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Boeing-Chef Muilenburg spricht : Boeing wagt sich aus der Deckung

Vorstandsvorsitzender des Flugzeugherstellers Boeing: Dennis Muilenburg Bild: Bloomberg

Auch nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 war es um Dennis Muilenburg ruhig geblieben. Jetzt meldet sich der Vorstandsvorsitzende des Flugzeugherstellers erstmals ausführlich zu Wort.

          Nach dem zweiten Absturz einer 737 Max innerhalb weniger Monate und einem daraus resultierenden Flugverbot für den Flugzeugtyp hat sich Boeing-Vorstandsvorsitzender Dennis Muilenburg zunächst im Hintergrund gehalten. Er kommunizierte zwar mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, wandte sich aber nur in sehr knappen Stellungnahmen an die Öffentlichkeit. Nun aber hat er sich erstmals ausführlich zu Wort gemeldet. Boeing veröffentlichte auf seiner Internetseite eine rund dreiminütige Videobotschaft von Muilenburg sowie einen von ihm unterzeichneten offenen Brief an „Fluggesellschaften, Passagiere und die Luftfahrtgemeinde“, der im Wortlaut sehr ähnlich war.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Unsere Herzen sind schwer“ sagte Muilenburg und verwies auf die „Schmerzen“ in der Boeing-Belegschaft „im Lichte dieser Tragödien“. Von Boeings Arbeit hingen Leben ab, Sicherheit sei ein Kern des Unternehmens. Auf Basis der Informationen, die Boeing nach den Abstürzen in Indonesien und Äthiopien bekomme, ergreife der Konzern Schritte, um die Sicherheit der 737 Max „vollständig zu gewährleisten“. Muilenburg sagte, Boeing werde bald eine aktualisierte Software und Schulungsmaterial für Piloten herausbringen. Damit dürfte er sich auf ein Update für ein Softwaresystem namens MCAS beziehen, das schon nach dem Unglück in Indonesien im Oktober als mögliches Sicherheitsrisiko identifiziert wurde und auf das sich nun auch nach dem Absturz einer 737 Max in Äthiopien vor etwas mehr als einer Woche Aufmerksamkeit gerichtet hat. Nach ersten Untersuchungen der Flugschreiber der in Äthiopien verunglückten Maschine hieß es, es gebe „klare Gemeinsamkeiten“ mit dem Absturz in Indonesien.

          Nach dem Absturz in Äthiopien wurden in einer Reihe von Ländern umgehend Flugverbote verhängt. In Boeings amerikanischem Heimatmarkt sträubte sich die Regulierungsbehörde zunächst dagegen, die Maschine aus dem Verkehr zu ziehen, folgte dann aber doch dem Beispiel der anderen Länder. Auch Boeing hatte zunächst noch erklärt, keinen Anlass dafür zu sehen, die 737 Max am Boden zu lassen, musste aber letztlich ebenfalls einlenken. Amerikanische Fluggesellschaften wie American Airlines und Southwest Airlines gehörten bislang zu den größten Abnehmern der Maschine, und eine Reihe von Flügen musste gestrichen werden. Muilenburg sagte jetzt, Boeing bedauere die von den Flugverboten verursachten „Herausforderungen für unsere Kunden und die fliegende Öffentlichkeit“.

          Auch FAA und EASA in der Kritik

          Die Abstürze brachten nicht nur Boeing in die Defensive. Auch die FAA ist in den vergangenen Tagen verstärkt in die Kritik geraten. Die Behörde erlaubt es Boeing und anderen Herstellern seit einigen Jahren, mit selbstausgewählten eigenen Mitarbeitern am Zulassungsprozess für neue Flugzeuge mitzuwirken. Amerikanische Medien berichteten in dieser Woche, dass speziell im Fall der 737 Max darauf gedrungen worden sein soll, während der Zertifizierung mehr sicherheitsrelevante Aufgaben vom FAA-Personal auf Boeing-Mitarbeiter zu übertragen.

          Der kanadische Verkehrsminister Marc Garneau hat sich sogar öffentlich von den amerikanischen Regulierern distanziert. Üblicherweise übernehmen Kanada und Amerika gegenseitig ihre jeweiligen Zertifizierungen, wenn sie entscheiden, ob neue Flugzeuge in ihrem Luftraum unterwegs sein dürfen. Garneau sagte jetzt, sein Land überprüfe die 2017 von der FAA übernommene Zertifizierung für Boeings 737 Max. Mittlerweile steht auch die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA in der Kritik. Die EASA habe offenbar seit dem ersten Absturz im Oktober von dem Problem gewusst, das mutmaßlich zu den Unglücken geführt habe, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Europa-CSU, Markus Ferber.

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