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Nach Wechsel zu Oracle : HP verklagt ehemaligen Chef Mark Hurd

Topmanager Mark Hurd bei seinem neuen Arbeitgeber Oracle - jetzt hat er eine Klage von HP am Hals Bild: dapd

Mark Hurd ist noch nicht in seinem neuen Job angekommen, schon hat er eine Klage seines früheren Arbeitgebers Hewlett-Packard am Hals. Der befürchtet, Hurd könne Firmengeheimnisse weitergeben. Die Klage könnte Erfolg haben.

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          Nur einen Monat nach seiner spektakulären Ablösung als Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Technologiekonzerns Hewlett-Packard (HP) hat Mark Hurd beim Softwareanbieter Oracle angeheuert - und sich damit prompt eine Klage seines früheren Arbeitgebers eingehandelt. Oracle berief Hurd mit sofortiger Wirkung zum Präsidenten des Unternehmens, der direkt unterhalb des Gründers und Vorstandschefs Larry Ellison angesiedelt ist. Zudem hat Hurd einen Sitz im Verwaltungsrat. Die Position des Präsidenten soll sich Hurd mit Safra Catz teilen, der bisherige Ko-Präsident Charles Phillips hat Oracle verlassen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nur wenige Stunden nach seiner Ernennung wurde Hurd am Dienstag von HP verklagt. Zwar hat Hurd offenbar mit HP keine Wettbewerbsklausel vereinbart, die ihm einen Wechsel zu einem Rivalen wie Oracle grundsätzlich verbietet. Wie es in der Klage heißt, habe Hurd sich aber nach der Trennung von HP in einer Vereinbarung verpflichtet, keine Betriebsgeheimnisse und andere vertrauliche Informationen preiszugeben.

          Im Gegenzug bekam der Manager ein Abfindungspaket, dessen Wert je nach Entwicklung des Aktienkurses von HP mehr als 40 Millionen Dollar erreichen könnte. Seine neue Aufgabe bei Oracle könne Hurd laut Klage nicht erfüllen, ohne die Vertraulichkeitsvereinbarung mit HP zu verletzen. HP fordert in der Klage, dass Hurd untersagt wird, für einen Wettbewerber in einer Position zu arbeiten, in der er zwangsläufig vertrauliche Informationen nutzen würde. Oracle und Mark Hurd äußerten sich zunächst nicht.

          Oracle-Vorstandsvorsitzender Larry Ellison ist von Mark Hurd überzeugt

          Eine solche Klage ist in Kalifornien problematisch

          Rechtsexperten glauben, dass es für HP schwierig sein wird, mit ihrer Klage erfolgreich zu sein. Die kalifornischen Gerichte missbilligten in der Regel Verträge, die einem Beschäftigen beim Stellenwechsel behindern, sagte Jon Streeter von der Anwaltskanzlei Keker & Van Nest. Er erwartet, dass die Klage außergerichtlich beigelegt wird und Hurd einen Teil seiner Bezüge an HP zurückzahlen müsse.

          Auch Steven Zieff, Anwalt bei der Kanzlei Rudy, Exelrod, Zieff & Lowe LLP, wies auf die kalifornische Rechtslage hin. Sie mache es für Unternehmen schwierig, erfolgreich einen ehemaligen Beschäftigten zu verklagen, der zu einem Konkurrenten gewechselt ist. Allerdings: Je höher die Position des früheren Angestellten, desto bessere die Chancen für den ehemaligen Arbeitgeber, sagte Zieff. In Hurds Fall werde ein Richter den Argumenten von HP eher Gehör schenken.

          Oracle-Vorstandschef Larry Ellison hat für Hurd eine zentrale Rolle in der Transformation seines Unternehmens vorgesehen, denn Oracle befindet sich derzeit im Umbruch: Der Konzern ist traditionell auf Datenbanksoftware für Unternehmen spezialisiert. Mit einer Serie von Akquisitionen weitete Oracle seinen Aktionsradius zunächst auf sogenannte betriebswirtschaftliche Standardsoftware aus, die zur Steuerung von Prozessen wie Einkauf oder Rechnungswesen in Unternehmen eingesetzt wird.

          Oracle wagt sich auf neues Terrain

          Mit der im Januar dieses Jahres vollzogenen Übernahme von Sun Microsystems hat sich Oracle auf ein ganz neues Terrain gewagt, denn Sun stellt unter anderem Netzwerkrechner (Server) her, die in Rechenzentren von Unternehmen eingesetzt werden. Damit hat Oracle nun erstmals ein umfangreiches Hardwaregeschäft und konkurriert nun verstärkt mit anderen breit aufgestellten Technologieunternehmen wie IBM oder auch HP. Mark Hurd soll Oracle nun auf dem Weg der Integration von Hardware und Software weiter voranbringen, wie Ellison in einer Mitteilung hervorhob.

          HP hat sich im August abrupt von Hurd getrennt und sucht seither nach einem Nachfolger. Der Verwaltungsrat des Unternehmens begründete die Ablösung damit, dass Hurd Spesenabrechnungen gefälscht habe, um eine enge persönliche Beziehung mit einer früheren Vertragspartnerin des Unternehmens zu verschleiern. Oracle-Chef Ellison, der mit Hurd befreundet ist, hatte die Entscheidung des HP-Verwaltungsrats öffentlich heftig kritisiert.

          Pikanterweise ist auch der nun bei Oracle von Hurd ersetzte Charles Phillips in diesem Jahr wegen persönlicher Angelegenheiten in die Schlagzeilen geraten: Eine frühere Geliebte ließ ein Foto von sich und Phillips auf riesige Plakate drucken und diese an prominenten Stellen in New York und anderen Städten aufhängen. Phillips sah sich daraufhin gezwungen, sich zu einer außerehelichen Affäre mit der Frau zu bekennen.

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