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Nasa : Outsourcing im Weltraum

Bild: reuters

Das Programm Spaceshuttle endet nach dreißig Jahren - mit dem Flug der Raumfähre Atlantis, die am Freitag erfolgreich abhob. Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa nimmt eine Auszeit von der bemannten Raumfahrt.

          4 Min.

          Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hat gerade im Hollywood-Kassenschlager „Transformers 3“ ein Denkmal gesetzt bekommen. Das Roboterspektakel erfindet eine ganz neue Version der Mondlandung der „Apollo 11“ im Jahr 1969. Buzz Aldrin, neben Neil Armstrong und Michael Collins einer der drei Astronauten der wahren „Apollo 11“-Mission, hat einen Gastauftritt in dem Film. Prominent zu sehen ist auch das „Kennedy Space Center“, der Weltraumbahnhof der Nasa nahe Cape Canaveral in Florida. Regisseur Michael Bay hat hier im vergangenen Herbst eine Woche lang gefilmt. Dabei ließ er echte Nasa-Beschäftigte als Statisten zum Einsatz kommen, das Casting für die kleinen Rollen zog 600 Mitarbeiter an. Zur Kulisse bei den Dreharbeiten gehörte auch die Raumfähre Discovery, die damals gerade auf ihren nächsten – und letzten – Start ins Weltall vorbereitet wurde.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Nasa-Belegschaft dürfte sich „Transformers 3“ mit Wehmut ansehen, denn für die Organisation geht eine Ära zu Ende. Die Discovery hat ihre Schlussmission längst hinter sich gebracht, und am Freitag soll mit dem Start der Raumfähre Atlantis das letzte Kapitel für das Programm Spaceshuttle aufgeschlagen werden. Danach werden die Weltraumfahrzeuge zu Ausstellungsstücken in verschiedenen amerikanischen Museen. Das Ende der Spaceshuttles ist ein gewaltiger Einschnitt nicht nur für die Nasa, sondern auch für das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten als Pioniere des Weltraums. Denn das Land verabschiedet sich damit zumindest vorübergehend aus der bemannten Raumfahrt, der Königsdisziplin im Weltall. In der Zwischenzeit müssen die Amerikaner Plätze in russischen Sojus-Raumschiffen buchen, wenn sie Astronauten ins All schicken wollen. Präsident Barack Obama beteuert, er verfolge in seiner Weltraumstrategie weiter kühne Ambitionen. Er will dazu verstärkt auf Partnerschaften mit privaten Unternehmen setzen. Kritiker fürchten indes, dass Amerika gegenüber anderen Ländern den Anschluss in der Raumfahrt verlieren könnte. In der Region um den Nasa-Stützpunkt in Florida – der „Space Coast“ – herrscht jedenfalls Krisenstimmung, denn das Ausmustern der Spaceshuttles sorgt hier für den Verlust tausender Arbeitsplätze.

          Die Spaceshuttles waren über Jahrzehnte hinweg das Aushängeschild der amerikanischen Raumfahrt. Die Bilanz wird aber von zwei Tragödien geprägt und ist auch unabhängig davon umstritten. Offiziell auf den Weg gebracht wurde das Programm im Jahr 1972 vom damaligen Präsidenten Richard Nixon. Die Spaceshuttles sollten das nächste Großprojekt der Amerikaner in der bemannten Raumfahrt nach den Apollo-Triumphen werden. Die Idee war, mit wiederverwendbaren Raumfähren Flüge in den erdnahen Weltraum zu einer Routinesache zu machen. Nach jahrelanger Entwicklung wurde das erste Spaceshuttle Columbia 1981 ins All geschickt. Seither konnte die Nasa mit den Raumfähren viele Erfolge verbuchen: Spaceshuttle-Missionen halfen zum Beispiel beim Bau der Internationalen Raumstation ISS und brachten das Weltraumteleskop Hubble ins All. Aber die Spaceshuttle-Unglücke in den Jahren 1986 (Challenger) und 2003 (Columbia), die 14 Astronauten das Leben kosteten, erschütterten das Programm.

          Die Raumfähre „Discovery” vor ihrem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral

          Sie verdeutlichten auch die Komplexität: Die einstige Hoffnung, in immer kürzeren Abständen zu immer niedrigeren Kosten Weltraummissionen absolvieren zu können, ließ sich nicht realisieren. Spaceshuttle-Expeditionen sind bis heute eine extrem teure Angelegenheit. Die Nasa beziffert die Kosten für jeden Flug auf 450 Millionen Dollar, andere Schätzungen reichen in den Milliarden-Dollar-Bereich. Kritiker bemängeln auch, dass der jahrzehntelange Schwerpunkt auf den Spaceshuttles die Nasa von ehrgeizigeren Vorhaben im ferneren Weltall abgehalten hat. Einschließlich des Atlantis-Starts am Freitag hat die Nasa seit 1981 insgesamt 135 Mal Spaceshuttles ins All abheben lassen. Das Ende des Spaceshuttles wurde von Obamas Vorgänger George W. Bush schon im Jahr 2004 ausgerufen, also kurz nach der Columbia-Katastrophe. Bush kündigte damals gleichzeitig ein ehrgeiziges Nachfolgeprogramm mit dem Namen „Constellation“ an, das Astronauten wieder zum Mond und irgendwann sogar zum Mars bringen sollte. Dieses Programm litt allerdings unter chronischer Budgetknappheit und wurde schließlich von der derzeitigen Regierung gestoppt.

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