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Nach dem Kurssturz : Sharp bangt um Einstieg von Foxconn

Nachdem sich die Verkäufe von Flachbildschirmen in Japan halbiert haben, schaut sich Sharp nach neuen Möglichkeiten um Bild: REUTERS

Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn will nach dem Absturz der Sharp-Aktie die Konditionen für den vereinbarten Einstieg neu verhandeln. Doch als Zulieferer von Apple braucht Foxconn dringend das Know-how von Sharp.

          Der starke Absturz seiner Aktie bringt den japanischen Elektronik-Konzern Sharp in schwere Bedrängnis. Der Chef des taiwanesischen Auftragsfertigers Hon Hai, der unter anderem iPads und iPhones für Apple baut, Terry Gou, will wegen des Kursverfalls die Konditionen für seinen Einstieg bei Sharp neu verhandeln. Hon Hai, weltweit besser bekannt unter dem Namen Foxconn, wollte einen Anteil von 9,9 Prozent bei Sharp übernehmen und dafür 550 Yen pro Aktie zahlen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Bei einem Geschäft zu diesen im Frühjahr vereinbarten Bedingungen müsste Foxconn jetzt große Verluste verbuchen. Sharp wies am Montag in Tokio Berichte zurück, nach denen die Japaner zu Nachverhandlungen bereit seien. Der Aktienkurs von Sharp war am Freitag um 28 Prozent auf 192 Yen eingebrochen, nachdem das Unternehmen zuvor einen Quartalsverlust von 138,4 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) gemeldet hatte. Am Montag schloss die Aktie mit 181 Yen, einem erneuten Minus von 5,7 Prozent.

          Der neue Präsident von Sharp, Takashi Okuda, ist nach der öffentlichen Ankündigung Gous in einer schwierigen Lage. Nach den ursprünglichen Konditionen würde Hon Hai seinen Anteil von 9,9 Prozent für gut 66 Milliarden Yen bekommen. Das taiwanesische Unternehmen ließ jetzt allerdings durchblicken, dass es neben einem günstigeren Preis auch daran interessiert sei, mit einem größeren Anteil bei Sharp einzusteigen. Es erhofft sich davon leichteren Zugang zur Technik von Sharp, die Hon Wai dringend benötigt, um als Auftragsfertiger für den amerikanischen Konzern Apple auf Sicht gegen den südkoreanischen Wettbewerber Samsung bestehen zu können. Sharp wiederum ist auf das Bündnis mit Gou angewiesen, wenn es sein verlustreiches Fernseh- und Flachbildschirmgeschäft sanieren will. Der Verlust des Konzerns fiel in den Monaten von April bis Juni auch deswegen so groß aus, weil sich die Verkäufe von Flachbildschirmen in Japan halbiert hatten. Sharp steht damit deutlich schlechter da als seine heimischen Wettbewerber Sony und Panasonic. Der dramatische Kurssturz zeigte, dass viele Anleger nach den Rekordverlusten im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Besserung und deutlich bessere Zahlen erwartet hatten.

          Hoffen auf Geschäfte mit Apple

          In Japan ist seit der Ankündigung des Foxconn-Einstiegs verstärkt darüber spekuliert worden, dass Sharp mit dieser Zusammenarbeit der nächste Display-Lieferant von Apple werden könnte. Unter Analysten hieß es, Apple brauche die Technik von Sharp, vor allem mit Blick auf das erwartete neue iPhone. Mit Samsung, dem derzeitigen Zulieferer der Bildschirme, liefert sich Apple seit einiger Zeit weltweit einen erbitterten Patentkonflikt vor Gerichten.

          Gou geht davon aus, dass sich Foxconn und Sharp auf neue Konditionen einigen werden. Er sagte, er habe sich am Freitag mit Sharps früherem Aufsichtratschef Katsuhiko Machida getroffen, der vorgeschlagen habe, das Geschäft neu zu verhandeln. Sharp wolle nicht zur Last für Hon Hai werden, soll Machida gesagt haben. „Das Geschäft mit Sharp wird uns helfen, Samsung zu besiegen“, hatte Gou im Juni noch gesagt, als Nachverhandlungen trotz der offenkundigen Probleme von Sharp noch kein Thema waren. Nur mit Zugang zur Technik von Sharp kann Gou sein Ziel weiter anstreben, Samsung zu überholen. Dass er seine Forderung nach Nachverhandlungen gleich nach Bekanntgabe der schlechten Quartalszahlen von Sharp öffentlich erhoben und im taiwanesischen Fernsehen in der Nacht zum Montag noch einmal bekräftigt hat, hat das Vertrauen bei manchem Sharp-Manager in den neuen Partner durchaus getrübt. Offiziell heißt es am Firmensitz in Osaka dazu nur, „kein Kommentar“, hinter vorgehaltener Hand sind die Anmerkungen durchaus kritischer. Ursprünglich wollte Hon Hai seine Investition bereits Ende Juni abgeschlossen haben. Das sei zum Teil durch taiwanesische Behörden verzögert worden, die ihr Einverständnis noch nicht gegeben hätten, hieß es nei Hon Hai.

          Da beide Partner derzeit kaum eine Alternative zu ihrer Kooperation haben, wird das Bündnis trotz der aktuellen Verstimmung zustande kommen. „Ich will weiterhin investieren“, sagte Gou. Er denke nicht in Zeiträumen von ein, zwei Monaten, sondern von zehn bis 20 Jahren. Von dem Konflikt zwischen den beiden Unternehmen ist der Einstieg der Taiwanesen bei Sharps moderner Bildschirmfabrik in Sakai nicht berührt. Dieses Geschäft, das Gou nach eigenen Angaben nicht mit Foxconn-Geld finanzierte, wurde zu Beginn des Monats abgeschlossen. 66 Milliarden Yen investierte der Taiwanese. Gou und Sharp sind jetzt zu gleichen Teilen an der neuen „Sakai International Operations“ beteiligt. Die Auslastung der Produktion von Displays, die in Sakai vorher bei knapp 40 Prozent lag und zu den Verlusten von Sharp beitrug, ist seit dem Einstieg Gous auf rund 70 Prozent gestiegen und soll bis Ende des Jahres rund 80 Prozent betragen.

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