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Nach Legalisierung : Microsoft wagt sich ins heikle Marihuanageschäft

Auf dieser Farm in Colorado wird Marihuana für den medizinischen Gebrauch angebaut. Bild: AFP

Der Anbau von Marihuana ist inzwischen hochgradig technisiert. Nun investiert auch Microsoft in ein Start-Up, das von der Legalisierung der Substanz profitiert.

          Marihuana ist in den Vereinigten Staaten ein Wachstumsmarkt. In 25 Bundesstaaten ist der Verkauf und Konsum der Substanz erlaubt, zum Teil nur für den medizinischen Einsatz, aber in zunehmender Zahl auch als reines Genussmittel. Die Legalisierungswelle hat eine rege Start-Up-Szene von Unternehmen entstehen lassen, die eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen anbieten: von Beleuchtungstechnik über Sicherheitssysteme bis hin zu Smartphone-Apps. Größere Unternehmen haben sich bislang aus diesem Geschäft herausgehalten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt aber steigt der Softwarekonzern Microsoft in den Markt ein, wenn auch in indirekter Form und mit großer Distanz zum eigentlichen Anbau und Verkauf der Droge. Microsoft hat eine Allianz mit Kind Financial geschlossen, einem kalifornischen Anbieter von Software für das Marihuanageschäft. Die Programme von Kind Financial helfen Marihuanabetrieben, ihr Geschäft zu dokumentieren und sicherzustellen, dass sie im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben stehen.

          Das Unternehmen bietet seine Software auch Behörden an und hilft ihnen bei der Kontrolle der Marihuanabranche. Auf genau dieses Geschäft mit der Regierung zielt die verkündete Allianz. Microsoft will die Kind-Software als Teil seiner auf Behörden zugeschnittenen Version von Azure vermarkten, einer Plattform für sogenanntes „Cloud Computing“.

          Noch immer ein heikles Geschäft

          Kind-Vorstandsvorsitzender David Dinenberg sagte der „New York Times“, er habe viel Überzeugungsarbeit leisten müssen und mit einer Reihe verschiedener Unternehmen gesprochen, bis nun die Partnerschaft mit Microsoft zustande gekommen sei. Marihuana ist noch immer ein heikles Geschäft, zumal die Droge auf Bundesebene in Amerika verboten bleibt und sogar auf eine Stufe mit Heroin gestellt wird. Das führt zum Beispiel dazu, dass Banken den Markt bislang weitgehend meiden, weil sie fürchten, sich aus Sicht der Bundesregierung der Geldwäsche schuldig zu machen.

          Dennoch wächst der Markt rasant. Nach Angaben der auf die Branche spezialisierten Analyse- und Investmentgruppe Arcview kletterte der gesamte Marihuanaumsatz in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Für 2016 wird ein weiterer Anstieg auf 6,7 Milliarden Dollar erwartet, 2020 sollen es sogar 21,8 Milliarden Dollar sein. Bis dahin soll auch mehr als die Hälfte des Geschäfts auf den Verkauf von Marihuana zum Genusskonsum entfallen, während heute noch der Einsatz als Therapiemittel dominiert.

          In diesem November steht in einer Reihe weiterer Bundesstaaten die Legalisierung von Marihuana als Genussmittel zur Wahl, darunter in Kalifornien. In Microsofts Heimatbundesstaat Washington darf die Substanz dagegen schon heute zum puren Genuss konsumiert werden.

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