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Nach der Pleite : Was geschieht mit den Schlecker-Frauen?

  • Aktualisiert am

Nach dem endgültigen Aus von Schlecker demonstrieren Mitarbeiter der Drogeriekette vor dem Kanzleramt in Berlin. Bild: AFP

Schlecker ist pleite, die Firma wird zerschlagen. 13.000 Mitarbeiter stehen vor der Kündigung. Auch die anderen Drogeriemärkte werden nur wenige Leute einstellen. Was soll geschehen? Politiker streiten um eine Transfergesellschaft.

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          Nach dem Aus der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker hat der Sozialflügel der CDU eine Transfergesellschaft gefordert, die die Mitarbeiter aufnehmen soll, die von der Entlassund bedroht sind. Handeln müsse Baden-Württembergs grün-rote Landesregierung, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Christian Bäumler am Samstag. „Die Politik darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und der Bundesagentur für Arbeit den Schwarzen Peter zuschieben.“ Die entlassenen Schlecker-Mitarbeiter müssten in einer Transfergesellschaft fortgebildet oder umgeschult werden. Sonst hätten sie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

          Nach monatelangem Ringen war am Freitag das Aus der Drogeriekette beschlossen worden, mehr als 13.000 Menschen in Deutschland werden Ende Juni ihre Stelle verlieren. Um eine Transfergesellschaft hatte es bereits Ende März Streit gegeben. Die unter anderem von Baden-Württemberg vorangetriebene Gründung einer solchen Gesellschaft für die schon damals entlassenen Schlecker-Mitarbeiter war am Widerstand der FDP gescheitert.

          Die FDP ist weiterhin gegen eine Transfergesellschaft

          Auch am Samstag stellte sich die FDP gegen eine Transfergesellschaft. Sie würde nicht weiterführen, sagte der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, am Samstag am Rande eines Landesparteitags der Liberalen Mecklenburg-Vorpommerns in Wittenburg. Er zeigte sich betroffen vom Schicksal der mehr als 13.000 Menschen, die Ende Juni ihren Job verlieren werden. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesagentur für Arbeit schnell mit ihrer
          Expertise handelt“, sagte Brüderle der Nachrichtenagentur dpa.

          Der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels Bäumler sieht Baden-Württemberg in der Verantwortung für eine Transfergesellschaft, weil sich hier der Sitz des Unternehmens befinde. „Die Landesregierung muss schnell und in enger Abstimmung mit der Bundesagentur für Arbeit aktiv werden, damit die Mitarbeiter nicht in die Arbeitslosigkeit abstürzen“, sagte Bäumler. Die Chancen für die Betroffenen stünden schlecht. Allein in Baden-Württembergs Einzelhandel kämen auf eine offene Stelle fünf Bewerber.

          Der Konkurrent Rossmann interessiert sich nur für wenige Filialen

          Auch Deutschlands zweitgrößte Drogeriekette Rossmann will den Schlecker-Mitarbeitern nach dem Aus des Konkurrenten keine übertriebenen Hoffnungen auf einen neuen Job machen. „Wir werden sicher auch ehemalige Schlecker-Mitarbeiter einstellen“, sagte Firmenchef Dirk Roßmann am Samstag. Wie viele der Schlecker-Beschäftigten eine Arbeitsstelle bei Rossmann bekämen,
          könne allerdings nicht gesagt werden. Eine Bevorzugung von ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen dürfe es schon vom Gesetz her nicht geben, betonte ein Sprecher von Rossmann. Sie hätten wegen ihrer Qualifikation gute Chancen, doch sie müssten sich gegen andere Bewerber durchsetzen.

          Zur eventuellen Übernahme ganzer Schlecker-Filialen sagte Roßmann: „Wir haben alle Märkte gecheckt, infrage kämen für uns nur 50 bis 80.“ Die große Mehrzahl der Schlecker-Märkte sei entweder zu klein oder ihr Standort sei nicht lukrativ.

          Die Expansionsstrategie seines ehemaligen Konkurrenten sei ihm ein Rätsel gewesen: „Nur auf Masse setzen, das funktioniert nicht. Ich habe nie verstanden, warum Schlecker in Orten mit 3000 Einwohnern noch einen zweiten Laden eröffnet hat. Das kann sich meiner Erfahrung nach nicht rechnen“, hatte Roßmann am Freitag dem „Handelsblatt“ gegenüber ausgeführt. „So traurig das auch für die Mitarbeiter ist, die Zerschlagung war vorhersehbar. Schlecker arbeitet nach wie vor mit Verlust, und dies ist auch in absehbarer Zeit nicht zu verhindern. Deshalb musste der Insolvenzverwalter im Interesse der Gläubiger diese - für die Mitarbeiter harte - Entscheidung treffen.“

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