https://www.faz.net/-gqe-16s9d

Nachrichtenagenturen : Erster Verlust für die DPA

Geschäftsführer Malte von Trotha (l) und Chefredakteur Wolfgang Büchner: Das Geschäftsmodell sei solide Bild: picture alliance / dpa

Es sind schwere Zeiten für Nachrichtenagenturen - die Deutsche Presseagentur verzeichnet zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Geschäftsjahr mit Verlusten. Das ist keine Momentaufnahme sondern ein Trend.

          Die größte deutsche Nachrichtenagentur DPA hat zum ersten Mal in ihrer 60 Jahre währenden Geschichte ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen. 2009 sank das Ergebnis der Agentur, die den Verlagen und Rundfunkanstalten gehört, gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Millionen Euro auf ein Minus von 3,8 Millionen Euro. Als Grund für den Fehlbetrag nannte die Geschäftsführung am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz den Umzug von 154 DPA-Mitarbeitern von Hamburg und Frankfurt nach Berlin. Dort soll noch im Juli der Umbau zu einer Zentralredaktion vollendet sein, dessen Kosten DPA auf 7,7 Millionen Euro beziffert. 64 betroffene Mitarbeiter haben den Umzug in die Hauptstadt nicht mitgemacht.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Dass es jedoch nicht nur Einmalkosten sind, die auf der DPA lasten, zeigt ein Blick auf die Umsatzentwicklung: So sanken die Erlöse von 2008 auf 2009 um 4,1 Prozent auf 90,3 Millionen Euro. Vor allem die Kündigung des drittgrößten deutschen Verlagshauses, der Essener WAZ-Gruppe, schmälerte die für die dpa mit Abstand wichtigsten Erlöse aus den geschriebenen Meldungen. Auch mit Bildern verdiente DPA weniger Geld. Nun hat auch noch der Berliner Tagesspiegel gekündigt, weil angeblich durch den DPA-Umzug in Räume des Axel-Springer-Verlags die Unabhängigkeit gefährdet sei. Das Unternehmen DPA und dessen Geschäftsmodell seien jedoch solide, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Malte von Trotha.

          Keine Preiszugeständnisse

          Dennoch stehen den klassischen Nachrichtenagenturen nach Einschätzung von Beobachtern schwere Zeiten bevor, was etwa die Kündigung des amerikanischen Nachrichtensenders CNN zeige, der künftig auf die Dienste der Agentur AP verzichten will. Angesichts solcher Entwicklungen konsolidiert sich der Markt. So wurde der deutsche Ableger von AP bereits vom Konkurrenten ddp übernommen. DPA sprach denn am Mittwoch auch von einer hohen Anzahl von Kündigungen im vergangenen Jahr. Trotzdem hätten alle Kunden (bis auf WAZ und Tagesspiegel) am Ende ihre Verträge wieder verlängert. Ob zu verbesserten Konditionen, die den Umsatz von DPA weiter schmälern würden, blieb unklar. Es habe aber keine Preiszugeständnisse gegeben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.