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Nach Klöckner-Video : Nestlé ist böse, Nestlé ist der Feind

Das oberste Ziel: Gewinnmaximierung

Wo immer die Arbeitsbedingungen in der Nahrungsmittelproduktion beklagt werden – sei es auf Kaffeeplantagen oder auf Sojafeldern –, kommt Nestlé ins Spiel. Die Größe des Konzerns und die Vielschichtigkeit der Produktpalette mögen ein Vorteil gegenüber Mitbewerbern sein. Doch sie machen Nestlé auch besonders angreifbar.

Dabei ist Nestlé, 1866 von einem Apotheker gegründet, längst nicht der einzige große internationale Konzern in der Branche. Auch Unilever, der britisch-niederländische Konkurrent, kommt auf einen großen Marktanteil. Doch die beiden Wettbewerber unterscheidet, dass es unterschiedlich schwierig ist, ihre Produkte und Marken einem der beiden zuzuordnen. Während Unilever den Firmennamen aus Produktnamen wie Magnum-Eis und Knorr-Suppen bewusst heraushält, gilt bei Nestlé der Grundsatz: „Das Unternehmen ist der Star.“ Der Firmenname taucht immer wieder auf: Nescafé, Nesquik, Nestea und Nespresso sind nur eine Auswahl.

Deshalb ist Nestlé in den Köpfen der Verbraucher weitaus präsenter. Dumm nur, wenn die mit dem Firmennamen keinen sympathischen Firmenpatron verbinden, sondern einen riesigen Konzern, dessen oberstes Ziel die Gewinnmaximierung ist. Im vergangenen Herbst schraubte Nestlé auf Druck seiner Aktionäre die Renditeerwartung von 16 auf 18,5 Prozent hoch. „Das ist gierig und maßlos“, schimpfte damals der Gewerkschafter Guido Zeitler in der Tageszeitung „taz“. Denn gleichzeitig sollten 1000 Stellen gestrichen werden. „Jeder normale Sparer bekommt derzeit 0 Prozent Rendite. Der Aktionär sagt: Ich will 18 haben“, so Zeitler weiter.

So könnte man sagen: Je erfolgreicher Nestlé wird, desto schlechter fürs Image. „Die wahrgenommene Marktmacht ist extrem“, erklärt Konsumforscher Haubach. „Man isst lieber bei Underdogs.“ Ein sympathisches, kleines Start-up mit ökologisch hergestellten Lebensmitteln aus der Region habe es da leichter. In Deutschland ist das Licht, in dem Nestlé wahrgenommen wird, besonders dunkel. Es gibt hier viele Mittelständler, die weniger Produkte vermarkten, mit denen die Konsumenten sich eher identifizieren können.

Auf neue Vorwürfe reagiert Nestlé häufig mit dem Hinweis auf all das Gute, das man doch tue. Tatsächlich tut der Konzern vieles, um seine öffentliche Wahrnehmung zu verbessern: Regelmäßig werden Studien zu Ernährungsgewohnheiten veröffentlicht, es gibt einen NGO-Beirat, in dem das Unternehmen regelmäßig mit seinen Kritikern spricht, und in Ländern wie Äthiopien und Pakistan wird Trinkwasser der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung gestellt. All das hält viele Leute nicht davon ab, darin vor allem „Greenwashing“ zu wittern – also Aktionen, die von den Problemen ablenken sollen. Bilder und Zitate aus kritischen Dokumentarfilmen haben sich festgesetzt. Selbst wenn Nestlé etwas Gutes tut, bei den Menschen bleibt viel eher das Negative hängen. Nestlé-Mann Antonoff weiß: „Vorurteile oder Urteile über Bord zu werden ist ein langwieriger Prozess.“

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