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Nach neuem Geständnis : „Hoeneß ist endgültig zum unhaltbaren Zocker geworden“

Uli Hoeneß mit VW-Chef Martin Winterkorn Bild: dpa

Es wird jeden Tag schlimmer. Uli Hoeneß muss nun wirklich fürchten, hinter Gittern zu landen. Auch der Aufsichtsrat der FC Bayern AG sieht alt aus. Neue Rücktrittsforderungen machen schon die Runde.

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          Am Montag gestand Uli Hoeneß vor Gericht, nicht „nur“ 3,5 Millionen Euro, sondern 18,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Am Dienstag nun rechnete eine Steuerfahnderin vor, dass die Steuerschuld des Bayern-Präsidenten sogar 27 Millionen Euro betrage. Das ist nicht nur für den Fußballmanager verheerend, der nun mehr denn je fürchten muss, hinter Gittern zu landen. Auch der Aufsichtsrat der FC Bayern AG sieht vor dem Hintergrund dieser neuen Zahlen, die sich aus Hoeneß’ nachgereichten Bankakten ergeben, alt aus.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Das Kontrollgremium der FC Bayern AG, in dem mit Martin Winterkorn (Volkswagen), Rupert Stadler (Audi), Herbert Hainer (Adidas) und Timotheus Höttges (Telekom) führende Vertreter der deutschen Wirtschaft vertreten sind, hat bis zuletzt die Hand über ihren Aufsichtsratsvorsitzenden gehalten. Obwohl sie in ihren eigenen Unternehmen strengen Regeln für eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) sowie für ein faires und gesetzeskonformes Verhalten (Compliance) unterworfen sind, rücken sie auch im Lichte der neuen Erkenntnisse bisher nicht von Hoeneß ab.

          Audi-Chef Stadler lehnte am Dienstag eine Neubewertung der Causa Hoeneß mit Hinweis auf das laufende Gerichtsverfahren ab. „Es gibt eine Instanz, in der Recht gesprochen wird, und das ist das Gericht“, sagte er auf Anfrage. Der Aufsichtsrat wolle dem Urteil nicht vorgreifen.

          Nach Ansicht von Christian Strenger, Experte für gute Unternehmensführung, sollte Hoeneß den Bayern-Aufsichtsrat schleunigst verlassen: „Hoeneß ist mit seinem zu späten Mega-Geständnis endgültig zum unhaltbaren Zocker geworden. Der Aufsichtsrat sollte ihn nun eindringlich auffordern, endlich die Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten“, sagte Strenger der F.A.Z. Dass die übrigen Aufsichtsräte Hoeneß im November ihr Vertrauen ausgesprochen hatten, sei ein Fehler gewesen: „Die Herren Hainer, Hoettges, Stadler & Co. haben Hoeneß vertraut. Dieses Vertrauen hat er missbraucht. Wenn er den übrigen Aufsichtsräten schon vor einem Jahr erzählt hätte, dass es in der Steueraffäre um ganz andere Hausnummern geht, hätten sie ihn wohl längst weggeschickt.“ Strenger, der in den Aufsichtsräten der TUI und der Fondsgesellschaft DWS sitzt, glaubt, dass mit Hoeneß’ Abschied auch dem Wirtschaftsunternehmen FC Bayern München AG geholfen wäre.

          Auch Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, wirft den Bayern-Aufsichtsräten vor, falsch gehandelt zu haben: „Man hätte früher reagieren müssen. Schon nachdem die Richter das Strafverfahren zur Verhandlung zugelassen hatten, hätte Hoeneß zurücktreten müssen“, sagte Hocker dieser Zeitung. Hoeneß könne nach einer Verurteilung nicht Aufsichtsrat bleiben. „Sonst ist der Schaden für die FC Bayern München AG zu hoch. Und dies strahlt dann auch negativ auf die an dem Verein beteiligten Unternehmen Audi, Adidas, Telekom und Allianz aus“, sagte Hocker.

          Konzernlenker auf Tauchstation

          Schon mit der Nichtabberufung des geständigen Steuerhinterziehers verstießen die Manager gegen die eigenen „Regeln der guten Unternehmensführung“. Bei Adidas zum Beispiel schreibt der Kodex vor, dass jeder Mitarbeiter „ethisch zu handeln und die gesetzlichen Vorschriften der Rechtsordnung zu beachten“ habe. Gleichwohl plädierte Adidas-Chef Hainer noch vor Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Hoeneß auf mildernde Umstände: Hoeneß wisse selbst, dass er eine „Riesendummheit“ begangen habe, und verdiene eine zweite Chance, sagte er damals. Heute will er sich lieber nicht mehr äußern.

          Auch der VW-Konzern, der über die Tochtergesellschaft Audi an der FC Bayern München AG beteiligt ist, geht auf Tauchstation: Der Stellungnahme des Aufsichtsrats vom November sei nichts hinzuzufügen, sagte ein Sprecher. Die bisherige Toleranz gegenüber Hoeneß passt nicht zu den Aussagen im VW-Geschäftsbericht. Dort werden „Kernwerte wie Integrität und Fairness“ beschworen. Ferner wird auf eine Rede von Vorstandschef Winterkorn verwiesen: Dieser habe vor 3900 Führungskräften unterstrichen, „dass es beim Thema Compliance zum Schutz der Reputation des Unternehmens keinerlei Toleranz gibt“.

          Stoiber: 92 Prozent der Fans wollen Uli Hoeneß behalten

          In der Politik springt niemand mehr Hoeneß zur Seite. Nur sein persönlicher Freund Edmund Stoiber, früherer Ministerpräsident Bayerns und heutiger Entbürokratisierer der EU, wird in der Verteidigung nicht müde. Er beruft sich auf den Rückhalt im Verein: „90 Prozent der Mitglieder und 92 Prozent der Fans wollen den Uli Hoeneß behalten.“

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