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Boeing-Chef : Vom Börsenstar zum Krisenmanager

Zuvor heiß begehrt: Das Modell 737 Max 8 wurde von vielen Gesellschaften bestellt. Jetzt prüft die europäische Behörde. Bild: dpa

Nach den zwei Abstürzen eines Flugzeugs des Typs 737 Max 8 steht der Boeing-Chef Dennis Muilenburg massiv unter Druck. Eben wurde er noch für glänzende Geschäfte gefeiert, jetzt muss er sich als Krisenmanager beweisen.

          Dennis Muilenburg war eben noch obenauf. Der von ihm geführte Boeing-Konzern macht glänzende Geschäfte, sowohl mit Zivilflugzeugen als auch in seiner Rüstungssparte. Die vor wenigen Wochen verkündete Entscheidung des europäischen Dauerrivalen Airbus, die Produktion seines Großraumflugzeugs A380 einzustellen, war ein Triumph für Muilenburg. Denn seit Jahren predigt er, dass die Zukunft der Luftfahrt nicht in Riesenfliegern liege, sondern in kleineren Maschinen, und nun kann er sich in dieser Philosophie bestätigt fühlen. Muilenburg hat es auch gut verstanden, die politischen Machtverhältnisse in Washington zu seinen Gunsten zu nutzen. Er hat einen guten Draht ins Weiße Haus und trifft sich regelmäßig mit Donald Trump. Seit dessen Wahl zum Präsidenten hat sich der Aktienkurs von Boeing verdreifacht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun aber findet sich der Boeing-Chef in der Rolle des Krisenmanagers wieder. Der Absturz eines Flugzeugs des Typs 737 Max 8 in Äthiopien wirft dringliche Fragen nach der Sicherheit dieser Maschine auf. Denn bei dem Unglück gab es auffällige Parallelen zum Absturz eines Flugzeugs desselben Typs vor nicht einmal sechs Monaten in Indonesien. Zweifel an dieser Modellreihe treffen das Unternehmen in seinem Kern. Denn die 737 ist das Brot-und-Butter-Geschäft von Boeing, und die vor knapp zwei Jahren auf den Markt gekommene Max-Variante ist die Antwort des Unternehmens auf den erfolgreichen spritsparenden A320 Neo von Airbus.

          Boeing hat mehr als 5000 Bestellungen für das Flugzeug bekommen, das damit für mehr als drei viertel des gesamten Auftragsbestandes steht. Der Aktienkurs von Boeing verlor am Montag zeitweise fast neun Prozent an Wert. Muilenburg selbst blieb nach dem Unglück zunächst im Hintergrund, und Boeing gab nur dürre Stellungnahmen ab, in denen das Unternehmen Betroffenheit bekundete und Kooperation mit äthiopischen wie amerikanischen Behörden versprach. Das Unternehmen sagte außerdem die für diese Woche geplante Feier zur Enthüllung seines neuen Modells 777 X ab.

          Boeing-Chef Dennis Muilenburg

          Muilenburg steht seit knapp vier Jahren an der Konzernspitze. Während Führungswechsel von Boeing in der Vergangenheit oft im Zusammenhang mit Skandalen standen, verlief sein Aufstieg beinah geräuschlos. Das Unternehmen hatte sich für eine altgediente Kraft entschieden. Der studierte Luft- und Raumfahrtingenieur ist ein Boeing-Veteran und seit 1985 im Konzern.

          Sein Verhältnis zu Donald Trump ist nicht immer völlig frei von Differenzen. Trump hat Boeing zum Beispiel mit dem Entzug eines Auftrags für Neuauflagen des Präsidentenflugzeugs „Air Force One“ gedroht, weil er sie für zu teuer hielt, und Muilenburg sah sich gezwungen, ihm günstigere Konditionen zuzusagen. Auch der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt bereitet dem 55 Jahre alten Manager Sorgen. Aber unter dem Strich hat er sich offenbar gut mit Trump arrangiert und genießt seinen Zugang. Erst kürzlich sagte er über den Präsidenten: „Unternehmen sind ihm wichtig, und er schafft offene Kommunikationskanäle.“

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