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Nach dem Corona-Absturz : Airbus kämpft sich zurück

Airbus A350-900 Bild: Reuters

Ein gutes Sommergeschäft hilft Airbus auf die Sprünge. Doch der Rückblick auf die Zahlen vor der Pandemie zeigt, wie weit der Weg der Erholung noch ist.

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          Für Airbus liefen die Geschäfte in den ersten Monaten dieses Jahres besser als erwartet. Wie der europäische Flugzeughersteller am Donnerstag mitteilte, betrug der Umsatz rund 35 Milliarden Euro – 17 Prozent mehr als in den ersten neun Monates des Vorjahres. Der bereinigte operative Gewinn erreichte in diesem Zeitraum knapp 3,4 Milliarden Euro. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie war Airbus im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Man profitierte von der Erholung der globalen Luftfahrt, teilte der Konzern mit. Die Zahl der ausgelieferten Verkehrsflugzeuge betrug 424 (Vorjahr: 341). Rund 80 Prozent entfallen davon auf die A320-Familie. Helikopter setzte Airbus in diesem Jahr bislang 194 ab (Vorjahr: 169). Insbesondere das Geschäft mit Hubschraubern der Super Puma-Familie lief gut. Mit einem Plus von 14 Prozent lag das Umsatzwachstum im Helikoptersegment allerdings unter dem Plus von 23 Prozent im Kerngeschäft mit Verkehrsflugzeugen. Im Rüstungssegment Airbus Defence and Space stagnierte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. A400M-Militärtransporter wurden in diesem Jahr bislang vier ausgeliefert.

          Die Geschäftszahlen fielen besser aus als Analysten erwartet hatten. Airbus-Chef Guillaume Faury nahm sie zum Anlass, die Gewinnprognose abermals zu heben; schon im Sommer hatte er sie nach oben korrigiert. Nach zuletzt 4 Milliarden Euro soll der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn vor Zinsen und Steuern am Ende des Jahres nun 4,5 Milliarden Euro betragen. Bei Verkehrsflugzeugen peilt Airbus bis Jahresende einen Absatz von rund 600 an.

          Airbus-Chef Guillaume Faury
          Airbus-Chef Guillaume Faury : Bild: Reuters

          Aus Konzernsicht tragen die „Bemühungen um Kostendämpfung und Wettbewerbsfähigkeit“ Früchte. Dass die Luftfahrt noch einmal so einbricht wie im vergangenen Jahr, erwartet Faury nicht. Die Zeichen stünden in der Branche grundsätzlich auf Erholung. Von den Materialengpässen insbesondere bei Halbleitern sei man in der Flugzeugproduktion nicht direkt betroffen, allenfalls wenn es intern um die Beschaffung etwa von Laptops geht, sagte der Airbus-Chef am Donnerstag früh im Gespräch mit Journalisten.

          Tendenz schon wieder abwärtsgerichtet

          Doch der Rückblick auf die Zahlen vor der Pandemie macht deutlich, dass für Airbus noch ein langer Weg der Erholung bevorsteht. Rund 46 Milliarden Euro Umsatz erzielte der Flugzeughersteller in den ersten neun Monaten des Vor-Corona-Jahres 2019, knapp ein Drittel mehr als in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Der Aktienkurs notiert derzeit bei rund 110 Euro. Vom Einbruch im Frühjahr 2020 bis auf weniger als 50 Euro hat er sich wieder einigermaßen erholt. Die 140 Euro vor dem Corona-Absturz sind aber noch lange nicht erreicht. Acht von 15 von Bloomberg befragte Analysten raten derzeit zum Kauf der Airbus-Aktie, sechs zu „Halten“, einer rät zum Verkauf.

          Von „Normalität“ könne noch lange keine Rede sein, heißt es allenthalben aus der Luftfahrtbranche in Europa. Auch wenn im Sommer wieder deutlich mehr Menschen ins Flugzeug gestiegen sind als 2020, sind es immer noch deutlich weniger als vor der Pandemie. Ein Warnsignal setzten Vertreter der französischen Luftfahrt erst Anfang dieser Woche ab.

          So habe das Passagieraufkommen in Frankreich in diesem Jahr erst 35 Prozent des Aufkommens vom Vor-Corona-Jahr 2019 betragen, rechnete der Verband FNAM vor. Zudem sei die Tendenz schon wieder leicht abwärtsgerichtet: Nach 57 Prozent im August waren es im September nur 52 Prozent im Zwei-Jahres-Vergleich. Die Unsicherheit sei groß, auch bedrohten hohe Energiepreise das Geschäft. Der FNAM-Präsident Alain Battisti warnte vor einem „Abstieg in die Hölle“.

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