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Nach deutschem Vorbild : Seat beginnt duale Ausbildung in Spanien

Theorie und Praxis: In den Seat-Fabriken beginnt eine neue Berufsausbildung für junge Menschen Bild: REUTERS

Das krisengeschüttelte Spanien baut sein Ausbildungssystem um: Mit Hilfe aus Deutschland sollen junge Menschen früh praktische Erfahrung sammeln. Das VW-Tochterunternehmen Seat macht den Anfang.

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          Als erstes spanisches Unternehmen übernimmt der Autohersteller Seat das deutsche duale Ausbildungssystem. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres will der spanische Hersteller sein bisheriges Modell durch ein neues Programm ersetzen, das Theorie und Praxis stärker miteinander verknüpft. „Spanien steckt in der Krise. Wir müssen nach vorne denken und junge Menschen noch mehr an das reale Arbeitsleben heranführen“, sagte Personalvorstand Josef Schelchshorn am Mittwoch in Barcelona. Das erhöhe nicht nur ihre Chancen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sondern verbessere auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Möglich wird das neue Ausbildungsmodell von Seat durch die Arbeitsmarktreformen des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Denn erst jetzt haben Unternehmen im Land die Möglichkeit, Auszubildende stark in die Arbeit im Betrieb einzubinden. Bislang war das spanische Ausbildungssystem sehr verschult, Berufsschüler konnten nur in Form von Praktika Erfahrungen im Unternehmen sammeln. „Dank der Reform können wir jetzt eine Ausbildung anbieten, die an das deutsche System angelehnt ist, wo Auszubildende schon immer stark in die Praxis integriert waren“, sagte Schelchshorn.

          Erhöhung der Ausbildungsstunden um 57 Prozent

          Bei der Planung des neuen Ausbildungskonzepts haben sich Schelchshorn und seine Kollegen Unterstützung im Mutterkonzern Volkswagen geholt. Das deutsche Modell genießt rund um die Welt ein hohes Ansehen und hat sich aus Sicht anderer Länder vor allem in der Krise bewährt: Während in Deutschland derzeit 8 Prozent der jungen Leute unter 25 Jahren arbeitssuchend sind - weniger als vor der Krise -, sind es im EU-Durchschnitt mehr als 20 Prozent. In einigen Ländern, wie Griechenland und Spanien, liegt die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei mehr als 50 Prozent.

          Um diese jungen Menschen noch besser zu qualifizieren, erhöht Seat mit seinem neuen Lehrplan die Zahl der Ausbildungsstunden um 57 Prozent von bisher 2950 Stunden auf künftig 4625 Stunden. Sie werden zu gleichen Anteilen auf die theoretische Schulung und die betriebliche Praxis aufgeteilt, die damit deutlich an Bedeutung gewinnt. Bisher bot Seat eine zweijährige Berufsausbildung an, die durch ein ergänzendes, zusätzliches Ausbildungsjahr auf die Arbeit in dem spanischen Autounternehmen vorbereitete.

          Informationsbedarf aus dem Ausland spürbar gestiegen

          Bei diesem Leuchtturmprojekt soll es jedoch nicht bleiben. Die Rajoy-Regierung hatte in der F.A.Z. angekündigt, das Duale System flächendeckend einführen zu wollen. Zu einem wichtigen Schulterschluss kam es - ebenfalls am Mittwoch - in Madrid: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vereinbarte mit den spanischen Kammern, beim Aufbau eines dualen Berufsausbildungssystems zu helfen. „Wir können und dürfen nicht akzeptieren, dass Jugendliche das Gefühl haben, in Europa keine Chance zu haben“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Gerade auf diesem Feld seien sie gemeinsam in der Verantwortung - unabhängig davon, „aus welchem Land wir kommen“. Driftmann unterzeichnete einen Kooperationsvertrag zur dualen Ausbildung mit seinem spanischen Kollegen Manuel Teruel Izquierdo, dem Präsidenten des dortigen Kammerdachverbandes.

          Der DIHK ist Träger der dualen Berufsausbildung in Deutschland und will die spanischen Kammern darin unterstützen, eine duale Berufsausbildung einzuführen und zu betreiben. Damit wolle man das im Juli vom spanischen Bildungsminister Wert Ortega und der deutschen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) unterschriebene Regierungsabkommen zur verstärkten Zusammenarbeit in der Berufsausbildung mit Leben füllen, sagte Driftmann. Die niedrigste Jugendarbeitslosenquote in der EU ist nach Angaben des DIHK Beleg dafür, dass das deutsche System seinen Absolventen hervorragende Beschäftigungs- und Karrierechancen eröffne.

          Zu diesem Ergebnis kommt auch eine vor kurzem veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Generell stellten die Forscher unter jungen Europäern die Tendenz fest, länger an Schulen und Universitäten zu bleiben. Dies erhöhe in den meisten Ländern die anschließenden Chancen für das Berufsleben jedoch kaum. „In Ländern allerdings, in denen wie in Deutschland viel betrieblich ausgebildet wird, sind die Arbeitsmarktchancen der Jugendlichen spürbar besser als in Staaten, die vor allem auf eine schulische Qualifizierung setzen“, fasst DIW-Arbeitsmarktökonom Karl Brenke das zentrale Ergebnis zusammen. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ist der Informationsbedarf aus dem Ausland am dualen Ausbildungssystem spürbar gestiegen.

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