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Nach Praktiker-Pleite : Globus gibt im Rennen um Max Bahr nicht auf

Wird Max Bahr zerschlagen? Bild: dpa

Das drohende Aus für die Baumarktkette Max Bahr schlägt hohe Wellen. Die Schuld geben viele der Royal Bank of Scotland. Der Einzelhändler Globus erneuert sein Angebot – und will die meisten Arbeitsplätze retten.

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          Die saarländische Handelsgruppe Globus hält an ihrem Angebot fest, alle Baumärkte der Kette Max Bahr zu übernehmen und einen Großteil der Arbeitsplätze zu bewahren. „Wir haben noch immer Interesse“, sagte Globus-Eigentümer Thomas Bruch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach den gescheiterten Kaufverhandlungen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Am Freitag hatte der Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder die Gespräche mit dem Bieterkonsortium um den Dortmunder Baumarktbetreiber Hellweg für gescheitert erklärt. Nun droht Max Bahr die Zerschlagung. Bruch verweist darauf, dass Globus zwar möglicherweise weniger geboten habe, dafür aber den Großteil der Arbeitsplätze der ehemaligen Praktiker-Tochtergesellschaft retten könnte. „Wir hätten die meisten der 3600 Mitarbeiter übernommen.“

          Gescheitert ist die Rettung von Max Bahr nicht nur nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter an der Royal Bank of Scotland (RBS), einer der größten Banken der Welt. Sie ist der größte Gläubiger der insolventen Vermieter-Gesellschaft Moor Park, der ein Großteil der Max-Bahr-Märkte gehört. Die Mietgarantien für die Immobilien, die sie von den Käufern gefordert habe, seien „überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Kruse der F.A.Z.: „Da kann man nur den Kopf schütteln.“ Auch Kaufinteressenten kritisieren, dass die Arbeitsplätze von Max Bahr für die Bank keine Rolle gespielt hätten, obwohl die RBS selbst mit einem der weltweit größten Rettungspakete für Banken überhaupt vom britischen Staat gerettet wurde. Und noch heute mehrheitlich dem britischen Staat gehört.

          Es liegt an der Royal Bank of Scotland

          Im Umfeld des Insolvenzverwalters hieß es am Wochenende, die Türen für Gespräche mit Globus seien grundsätzlich offen. Allerdings sieht er seinen Einfluss in dieser Sache offenbar als begrenzt an. Sollte es tatsächlich einen zweiten Anlauf geben, müssten sich die Saarländer in erster Linie mit der RBS zusammensetzen, heißt es. Da diese beiden Parteien sich schon in der ersten Runde nach langen Verhandlungen nicht einig geworden sind, wird die Aussicht auf einen weiteren Versuch als gering eingeschätzt.

          Von dem Bieterkonsortium um Hellweg hatte die RBS Mietsicherheiten für den Fall gefordert, dass Max Bahr zahlungsunfähig geworden wäre. Offenbar waren die Dortmunder aber nicht bereit, solche Garantien in dem geforderten Umfang zu geben. Auch Bruch gibt zu bedenken, dass die bislang von Max Bahr gezahlten Mieten jenseits dessen seien, was in der Branche üblich sei. „Ohne einen Abschlag wird es nicht gehen.“

          Eine Sprecherin der RBS wollte sich zu dem Thema am Wochenende nicht äußern. Im Umfeld der Bank hieß es, aus Sicht des Instituts sei das Risiko ohne die geforderte Sicherheit zu hoch gewesen. Da die Chancen für einen erfolgreichen Neustart der Baumarktkette zumindest fraglich seien, habe die Bank auf Garantien von Hellweg bestehen müssen.

          Globus-Eigentümer warnt vor Einzel-Verkäufen

          Nach Informationen der „Saarbrücker Zeitung“ hat Globus 420 Millionen Euro für den Kauf der Max-Bahr-Immobilien oder Mietzahlungen von 37 Millionen Euro im Jahr geboten. Moor Park habe allerdings 450 Millionen Euro oder 50 Millionen Euro Jahresmiete gefordert. Beim Verkauf von Max Bahr an Praktiker im Jahr 2007 sollen die Märkte mit 800 Millionen Euro bewertet worden sein. Der Insolvenzverwalter will nun die Märkte einzeln verkaufen, um einen Teil der Schulden zurückzuführen. Es gebe etliche Interessen-Bekundungen für einzelne Standorte.

          Globus-Eigentümer Bruch, der alle 73 „alten“ Max-Bahr-Märkte und zudem einen Teil der in höchster Not zu Max Bahr umgeflaggten ehemaligen Praktiker-Märkte übernehmen wollte, sieht diesen Plan skeptisch. Es werde nicht einfach sein, die Märkte einzeln zu vermarkten, sagte er. Vor allem in attraktiven Lagen seien die großen Wettbewerber schon präsent, deshalb werde es dort zu Kartellproblemen kommen. Eine Umwidmung der Immobilien etwa zu einem Supermarkt sei wegen des Baurechts auch nicht ohne weiteres möglich und würde lange dauern. Deshalb sei es fraglich, ob der Zerschlagungswert tatsächlich höher sei als das Gebot von Globus.

          Globus ist mit fast 6,7 Milliarden Euro Jahresumsatz und 35.000 Mitarbeitern einer der größten familiengeführten Einzelhändler Deutschlands. Mit 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz sind die Baumärkte für Globus indes nur der kleinere Teil des Geschäfts. Das Gros des Umsatzes erwirtschaftet die Gruppe mit Lebensmittelgroßmärkten in Deutschland, Tschechien und Russland.

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