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Nach Investoreneintritt : Axel Springer stutzt Redaktionen

Umabuarbeiten stehen an: Axel-Springer-Zentrale in Berlin Bild: dpa

Der Eintritt des Finanzinvestors KKR in den Medienkonzern hat nicht jeden gefreut. Nun sollen Arbeitsplätze wegfallen. Das Unternehmen will dafür „Bild“ ins Fernsehen bringen.

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          Der Medienkonzern Axel Springer senkt Kosten, baut Arbeitsplätze ab, beschneidet die Eigenständigkeit von Redaktionen und stellt Titel ein. Dafür will er in einer Video-Strategie in bewegte Bilder investieren; die Boulevardmarke „Bild“ soll Fernsehen machen. Das gab der Berliner Konzern am Montag bekannt, nachdem er vor wenigen Wochen den Finanzinvestoren KKR ins Haus geholt hatte.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Durch den Einstieg der Amerikaner war in den vergangenen Wochen die Unruhe im Haus gewachsen. Unter anderem hatten KKR und Springer laut Angebotsofferte den Bestand der „Welt“-Gruppe an das Erreichen wirtschaftlicher Ziele geknüpft, welche nicht genannt wurden. Springer versuchte das in der Folge als faktische Bestandsgarantie darzustellen.

          Die großen Zeitungen sollen nun weiter auf Papier erscheinen: „Bild“ mit seinen Regionalausgaben, die Hauptstadt-Boulevard-Zeitung „B.Z.“, „Bild am Sonntag“, „Welt“ und „Welt am Sonntag“ würden auch als gedruckte Zeitungen weiter bestehen, teilte das Unternehmen mit. Kleinere Titel verschwinden: Springer schließt die werktäglichen Ausgaben der Kurzversion „Welt Kompakt“ und der „Welt Hamburg“ – in der Hansestadt war die „Welt“ ebenso wie die „Bild“ einst ansässig gewesen.

          Keine Zahlen für den Abbau

          Das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ hört als eigene Einheit ebenfalls auf zu bestehen. Es werde „redaktionell in die Welt integriert“, hieß es. „Bilanz“ war im Jahr 2014 angetreten, um dem „Manager Magazin“ Konkurrenz zu machen, unter Führung zweier früherer Protagonisten dieses Titels aus der Spiegel-Gruppe.

          Um 50 Millionen Euro sollen die Kosten im Unternehmensbereich News Media National sinken, zu dem die Zeitungen der „Bild“- und „Welt“-Gruppe gehören. Man wolle sich fokussieren und „Strukturen in Bereichen, die nicht mehr wachsen, verkleinern“, sagte das zuständige Vorstandsmitglied Stephanie Caspar. „Das erfordert Einschnitte, leider auch bei Mitarbeitern.“

          Springer nannte keine Zahl für den Stellenabbau. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach unter Berufung auf eigene Informationen von 20 Prozent der Arbeitsplätze, die in den betroffenen Unternehmensbereichen wegfallen sollten. Das Unternehmen will Fluktuation und Vorruhestandsregelungen nutzen und ein Freiwilligenprogramm auflegen, schloss gleichzeitig betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

          Die auf ihre Eigenständigkeit stolzen Redaktion müssen zusammenrücken. „Bild“ und „Bild am Sonntag“ würden „noch weiter zusammengeführt“, hieß es. Die „B.Z.“ soll sich voll auf die regionale Berichterstattung konzentrieren, welche sie auch dem Berlin-Teil von „Bild“ zuliefert; dafür bedient „Bild“ die „B.Z.“ mit Überregionalem.

          Investitionen geschönt

          Zugleich kündigte Springer Investitionen an, wobei der Konzern den Betrag dadurch optisch erhöht, dass er ihn auf einen Dreijahres-Zeitraum bezieht: Mehr als 100 Millionen Euro sollen demnach fließen – „vor allem in eine Live-Video-Strategie von ,Bild‘“, wie es hieß. „Bild“ solle „auch auf TV-Bildschirme gebracht werden“, teilte das Unternehmen mit, ohne konkreter zu werden. Für die „Welt“ sollen sich in einem „Contributoren-Modell“ Fachleute und Kommentatoren äußern.

          Der DJV kritisierte die Pläne. „Einer der größten Medienverlage Europas strukturiert so massiv um, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, sagte sein Bundesvorsitzender Frank Überall. Die DGB-Gewerkschaft Verdi mahnte, Weiterbildungen oder Umschulungen müssten Vorrang haben vor Kündigungen.

          Springer korrigierte Geschäftsziele für das laufende Jahr nach unten. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) soll demnach zwischen 10 und 20 Prozent sinken. Bisher war von einem Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich die Rede. Der Umsatz werde im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zurückgehen – was genau genommen noch keine Prognosesenkung ist, aber eine Ausweitung der Spanne nach unten. Bisher hatte das Management ein Minus im niedrigen einstelligen Prozentbereich veranschlagt. KKR steigt mit etwa 2,9 Milliarden Euro bei den Berlinern ein und soll nach offiziellen Angaben helfen, das geplante langfristige Wachstum zu finanzieren.

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