hat Groupon einen Emissionserlös von 700 Millionen Dollar erzielt, der für "allgemeine unternehmerische Zwecke" wie Akquisitionen ausgegeben werden soll. Das Unternehmen hat 35 Millionen Aktien an die Börse gebracht, 5 Millionen mehr als zunächst geplant. Die Konsortialbanken können außerdem innerhalb der nächsten 30 Tage eine Mehrzuteilungsoption von weiteren 5,25 Millionen Aktien ausüben. Selbst bei Inanspruchnahme dieser Mehrzuteilungsoption würde Groupon nur 6,3 Prozent seiner Aktien an die Börse bringen, ein für Börsengänge ungewöhnlich niedriger Anteil. Dieses sehr beschränkte Angebot an Aktien dürfte geholfen haben, um die Nachfrage anzukurbeln.

          Der Senkrechtstarter der Internetbranche

          Der Kurs von 28 Dollar im Handelsverlauf entspricht einer Bewertung des gesamten Unternehmens von 17,7 Milliarden Dollar, der Ausgabepreis von 20 Dollar bewertete Groupon mit 12,7 Milliarden Dollar. Groupon ist der bislang größte von mehreren prominenten Börsengängen aus der Internetbranche in diesem Jahr. Zu den bekanntesten anderen Debütanten gehört das soziale Netzwerk Linkedin, das im Mai an die Börse kam und dessen Kurs sich am ersten Handelstag mehr als verdoppelte. Linkedin wird an der Börse mit 7,7 Milliarden Dollar bewertet. Einige andere prominente Namen werden in naher Zukunft erwartet: Das auf interaktive Online-Spiele spezialisierte Unternehmen Zynga reichte seinen Börsenprospekt schon im Sommer ein und dürfte bald Premiere feiern. Im nächsten Jahr wird mit der Börsenpremiere des sozialen Netzwerks Facebook gerechnet, dessen mögliche Bewertung Analysten auf bis zu 100 Milliarden Dollar taxieren.

          Auch bei Groupon waren bis vor wenigen Monaten noch höhere Bewertungen von 20 Milliarden Dollar und mehr im Gespräch. Das Unternehmen, das Gutscheine für eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen verkauft, wurde als Senkrechtstarter in der Internetbranche gehandelt. Seit Vorlage des ersten Börsenprospekts im Juni mehrten sich aber die Zweifel: So weist Groupon bislang hohe Verluste aus, weil das Unternehmen viel Geld in Marketing pumpt. Groupon sorgte außerdem mit seiner Bilanzierung bei der Aufsichtsbehörde SEC für Irritation und sah sich gezwungen, Kennzahlen wie den Umsatz neu zu definieren.

          Für Kritik im Vorfeld des Börsengangs sorgte auch, dass die Erlöse bei vorherigen Privatplatzierungen zu einem großen Teil nicht in das Geschäft investiert, sondern zum Kauf von Anteilen von Großaktionären genutzt wurden. So hat Groupon bei einer Finanzierungsrunde im Januar 950 Millionen Dollar eingenommen, davon gingen 810 Millionen Dollar an existierende Aktionäre. Mitgründer und Vorstandschef Andrew Mason etwa nahm laut Börsenprospekt 10 Millionen Dollar ein, Eric Lefkofsky, ein anderer Mitgründer und der größte Einzelaktionär, verkauft sogar Aktien für mehr als 300 Millionen Dollar.

          Kasse machten auch die deutschen Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer, die im vergangenen Jahr ihr Rabattportal Citydeal an Groupon verkauften und dafür mit Aktien des amerikanischen Unternehmens bezahlt wurden. Die Samwers nahmen mit dem Verkauf im Januar laut Börsenprospekt 115 Millionen Dollar ein. Auch nach dieser Transaktion halten die Brüder noch immer 39,2 Millionen Aktien an Groupon, was einem Anteil von etwas mehr als 6 Prozent entspricht. Dieser Anteil hat beim Kurs von 28 Dollar einen Wert von 1,1 Milliarden Dollar. Andrew Mason hält 7,3 Prozent der stimmrechtsreduzierten Aktien der Klasse A und 41,7 Prozent der B-Aktien, die über ein größeres Gewicht verfügen. Insgesamt verfügt er über 19,8 Prozent der Stimmrechte, und sein Aktienpaket hat einen Wert von 1,3 Milliarden Dollar. Eric Lefkofsky hat 28,1 Prozent der Stimmrechte, seine Aktien sind 3,6 Milliarden Dollar wert.

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