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Reaktion auf Uber-Unfall : Nvidia stoppt Tests mit Roboterautos

Auch in Deutschland fanden Tests für selbstfahrende Autos statt. Bild: dpa

Nvidia war der Börsenliebling der vergangenen Jahre. Nach dem tödlichen Uber-Unfall rät der Chiphersteller nun zu „extremer Vorsicht“ – und der Aktienkurs fällt.

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          Der Halbleiterkonzern Nvidia hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley stellt Grafikkarten her, die einst vor allem dafür bekannt waren, aufwendige Videospiele wie „Call of Duty“ realistisch aussehen zu lassen. Aber weil diese Prozessoren im Gegensatz zu gewöhnlichen Mikrochips in der Lage sind, Rechenschritte parallel und damit viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig ausführen zu können, eignen sie sich auch gut für zukunftsträchtige Anwendungen rund um künstliche Intelligenz, beispielsweise autonomes Fahren.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nvidia liefert seine Technik an eine ganze Reihe bekannter Auto- und Lastwagenhersteller und testet darüber hinaus selbst eine Flotte von Roboterautos. Der Chipspezialist konnte also seinen Aktionsradius erheblich ausweiten, und das hat ihn zum Börsenliebling gemacht. Er gehörte 2016 und 2017 im Börsenindex S&P 500 zu den zehn Unternehmen mit der besten Kursentwicklung – und auch seit Beginn dieses Jahres ging es weiter nach oben. Am Dienstag gab es allerdings einen herben Dämpfer. Die Nvidia-Aktie verlor fast acht Prozent an Wert und entwickelte sich damit noch einmal deutlich schwächer als der Gesamtmarkt.

          „Vom Uber-Unfall lernen“

          Der Kursrückgang dürfte damit zu tun haben, dass Nvidia ausgerechnet auf seinem neuen Paradegebiet des autonomen Fahrens für schlechte Nachrichten gesorgt hatte. Das Unternehmen kündigte an, die Tests mit seiner Flotte selbstfahrender Autos vorübergehend zu suspendieren. Es reagierte damit auf den Unfall mit einem vom Fahrdienst Uber betriebenen Roboterauto, das vor etwas mehr als einer Woche im amerikanischen Bundesstaat Arizona eine Fußgängerin erfasste und tötete. Nvidia teilte mit, seine Tests auf öffentlichen Straßen auszusetzen, „um von dem Uber-Unfall zu lernen“. Der Unfall erinnere daran, wie schwierig autonome Fahrtechnik sei und dass man auf diesem Gebiet „extreme Vorsicht“ walten lassen müsse. Nvidia hat seine selbstfahrenden Autos bislang in den amerikanischen Bundesstaaten Kalifornien und New Jersey getestet, außerdem in Deutschland und Japan.

          NVIDIA

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          Uber zählt zu den Partnern von Nvidia. Erst im Januar auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas hatten die beiden Unternehmen ihre Kooperation öffentlich verkündet. Nvidia teilte damals mit, seine Technologie komme in selbstfahrenden Autos und Lastwagen von Uber zum Einsatz und ermögliche ihnen, „die Welt wahrzunehmen, vorauszusagen, was als nächstes passiert und schnell die beste Vorgehensweise zu wählen, auch in komplexen Umfeldern“.

          Mangelhafte Technik

          Es ist unklar, ob Nvidia-Technik in dem Unfallwagen in Arizona eingebaut war, aber genau an diesen Dingen schien es bei dem tragischen Geschehnis zu hapern. Die Ermittlungen laufen noch, aber in einem Polizeivideo, das den Unfallhergang zeigt, ist zu sehen, dass die Frau in der Dunkelheit zwar plötzlich auftaucht, das Uber-Fahrzeug aber keine Reaktion zu zeigen scheint. Doug Ducey, der Gouverneur von Arizona, fand dieses Video so „verstörend und alarmierend“, dass er Uber die Testerlaubnis für Roboterautos in seinem Bundesstaat entzog.

          Uber hatte nach dem Unfall seine selbstfahrenden Autos schon freiwillig von der Straße genommen, nicht nur in Arizona, sondern auch in seinen anderen Teststädten Pittsburgh, San Francisco und Toronto. Auch der japanische Autohersteller Toyota kündigte an, seine Tests mit solchen Fahrzeugen vorerst zu unterbrechen. Damit wolle man seinen Fahrern Gelegenheit geben, „diese Tragödie emotional zu verarbeiten“. Die Stadt Boston untersagte vorläufig weitere Tests mit Roboterautos auf ihren Straßen.

          Die Verbraucherschutzgruppe „Consumer Watchdog“ forderte sogar ein „nationales Moratorium“ für alle Tests mit autonomen Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen, solange nicht alle Details zu dem Unfall publik gemacht und von Experten analysiert worden seien. Die Organisation kritisierte vor allem den Bundesstaat Arizona, der bislang für seine vergleichsweise wenig strenge Regulierung selbstfahrender Autos bekannt war und nicht zuletzt deshalb ein beliebtes Testrevier für Unternehmen wie Uber oder Waymo geworden ist. Arizona sei der „Wilde Westen“ bei Tests von Roboterautos. „Wenn es keinen Sheriff in der Stadt gibt, dann sterben die Leute.“

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