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Namensrechte : Die Saubermänner wittern Gefahr

Kärcher kämpft mit Hochdruck für einen sauberen Firmennamen Bild: AP

Auch im Ausland ist das Wort „Kärcher“ als Synonym für den sperrigen Begriff „Hochdruckreiniger“ gebräuchlich. Eigentlich ist das zugehörige Familienunternehmen stolz darauf. Seit Sarkozy den Firmennamen aber im Wahlkampf gebraucht hat, wehrt sich Kärcher - und will seinen Namen reinhalten.

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          Eigentlich ist der Name Kärcher für internationales Geschäft denkbar ungeeignet - schon wegen des Umlauts. Umso größer der Stolz bei dem Familienunternehmen aus dem schwäbischen Winnenden, dass sich auch im Ausland die Leute für den Namen „Kärcher“ als Synonym für den sperrigen Begriff „Hochdruckreiniger“ entschieden haben.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Wie „Kerscher“ klingt es, wenn ein Franzose von dem gelben Ding spricht, das jahrelange Putzsünden binnen Minuten verschwinden lässt. Der Begriff steht in Frankreich sogar schon im Lexikon, etwa im Petit Robert 2007 auf Seite 1408, ausdrücklich freigegeben von den strengen Sprachhütern der Académie française. „Ein besseres Kompliment kann es für eine Marke doch gar nicht geben“, sagte Kärcher-Chef Hartmut Jenner bisher stolz. Jetzt aber hat er eine sechsstellige Summe für eine Anzeigenkampagne freigegeben, damit der Name Kärcher in Frankreich nicht in den Schmutz gezogen wird.

          Kärcher kämpft um seinen Namen

          Das genau fürchten die Saubermänner aus Schwaben. Der Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy hat nämlich das Wort „kärchern“ in einem Kontext benutzt, den viele gar nicht so fein finden können. Es begann im Juni 2005. Sarkozy, damals Innenminister, wollte sich eigentlich besonders volksnah geben, als er nach dem Mord an einem elfjährigen Jungen in der Pariser Banlieue die Forderung erhob, die Vorstadt „mit dem Kärcher zu reinigen“. Das Wort, seit 1992 in Frankreich im Umlauf, findet sich in Schlagern und Rapliedern ebenso wie in den Debatten der Nationalversammlung, wo es meist mit ironischem Bezug auf Sarkozy verwendet wird.

          Doch mittlerweile geht Kärcher das nun zu weit - oder zumindest gibt das Unternehmen das vor. In Briefen an die Präsidentschaftskandidaten, Zeitungsanzeigen und einer Presseerklärung kämpft Kärcher um den Namen. Das vor 70 Jahren gegründete Unternehmen „breche sein Schweigen“, weil es sich als Weltmarktführer überhaupt nicht in den Worten der Politiker „wiedererkenne“, heißt es in den großflächigen Anzeigen. „Diese stehen im Widerspruch zu unseren Werten“, ergänzt Patrice Anderouard, Sprecher von Kärcher in Frankreich. Im Nachbarland ist Kärcher seit 1962 vertreten - und es ist der drittgrößte Markt für den Reinigungsspezialisten, der im vergangenen Jahr insgesamt 6 Millionen Geräte verkauft hat. Die 6500 Mitarbeiter haben einen Umsatz von 1,25 Milliarden Euro erwirtschaftet.

          Neue Marketingkampagne?

          Den Verdacht, geschickt im französischen Wahlkampf einen Aufhänger für eine neue Marketingkampagne gefunden zu haben, weist Anderouard weit von sich. Von ungefähr kommt er freilich nicht. Kärcher ist bekannt dafür, mit außergewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Nur 3 Prozent vom Umsatz gibt Kärcher für Marketing aus, und davon wieder fließt das wenigste in klassische Werbung.

          Stattdessen schickt Kärcher regelmäßig Putztruppen zu den historischen Monumenten in aller Herren Länder. Die Christusstatue in Rio de Janeiro wurde bereits vom Schmutz befreit, die Säulen am Petersplatz in Rom und die Köpfe amerikanischer Präsidenten am Mount Rushmore - und stets fanden die Aktionen internationales Medienecho.

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