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Nach Germanwings-Absturz : Lufthansa-Chef will Überraschungs-Checks für Piloten

Blick in das Cockpit des verunglückten Airbus A320, März 2015 Bild: dpa

Der Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen hat die Lufthansa verändert – und geeint. Für die Hinterbliebenen des Unglücks will man alles tun, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr im Gespräch mit der F.A.Z.: Piloten werden wohl unangekündigte Gesundheits-Checks erleben.

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          Es ist das erste Zeitungsgespräch von Carsten Spohr, nachdem das zuvor Unvorstellbare passiert ist. Und dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa merkt man dabei an, wie sehr das Ereignis den Konzern und ihn selbst beschäftigt. Der Absturz der Passagiermaschine der Tochtergesellschaft Germanwings über den französischen Alpen, durch den 150 Menschen ums Leben kamen, wird den Alltag der Lufthanseaten nachhaltig prägen.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Carsten Knop
          Herausgeber.

          „Unsere Mitarbeiter stehen täglich mit den Angehörigen der Opfer in persönlichem Kontakt“, beschreibt Spohr die Lage, fast zwei Monate nach der Katastrophe. Diskussionen über Reformen des Fliegens und der Flugsicherheit laufen auf Hochtouren. „Im Gegensatz zu anderen Vorfällen in der internationalen Luftfahrt lassen sich nach dem Germanwings-Unglück bisher noch keine weiteren eindeutigen Konsequenzen für die Sicherheit an Bord ableiten. Aber selbstverständlich arbeiten wir daran, das Risiko des Fliegens immer weiter zu minimieren. Unser Sicherheitspilot hat nun eine konzernweit einheitliche Verantwortung – und berichtet seit Anfang April an den Konzernvorstand“, sagt der Vorstandsvorsitzende, der als langjähriger Chef des Passagiergeschäfts erst vor einem Jahr an die Spitze in der Frankfurter Zentrale rückte.

          Nach ersten Hinweisen auf die Motive des Kopiloten Andreas L., der nach bisherigen Erkenntnissen den Tod von 149 Menschen verursachte, führte die Lufthansa das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit ein. Verändert wird auch die Technik der Sicherheitstüren an Bord, um die Gefahr von Einzelaktionen eines Piloten künftig zu minimieren. Was die laufende Kontrolle der Flugtauglichkeit der Piloten angeht, sind rasche Reformen für den Lufthansa-Chef ebenfalls unerlässlich.

          Aus streng formaler Sicht gab es an der Einsatzfähigkeit des Kopiloten von Germanwings zwar keinen Zweifel, da er über eine gültige Fluglizenz und den erforderlichen Tauglichkeitsnachweis (Medical Check) verfügte. Im Zuge der Enthüllungen nach der Katastrophe im März kamen jedoch brisante Details aus dem Privatleben ans Tageslicht, die einen solchen Befund nicht mehr zulassen: So ließ der Kopilot seinen Arbeitgeber und das zuständige Luftfahrt-Bundesamt über seine labile Seelenlage gezielt im Unklaren, obwohl er laut EU-Recht zur persönlichen Offenbarung verpflichtet gewesen wäre.

          Unangekündigte Kontrolluntersuchungen ein mögliches Mittel

          Solchen Schwachstellen im System ist Spohr auf der Spur. Auch wenn Auslese und Ausbildung der Lufthansa über Jahrzehnte der Goldstandard in der Branche waren, erscheinen die Härtetests zur Messung der Seelenlage eines Piloten nach der Germanwings-Tragödie weder ausreichend noch zeitgemäß. „Mögliche Erkenntnisse über die Motive des Kopiloten könnten aus einer sogenannten psychologischen Autopsie resultieren, die jetzt im Zuge der Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft durchgeführt wird“, kündigt Spohr an. Namhafte Psychoanalytiker und erfahrene Therapeuten gehen auf Grundlage der bisher bekannten Symptome und Verhaltensmuster des Kopiloten von Germanwings davon aus, dass er unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung litt, bei der Depressionen allenfalls als Begleiterscheinung auftreten. Generell gilt: Ein solches Krankheitsbild ist weder durch Psychotests noch durch längere Therapien präzise zu erfassen.

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