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Nach turbulenter Aufsichtsratssitzung : Banken kritisieren Conti-Aufsichtsratschef Koerfer

  • Aktualisiert am

Rolf Koerfer Bild: dpa

Nach der turbulenten Aufsichtsratssitzung bei Conti bleiben die Fronten zwischen dem Konzern und seinem Großaktionär Schaeffler verhärtet. Nun ist auch noch das Schaeffler-Bankenkonsortium dem Vernehmen nach auf Abstand zu Aufsichtsratschef Koerfer gegangen.

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          Nach der turbulenten Aufsichtsratssitzung beim Autozulieferer Continental bleiben die Fronten zwischen dem Konzern und seinem Großaktionär Schaeffler verhärtet. „Die Lage ist total verworren. Ob es bald eine Deeskalation geben wird, ist völlig unklar“, heißt es bei Beteiligten. Die Vertreter des Herzogenauracher Wälzlagerherstellers, der 90 Prozent an Conti hält, waren am Donnerstag am Widerstand der Arbeitnehmerbank mit dem Versuch gescheitert, Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann abzusetzen. Besonders die Gläubigerbanken beider Konzerne äußern am Verhalten des Conti-Aufsichtsratschefs Rolf Koerfer Kritik, der die Ablösung Neumanns betrieben hatte. Das Schaeffler-Bankenkonsortium ist dem Vernehmen nach auf Abstand zu Koerfer gegangen. Schaeffler teilte jedoch mit, eine Ablösung Koerfers, der die Familie seit langem berät und ein Vertrauter von Maria-Elisabeth Schaeffler ist, stehe nicht zur Debatte.

          Nach dem Plan der Herzogenauracher sollen Conti und Schaeffler unter dem Dach einer börsennotierten Gesellschaft verschmolzen werden, deren Führung in Herzogenaurach liegen soll. Neumann soll bei der Fusion keine Rolle mehr spielen. Schaeffler hält weiterhin an dem Plan fest, ihn am 12. August im Conti-Vermittlungsausschuss mit den Stimmen der Anteilseigner abzusetzen. Mit der öffentlich vorgetragenen Forderung nach der am Donnerstag beschlossenen Kapitalerhöhung über 1,5 Milliarden Euro hatte Neumann das Vertrauen des Großaktionärs verloren. Dass der Vorstandschef nach nur einjähriger Amtszeit gehen muss, halten viele der Beteiligten für beschlossene Sache. Unterstützung erhält Neumann weiterhin von Teilen der Conti-Gläubigerbanken sowie von der niedersächsischen Landesregierung. Ministerpräsident Christian Wulff ist erbost über das Vorgehen von Schaeffler und will verhindern, dass die Herzogenauracher Conti-Sparten wie das Reifengeschäft verkaufen und die operative Konzernführung nach Herzogenaurach verlagern.

          Neumann innerhalb des Gewerkschaftslagers umstritten

          Umstritten ist Neumann innerhalb des Gewerkschaftslagers. „Wir stehen weiter zu ihm“, sagte der stellvertretende Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bischoff von der IG Bergbau, Chemie, Energie dieser Zeitung. Allerdings wolle er auch mit dem von Schaeffler vorgeschlagenen Nachfolger Elmar Degenhart sprechen, der im fränkischen Konzern die Auto-Sparte führt.

          Bei der IG Metall ist die Stimmung gespalten: Während der niedersächsische Bezirksleiter und Conti-Aufsichtsrat Hartmut Meine zu Neumann hält, bezeichnete der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer Neumann am Montag als „prügelharten Hund“. Zwar kritisierte Neugebauer auch die Schaeffler-Führung wegen ihres Vorgehens. Trotzdem zieht die IG Metall auf anderer Ebene mit Schaeffler an einem Strang. In Bayern stehen die Gewerkschaft und das Familienunternehmen, das lange von Mitbestimmung nichts wissen wollte, eng zusammen. Pflichtschuldig dringt auch der Schaeffler-Betriebsbetreuer Wolfgang Müller von der IG Metall auf eine schnelle Einigung, wenn er, wie am Montag in München, sagt, „die Querelen und der Machtkampf“ müssten nun ein Ende haben. Aber Müller ist ebenso klar, dass alles von der künftigen Struktur des Fusionskonzerns abhängt.

          Hinter vorgehaltener Hand sprechen einige in München von einem „gut funktionierenden Verhältnis“ zwischen Schaeffler und Gewerkschaft. Dann wird daran erinnert, dass Schaeffler die Einsparungen mit der IG Metall bewältigt hat und das Kostenziel ohne betriebsbedingte Kündigungen erreichen will. Die Arbeitnehmervertreter haben sich mit Schaeffler für alle Standorte auf den Ausschluss von Kündigungen bis Mitte 2010 geeinigt. Einem Firmensprecher fiel die Erneuerung eines Versprechens am Montag leicht: „Wir stehen uneingeschränkt zur Zukunftsvereinbarung“, sagte er, „die Mitbestimmung bei Schaeffler wird kommen.“

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