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Nach dem Beben : Japanische Unternehmen stoppen ihre Produktion

Stillstand: Fabrik von Sony in der Stadt Tagajo Bild: AFP

Nach dem Beben in Japan haben viele Unternehmen ihre Produktion angehalten. Toyota etwa hat seine Fließbänder in den zwölf japanischen Werken bis Mittwoch stillgelegt. Auch in der Stahl- und Elektronikindustrie gibt es Stilllegungen. Häfen sind zerstört, es kommt zu Stromausfällen.

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          Viele japanische Unternehmen haben am Montag ihre Produktion gestoppt, nachdem das Erdbeben den Nordosten des Landes erschüttert hat. Zahlreiche Fabriken wurden zerstört; zum Teil kam es zu Stromausfällen. Die Industrie profitiert zwar davon, dass die meisten Fabriken im Land im südlich der Hauptstadt Tokio und damit außerhalb des unmittelbaren Erdbebengebiets im Norden liegen. Vieles hängt aber weiterhin davon ab, wie sich die Situation in den japanischen Atomkraftwerken entwickelt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Auf der Basis der Erkenntnisse vom Montag haben die japanischen Autohersteller ihre Produktion zunächst angehalten. So hat der Weltmarktführer Toyota seine Fließbänder in den zwölf japanischen Werken bis Mittwoch stillgelegt. Das verringert die Produktion um 40.000 Fahrzeuge. Von der gesamten Toyota-Produktionsmenge entfallen 38 Prozent auf japanische Fabriken, im Januar waren dies rund 234.000 Stück. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs schätzt den Schaden für einen vollständigen Produktionsstopp auf mehr als 50 Millionen Euro täglich.

          Der Wettbewerber Honda will seine Produktion bis zum kommenden Sonntag einstellen, auch bei Nissan wird in den vier Werken frühestens ab Dienstag wieder gearbeitet. Ähnliche Nachrichten gibt es von Suzuki oder Mitsubishi Motors. An der Börse gaben die Aktienkurse der Autohersteller am Montag entsprechend nach: Papiere von Toyota und Honda verloren jeweils rund 8 Prozent, die von Nissan sogar 10,5 Prozent an Wert. Branchenkenner der japanischen Bank Nomura gehen allerdings davon aus, dass die ausgefallene Produktion innerhalb von zwei Monaten durch Überstunden und Zusatzschichten ausgeglichen werden kann.

          Der Elektronikkonzern Sony hat die Produktion in acht Werken angehalten. Wann sie wieder aufgenommen werden soll, blieb am Montag offen. An der Börse gab der Kurs der Sony-Aktie um 9,1 Prozent nach. Auch der Kamerahersteller Canon musste Werke schließen. „Wir wissen nicht, wann wir den Betrieb wieder aufnehmen können“, sagte ein Sprecher. Die Papiere des Mischkonzerns Toshiba, dessen Produktpalette von Halbleitern bis zu Kernkraftwerken reicht, verloren 16 Prozent an Wert. Toshiba konnte keine Angaben machen, wann seine Chipfabrik im Norden Japans wieder arbeiten kann. In der Halbleiterindustrie gilt grundsätzlich, dass die Maschinen in einigen Chipfabriken wohl neu kalibriert werden müssen. Die Sorge vor einem Nachfragerückgang nach Elektronikprodukten in Japan drückte am Montag auch die Aktienkurse anderer Chiphersteller, zum Beispiel von Infineon.

          Mindestens sechs Häfen schwer beschädigt

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