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Reaktion auf Einreise-Verbot : Starbucks will 10.000 Flüchtlinge einstellen

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter in einem Starbucks-Café in Mumbai in Indien. Bild: AFP

Immer mehr amerikanische Unternehmensführer wenden sich gegen das Einreise-Dekret des Präsidenten. Darunter sind auch solche, die Donald Trump in Wirtschaftsfragen beraten.

          Nachdem die Chefs der mächtigen Internetunternehmen Facebook und Google sich öffentlich gegen das Einreise-Dekret des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump gewendet haben, folgen nun weitere Firmenlenker mit teils heftiger Kritik. Der Vorstandsvorsitzende der Café-Kette Starbucks, Howard Schultz, kündigte an, sein Unternehmen werde in den kommenden Jahren 10.000 Flüchtlinge in seinen Filialen rund um den Globus einstellen. Das geht aus einem entsprechenden Brief an die Mitarbeiter hervor, der auf der Internetseite des Unternehmens veröffentlicht ist.

          Starbucks werde in allen 75 Ländern, in denen das Unternehmen Geschäfte macht, Flüchtlinge einstellen, die vor Krieg, Verfolgung und Diskriminierung geflohen seien. Beginnen werde Schultz in den Vereinigten Staaten mit der Beschäftigung von Flüchtlingen, die in ihren Ländern für das amerikanische Militär gearbeitet haben, zum Beispiel als Übersetzer.

          Starbucks-Chef Howard Schultz unterstützte im Wahlkampf Hillary Clinton.

          Scharf kritisierte der Starbucks-Chef dabei auch die vom Präsidenten jüngst bekräftigen Pläne, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko hochzuziehen, um illegale Einwanderer zu stoppen. „Baut Brücken, keine Mauern“, schrieb er. Nach seinen Angaben wird Starbucks weiter in Mexiko investieren, wo der Konzern bereits 600 Cafés betreibt und ungefähr 7000 Mitarbeitern beschäftigt. Howard Schultz hatte während des Wahlkampfs Hillary Clinton unterstützt. Gerüchte, wonach er selbst nach einem politischen Mandat strebt, bestreitet er.

          Elon Musk, der nie um klare Worte verlegene Gründer und Chef des Elektroautoherstellers Tesla, reiht sich nun ebenfalls in die Reihe der Kritiker des Einreise-Dekrets. „Viele Menschen, die negativ von dieser Politik betroffen sind, sind starke Unterstützer der Vereinigten Staaten“, schreibt er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Sie haben das Richtige getan, nicht das Falsche, und sie verdienen es nicht zurückgewiesen zu werden.“

          Der Chef des Fahrdienst-Vermittlers Uber, Travis Kalanick, bezeichnete das Dekret in einem Beitrag auf Facebook als „verkehrt und ungerecht“. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte am Wochenende als erster prominenter Unternehmer die Entscheidung Trumps beanstandet. „Die Vereinigten Staaten sind eine Nation von Einwanderern und wir sollten stolz darauf sein“, schrieb er in einem Posting. Google-Chef Sundar Pinchai hat Mitarbeiter des Unternehmens, die gerade im Ausland arbeiten und aus einem der sieben betroffenen Länder stammen, aufgefordert, unverzüglich nach Hause in die Vereinigten Staaten zurückzukehren. Auch aus der Führung von Mircosoft gab es Kritik. Gerade die Technologiebranche ist besonders interessiert an gut ausgebildeten Fachleuten aus dem Ausland.

          Der Vorstandsvorsitzende des Industrieunternehmens General-Electric, Jeff Immelt, erklärte in einem Firmenblog, er teile die Sorgen seiner Mitarbeiter. Immelt versprach, GE werde betroffenen Angestellten zur Seite stehen und versuchen, mit der Regierung Trump an Lösungen zu arbeiten. Auch die Führung der größten amerikanische Bank JP Morgan richtete sich im Zuge von Trumps Entscheidung nach Angaben amerikanischer Medien an ihre Angestellten. Vorstandschef Jamie Dimon versprach demnach, die Bank werde sich standhaft für diejenigen einsetzen, die vom den Dekret betroffen sein könnten. Sowohl Dimon als auch Immelt, Kalanick und Musk zählen zu einer Reihe von amerikanischen Spitzen-Managern, die den neuen Präsidenten in Wirtschaftsfragen beraten wollen.

          Trump hatte am Freitag per Dekret angeordnet, dass Bürger der sieben mehrheitlich muslimischen Länder Irak, Iran, Libyen, Somalia, Syrien, Sudan und Jemen für 90 Tage keine Visa erhalten dürfen. Flüchtlingen auf der ganzen Welt untersagte Trump die Einreise für 120 Tage, syrischen Flüchtlingen sogar auf unbestimmte Zeit.

          Das Verbot gilt auch für Reisende mit doppelter Staatsbürgerschaft. Ausgenommen sind nach Regierungsangaben amerikanische Staatsbürger sowie britische und kanadische Staatsbürger, die einen zweiten Pass aus einem der betroffenen Länder besitzen. Ein Vertreter aus Trumps Führungsstab sagte am Sonntag zur Verteidigung des Verbots, der Präsident wolle seinem Land ähnliche Anschläge wie in Frankreich, Belgien und Deutschland ersparen.

          Mit Blick auf deutsche Staatsbürger wies die  amerikanische Botschaft in Berlin ebenfalls darauf hin, dass das Einreiseverbot auch für Doppelstaatler gilt. Betroffene sollten keinen Termin für ein Visagespräch vereinbaren, erklärte die diplomatische Vertretung am Montag auf Facebook. Bereits vereinbarte Termine sollten nicht wahrgenommen werden, denn die Betroffenen würden keinen Zutritt in die Botschaft oder das Konsulat erhalten.

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