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Mondlandefähre : NASA gibt Jeff Bezos eine zweite Chance

Raketenstart von SpaceX in Florida Bild: AP

Die US-Raumfahrtbehörde NASA schreibt einen zweiten Wettbewerb für Missionen zum Mond aus. Das unterstreicht die Rivalität zwischen Jeff Bezos und Elon Musk.

          2 Min.

          Jeff Bezos kann doch noch darauf hoffen, künftig neben Elon Musk amerikanische Astronauten zum Mond zu bringen. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hat jetzt angekündigt, einen zweiten Wettbewerb für eine Mondlandefähre ausschreiben zu wollen. Vor knapp einem Jahr hat sie schon einmal einen Auftrag an Musks Raumfahrtunternehmen ­ SpaceX vergeben, und Bezos hatte mit seinem rivalisierenden Anbieter Blue Origin das Nachsehen. Jetzt aber bekommt er eine zweite Chance, und Blue Origin teilte umgehend mit, an dem neuen Wettbewerb teilnehmen zu wollen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Unternehmen dürfte dabei auch als einer der Favoriten gelten. Dass es nun neben SpaceX bei einem der prestigeträchtigsten und ambitioniertesten Vorhaben der NASA mitmachen könnte, unterstreicht die Rivalität von Elon Musk und Jeff Bezos mit ihren Zweitprojekten in der Raumfahrt. Musk führt neben ­SpaceX auch den Elektroautohersteller Tesla , Bezos war bis zum vergangenen Jahr Vorstandschef des von ihm gegründeten Onlinehändlers Amazon.com .

          Jeff Bezos
          Jeff Bezos : Bild: AP

          Die NASA will mit ihrem neuen Mondprogramm an ihre ruhmreichsten und auch lange vergangenen Zeiten anknüpfen. Im Rahmen der Apollo-Missionen brachte sie zwischen 1969 und 1972 schon einmal insgesamt zwölf Astronauten zum Mond. Das neue NASA-Projekt, an dem SpaceX und womöglich auch Blue Origin teilnehmen, heißt „Artemis“, nach der Mondgöttin und Zwillingsschwester von Apollo in der griechischen Mythologie. Es wurde schon unter dem früheren US-Präsidenten Donald Trump vorangetrieben, und dessen Nachfolger Joe Biden verfolgt es weiter. Ursprünglich war die nächste bemannte Mission zum Mond für 2024 geplant, mittlerweile wird 2025 angepeilt, wobei auch das als ungewiss gilt.

          Wie zuletzt bei anderen Projekten wie bemannten Missionen zur Raumstation ISS setzt die NASA auch beim Artemis-Programm auf die Mithilfe privater Unternehmen. Eigentlich war damit gerechnet worden, dass sie schon für den ursprünglichen Auftrag für eine Mondlandefähre zwei verschiedene Unternehmen auswählt. Er ging dann aber überraschend komplett an SpaceX und war mit 2,9 Milliarden Dollar dotiert, die anderen beiden Finalisten, Blue Origin und das in der Öffentlichkeit weniger bekannte Unternehmen Dynetics, gingen leer aus. Offenbar waren Kostengründe ausschlaggebend für die damalige Entscheidung.

          Elon Musk
          Elon Musk : Bild: Imago

          Blue Origin wollte das nicht widerspruchslos hinnehmen. Das Unternehmen reichte erst einen Protest bei einer staatlichen Behörde und dann sogar eine Klage ein, scheiterte aber in beiden Fällen. Jeff Bezos schrieb persönlich einen Brief an den NASA-Chef Bill Nelson und bedrängte ihn, neben SpaceX ein zweites Unternehmen für das Projekt auszuwählen, er stellte dabei sogar einen Preisnachlass in Milliardenhöhe in Aussicht.

          Die nun verkündete Kehrtwende kommt nicht ganz überraschend, Nelson hat auch in der Vergangenheit schon gesagt, er hätte gerne mehr als einen Partner für die Mondlandefähre. Jetzt sagte er: „Ich habe Wettbewerb versprochen, und hier ist er.“ Es ist allerdings noch nicht sicher, ob der amerikanische Kongress auch die notwendigen Finanzmittel für die neue Auftragsvergabe zur Verfügung stellen wird, auch wenn Nelson sich zuversichtlich zeigte, das Geld zu bekommen. Wie teuer das Vorhaben wird, machte er zunächst nicht publik. Für den ersten bemannten Flug mit der zweiten Landefähre peilt die NASA derzeit 2026 oder 2027 an. Und wie Nelson sagte, sieht die NASA die Mondprojekte als Vorbereitung „für den nächsten großen Sprung für die Menschheit: eine bemannte Mission zum Mars“.

          Jeff Bezos hat nun die Chance, sich einen Traum zu erfüllen und an dem Nachfolgeprojekt für die Mondmissionen teilzunehmen, die ihn schon als Kind fasziniert haben. Er hat es als „wegweisenden Moment“ in seinem Leben beschrieben, als er im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern und Großeltern vor dem Fernseher verfolgte, wie Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat. Schon 2019 und damit weit vor der Vergabe des ersten Artemis-Auftrags stellte er ein Modell für eine Mondlandefähre vor. Damals sagte er: „Es ist Zeit, auf den Mond zurückzukehren, und dieses Mal, um zu bleiben.“

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