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Nach Merkels Intervention : Russischer Investor will Wadan-Werften retten

Wadan-Werft in Warnemünde: Hoffnung in Sicht Bild: AP

Sechs Wochen vor der Bundestagswahl haben die insolventen Wadan-Werften in Mecklenburg-Vorpommern einen Investor gefunden. Den Verkauf mit einem Volumen von 40,5 Millionen Euro an den früheren russischen Energieminister Igor Jussufow hat Bundeskanzlerin Merkel mit eingefädelt.

          Sechs Wochen vor der Bundestagswahl haben die insolventen Wadan-Werften in Mecklenburg-Vorpommern mit tatkräftiger Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen neuen Investor gefunden. Er stammt wie der bisherige Besitzer aus Russland. Der frühere russische Energieminister Igor Jussofow hat einen Kaufvertrag über 40,5 Millionen Euro für die beiden Schiffbaubetriebe in Wismar und Rostock-Warnemünde unterschrieben.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Der Gläubigerausschuss mit Vertretern von Land, Deutscher Bank, Kreditanstalt für Wiederaufbau und Zulieferern stimmte am Montagabend dem Vertrag einstimmig zu. Die Forderungen belaufen sich auf insgesamt knapp 100 Millionen Euro. Jussofow will beide Werft-Standorte erhalten, gibt allerdings nur eine Garantie für 600 Arbeitsplätze je Standort. In der Spitze könnten noch einmal insgesamt 400 Beschäftigte hinzukommen. Bei Wadan waren zuletzt 2500 Menschen beschäftigt.

          Neuer Name: Nordic Yards

          Jussofow wird zusammen mit drei weiteren Partnern bei den Werften einsteigen, die er in Nordic Yards umbenennen will. Die Werften sollen neben Windenergieplattformen vor allem eisbrechende Tanker bauen, mit denen russische Unternehmen Öl- und Gasvorkommen erschließen wollen. Bei einem der Partner handelt es sich um das russische Staatsunternehmen OSK. Jussofow stellte am Montagabend zwar keine direkten Forderungen nach weiterer Staatshilfe von Land und Bundesregierung. Er sei sich jedoch sicher, „dass es in den nächsten Wochen einen konstruktiven Dialog auch um Finanzfragen gibt“.

          Sein Sanierungskonzept war auch Gegenstand des Treffens von Bundeskanzlerin Merkel mit dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew am Freitag im russischen Sotschi gewesen. Merkel, deren Wahlkreis für die Bundestagswahl im September gleich neben der Rostocker Werft liegt, hatte in den vergangenen Monaten hinter den Kulissen immer wieder Druck gemacht und Staatshilfe versprochen, um die Industriebetriebe im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern zu erhalten, das unter hoher Arbeitslosigkeit und der Abwanderung der Jungen leidet.

          Die Kanzlerin schaltete sich persönlich ein

          Bisher hatte Merkel stets ihren Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) etwa gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium darauf dringen lassen, dass neue Staatsbürgschaften und Kredite erteilt werden. Doch nachdem der Insolvenzverwalter trotzdem keinen neuen Investor gefunden hatte, hat sich die Kanzlerin nun persönlich eingeschaltet und ihren russischen Amtskollegen offenbar dazu gebracht, mit Hilfe von staatlich gelenkten russischen Konzernen die Werften zu retten. Merkel hatte am Freitag erklärt, sie habe angesichts der vorliegenden Verträge die Hoffnung, dass von Jussofow ein „seriöses Interesse“ an Wadan habe. Jussofow sitzt im Aufsichtsrat des staatlichen Energiekonzerns Gasprom.

          Offiziell hat der russische Präsident Medwedjew allerdings bestritten, dass Gasprom auf Wunsch der Regierung über Aufträge an Wadan die Werften zu retten gedenkt. Jussofow ist ein ehemaliger Geschäftspartner von Andrej Burlakow, der die Wadan-Werften im vergangenen Jahr mit dem Versprechen gekauft hatte, dank seiner hervorragenden Verbindungen zum russischen Staat werde sich die Werft bald vor Aufträgen nicht mehr retten können. Seit seinem Einstieg holte Burlakow indes nicht einen einzigen neuen Vertrag herein. Weil er zuvor ausgehandelten Zahlungsverpflichtungen nicht nachkam, mussten die Werften Anfang Juni Insolvenzanträge stellen.

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