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Daimlers Abgaswerte : „Wir haben nach bestem Wissen informiert“

  • -Aktualisiert am

Produktion im Daimler-Werk in Sindelfingen: Was droht dem Luxuswagen-Hersteller nun? Bild: dpa

Nach Volkswagen ist nun Daimler ins Visier der amerikanischen Justiz geraten. Eine Äußerung des Konzern-Finanzvorstands lässt aufhorchen.

          Der VW-Abgasskandal zieht Kreise. Jetzt ist auch Daimler ins Visier der amerikanischen Justiz geraten. Das Unternehmen ist aufgefordert worden, die eigenen Prozesse in Bezug auf Abgasemissionen zu untersuchen und amerikanischen Ermittlern gegenüber offen zu legen. Das teilte Daimler am Freitagmorgen mit.

          Die ganz großen Unschulds-Beteuerungen, die der Stuttgarter Konzern bisher auf Lager hatte, wenn in irgendeiner Weise vermutet wurde, dass Mercedes ähnliche Abgas-Verfahren wie Volkswagen angewandt haben könnte, blieben nun allerdings aus. Während der Präsentation der neuen Geschäftszahlen sagte Finanzvorstand Bodo Uebber auf die Frage, ob Daimler die Aussage beibehalte, im Gegensatz zu VW keine „Defeat Devices“ verwendet zu haben, die zu einer eingeschränkten Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung führen: „Wir haben zu jeder Zeit nach bestem Wissen und Gewissen informiert.“ Die Fahrzeuge von Mercedes seien nach den Rechtsvorschriften in den einzelnen Märkten zertifiziert und zugelassen worden, fügte Uebber noch hinzu.

          Der Daimler-Aktienkurs fiel im frühen Börsenhandel um mehr als 5 Prozent und auch die Kurse der Wettbewerber BMW und Volkswagen verzeichneten überdurchschnittliche Verluste. Wenn es um die Daimler-Titel geht, könnte ein Teil des Kursverlusts aber auch mit den neuen Quartalszahlen zusammen hängen.

          Zwar hat der Konzern für Absatz und Umsatz zuletzt ständig Rekordwerte vermeldet, allerdings ist das Ergebnis deutlich schlechter ausgefallen. Uebber erklärte das einerseits mit hohen Investitionen in die Produktoffensive und die Digitalisierung. Andererseits sei das schlechtere Ergebnis darauf zurückzuführen, dass zuletzt vor allem Autos verkauft wurden, die keine so hohe Rendite abwerfen.

          Die Aufforderung des amerikanischen Justizministeriums in Sachen Abgase ist der Daimler AG schon seit dem 15. April bekannt, sagte ein Sprecher. Das Justizministerium habe den Stuttgarter Konzern zunächst zu strenger Vertraulichkeit aufgefordert. Man halte den Vorgang aber für kapitalmarktrelevant, weshalb man nach Absprache mit der amerikanischen Justiz noch die Öffentlichkeit informiert habe.

          Externe Anwälte sollen helfen

          „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden“, erklärte Finanzvorstand Uebber dazu: „Etwaigen Hinweisen auf Regelverstöße wird das Unternehmen konsequent nachgehen und die erforderlichen Maßnahmen selbstverständlich treffen.“

          Uebber lehnte es jedoch ab, weitere Details zu nennen. Man habe die Erfahrung gemacht, „dass eine konservative Kommunikation den konstruktiven Dialog mit den Behörden unterstützt“. Hinter den Kulissen gab es offenbar schon umfangreiche Gespräche, auch mit Mitarbeitern der Umweltbehörden EPA und Carb.

          In den nächsten Tagen werde besprochen, welche Informationen die amerikanische Justiz haben wolle, was genau dazu unternommen werde, welche Experten dazu herangezogen würden, heißt es in Stuttgart. Man werde eine Anwaltskanzlei hinzuziehen, habe aber noch nicht entschieden welche. Es gebe keine Frist, bis zu der die Untersuchung der Zertifizierungs- und Zulassungsprozesse abgeschlossen seien.   

          Der Auslöser für die Ermittlungen sei vom Justizministerium nicht konkret benannt worden, heißt es von Seiten Daimlers. Man geht allerdings davon aus, dass es sich um eine Reaktion auf Sammelklagen von amerikanischen Autobesitzern handelt, die Mercedes überhöhte Emissionswerte vorwerfen. „Diese Sammelklagen halten wir für unbegründet“, sagte Bodo Uebber. „Wir werden uns dagegen mit sämtlichen juristischen Mitteln wehren.“

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