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Nach der Alitalia-Insolvenz : Poker um den italienischen Flugmarkt

Insolvent: Jetzt soll ein Monopol entstehen Bild: dpa

Für Lufthansa und Air France hat ein Poker um den italienischen Flugmarkt begonnen. Denn nach der Insolvenz von Alitalia soll nun eine neue Monopolfluglinie entstehen, die entweder Air France oder Lufthansa als Partner haben soll. Der andere geht leer aus - und das könnte die Lufthansa sein.

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          Für Lufthansa und Air France hat nun ein Poker um den italienischen Flugmarkt begonnen. Denn nach der Insolvenz von Alitalia soll nun nach den Plänen von Italiens Regierung eine neue Monopolfluglinie entstehen, die entweder Air France oder die Lufthansa als Partner haben soll. Der andere geht leer aus, und das könnte die Lufthansa sein. Air France, die vor wenigen Monaten die Verhandlungen über die Rettung der Alitalia abgebrochen hatte, will nun zu den neuen Aktionären der künftigen italienischen Fluglinie gehören.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die Lufthansa würde damit Marktanteile verlieren. Sie hat bisher gut an den Urlaubsflügen nach Italien oder an den Auslandsreisen norditalienischer Unternehmer verdient. Der Partner der Lufthansa in Italien, die private Fluggesellschaft „Air One“, soll nun aber mit der gescheiterten Alitalia zu einem neuen italienischen Monopol verschmolzen werden. Für gemeinsame Flüge („Codesharing“) und abgestimmte Flugpläne mit einer italienischen Linie ist dann kein Platz mehr. Die italienische Regierung will noch weitergehen: Umsteigeverbindungen von Mailands Flughafen Linate über Frankfurt in andere Kontinenten sollen verboten werden.

          Insolvenz beantragt

          Der Verwaltungsrat der italienischen Fluggesellschaft Alitalia hatte am Freitagabend die Insolvenz und die Einsetzung eines Sonderkommissars der Regierung beantragt. Schon bis Anfang November soll nun aus den besten Teilen der bisherigen Alitalia und aus „Air One“ das neue italienische Flugmonopol entstehen. Neben diesen beiden Gesellschaften gibt es auf vielen wichtigen Strecken keine Konkurrenz.

          Der Weg zur Formierung der neuen Gruppe war bereits vor der Insolvenzerklärung bis ins Detail vorbereitet worden. Im Auftrag der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat Italiens zweitgrößte Bank, Intesa San Paolo, seit Monaten den Rettungsplan vorbereitet. Deswegen bedeutet die Insolvenz bisher auch keinen spürbaren Einschnitt in die Aktivitäten von Alitalia. Bereits kurz nach der Erklärung der Insolvenz wurde noch am Freitagabend der ehemalige Finanzminister und Steuerrechtsprofessor Augusto Fantozzi zum Sonderkommissar für Alitalia bestellt. Die künftigen Eigner für das neue italienische Flugmonopol stehen ebenfalls schon bereit; dazu wurde zu Beginn der vergangenen Woche von 13 Gesellschaften und Unternehmern, zwei Investmentfonds sowie Intesa San Paolo eine Gesellschaft namens „Compagnia Aerea Italiana“ gegründet, als deren Präsident und künftiger Chef der Fluglinie der frühere Telecom-Aktionär Roberto Colaninno fungiert.

          Schneller Verkauf der lebensfähigen Teile ist möglich

          Als juristische Grundlage für das weitere Vorgehen dient ein Gesetz, das nach dem Parmalat-Skandal von Ende 2003 geschaffen wurde, um damals die überschuldete, aber im operativen Geschäft gesunde Firma mit einer Art Vergleichsverfahren unter einem staatlich eingesetzten Kommissar weiterzuführen. Nun wurde das Parmalat-Gesetz am vergangenen Donnerstag mit einem Regierungsdekret geändert, damit es auch für den Fall Alitalia passt. Ministerpräsident und Industrieminister sind alleine ermächtigt, den Regierungskommissar zu ernennen. Dieser darf ohne Ausschreibung Teile des insolventen Unternehmens verkaufen und ist dabei jeglicher persönlicher Haftung enthoben.

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