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Nach Korruptionsskandal : MAN-Chef Samuelsson tritt zurück

  • Aktualisiert am

Håkan Samuelsson Bild: dpa

Der Vorstandsvorsitzende des Lastwagenherstellers MAN, Håkan Samuelsson, ist zurückgetreten. Er übernimmt damit die Verantwortung für den Korruptionsskandal. Es gibt aber auch Spekulationen, wonach die Entscheidung mit dem Umbau im Volkswagen-Konzern zusammenhängen könnte.

          Der Korruptionskandal von MAN hat überraschend zum Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Håkan Samuelsson geführt. Am Montagnachmittag teilte der Münchener Nutzfahrzeug- und Industriegüterhersteller mit, dass der 58 Jahre alte Schwede mit sofortiger Wirkung und „auf eigenen Wunsch“ aus dem Amt ausgeschieden ist. Nur kryptisch wird auf die Gründe für seinen Entschluss hingewiesen, der den Konzern offenbar unvorbereitet getroffen hat. Der Aktienkurs des im Dax gelisteten Konzerns sprang sofort nach der Meldung um 5 Prozent auf 62,44 Euro, um kurz darauf bei 59,70 Euro nahezu auf dem Stand des Vortages zu schließen.

          Samuelssons Rücktritt soll mit der Schmiergeldaffäre zusammenhängen, die im Mai bekannt wurde. Wie es heißt, übernimmt Samuelsson die Verantwortung für diesen Korruptionsskandal. Es gab aber auch Spekulationen, wonach Samuelsson wegen einer möglichen Neuordnung der Nutzfahrzeugsparte im Volkswagen-Konzern abgetreten sei. VW ist mit knapp 30 Prozent größter Aktionär von MAN und zugleich Mehrheitsaktionär des schwedischen Konkurrenten Scania. Seit langem gibt es Gerüchte über eine engere Verbindung von MAN und Scania, wobei Samuelsson stets hoffte, dass MAN die Führung übernehmen könnte. In Unternehmenskreisen wird aber verneint, dass der Rücktritt mit den VW-Plänen zusammenhänge.

          Offiziell hieß es nur: „Samuelsson will mit seiner Entscheidung dazu beitragen, dass sich die MAN-Gruppe wieder zügig voll und ganz ihren Kerngeschäften und ihrer weiteren Unternehmensentwicklung widmen kann.“ Der Vorstandschef sei zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben solle.

          Nach den Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft soll es im Inland verdeckte Provisionszahlungen für den Verkauf von Lastwagen von 1 Million Euro gegeben haben, im Ausland von rund 15 Millionen Euro. Die Affäre hat zu einem Imageschaden geführt, weshalb Samuelsson an einer zügigen Aufklärung und an einer engen Kooperation mit den Behörden gelegen war. Auf der Aufsichtsratssitzung am 11. Dezember sollte eigentlich ein Abschlussbericht vorgelegt werden. Samuelsson wird von der Staatsanwaltschaft nicht als Beschuldigter geführt, obwohl er in der Zeit der aufgedeckten Schmiergeldzahlungen zwischen 2002 und 2005 Chef der Nutzfahrzeugsparte war. Zwei Vorstandsmitglieder der Tochtergesellschaft MAN Nutzfahrzeuge haben vor einigen Monaten mit ihrem Rücktritt schon Konsequenzen gezogen: Vertriebsvorstand Peter Erichreineke und Sabine Drzisga, Vorstandsmitglied für Controlling, Einkauf und Recht.

          Samuelsson wurde Anfang 2005 Vorstandschef von MAN. Kommissarisch übernimmt Georg Pachta-Reyhofen die Nachfolge zusätzlich zu seiner Aufgabe als Vorstandschef der MAN Diesel SE.

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