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Nach Bürgschaft : Valovis Bank will Quelle wieder bedienen

  • -Aktualisiert am

Finanzdienstleister für Quelle: Die Valovis Bank managt Kundenforderungen des Versenders Bild: AP

Kaum jemand kennt sie, doch in Verbindung mit Quelle ist die Essener Valovis Bank eine große Nummer: Für den Versender trieb das Finanzhaus viele Jahre lang das Geld ein. Denn viele Quelle-Kunden zahlen ihre Rechnung erst nach drei bis vier Wochen.

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          Sobald die entsprechenden Forderungen durch eine staatliche Bürgschaft abgesichert sind, wird auch die Essener Valovis Bank wieder Kredite gewähren und das in der vergangenen Woche unterbrochene Factoring-Geschäft mit dem Versandhändler Quelle fortsetzen. "Wenn eine Bürgschaft für Quelle und die Bedingungen stimmen, setzen wir unsere Geschäftsbeziehung selbstverständlich fort", sagte eine Sprecherin der Bank. Die im Raum stehende Bürgschaft von 50 Millionen Euro dient der Absicherung des erhöhten Risikos, das Valovis aus der Insolvenz von Quelle erwächst. Die Bürgschaft werde aber ausdrücklich nicht für die Bank, sondern für Quelle gebraucht, wird in Essen betont.

          Es hieß zunächst, die Bankenaufsicht Bafin habe auf einer erhöhten Absicherung der Bank bestanden. Tatsächlich dürfte dieser Anstoß nach Meinung von Branchenkennern aber aus dem Kreis der Anteilseigner oder anderer Geschäftspartner von Valovis gekommen sein. Die Bafin selbst wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Ein dringender Handlungsbedarf mit Blick auf die Stabilität der Valovis Bank besteht nicht: "Unser Gesellschafter ist rechtlich unabhängig und insolvenzfest organisiert", heißt es auf der Website von Valovis.

          Quelle als wichtiger Kunde

          Der Versender Quelle gilt als wichtiger Kunde des Instituts, für den seit vielen Jahren die Gelder eingetrieben werden. Denn viele Kunden des Quelle-Katalogs zahlen ihre Rechnung für die bezogene Ware erst nach drei bis vier Wochen, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Donnerstag erläutert hatte. In 40 Prozent der Fälle bezahlen sie sogar in Raten.

          Valovis kauft diese Kundenforderungen gegen einen Abschlag ein und überweist dem Versender umgehend das Geld. Damit wird derselbe Effekt erzielt wie im stationären Einzelhandel beispielsweise von Karstadt. Denn dort ist die Liquidität nach dem Verkauf der Ware verfügbar. "Das Unternehmen verkauft alle kurzfristigen Geldforderungen aus Warengeschäften und Dienstleistungen an uns, den Faktor, und erhält dafür sofort bis zu 80 oder 90 Prozent des Bruttobetrages. Die Auszahlung des Restbetrages in Höhe von 10 bis 20 Prozent an den Forderungsverkäufer nehmen wir nach Zahlungseingang vom Debitor vor", wird das Prinzip bei Valovis erläutert. Der Debitor ist in dem Fall der Kunde von Quelle.

          Auf der Verkaufsliste von Middelhoff

          Die bis 2007 noch unter "Karstadt Hypothekenbank" firmierende Gesellschaft Valovis gehörte zu den zahlreichen Unternehmen, die der frühere Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff auf die Verkaufsliste gesetzt hatte. Sie wurde vor vier Jahren an den Pensionsfonds des Handels- und Touristikkonzerns, den Karstadt-Quelle Mitarbeitertrust e.V., ausgegliedert. Im Rahmen des sogenannten CTA-Programms (Contractual Trust Arrangement) hatte Middelhoff unter anderem auch Immobilien auf diesen Fonds übertragen. Die unmittelbar neben der Arcandor-Zentrale im Essener Stadtteil Bredeney residierende Bank ist seit April dieses Jahres auch vollständige Eigentümerin der Karstadt-Quelle-Bank AG mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt.

          Damit wurde das auf den Säulen Factoring und Immobilienfinanzierung basierende Geschäft der Essener Bank um das Privatkundengeschäft erweitert. Denn mit derzeit rund 900 000 ausgegebenen Karten gilt die Karstadt-Quelle-Bank als der größte Mastercard-Herausgeber in Deutschland. Sie arbeitet aber auch mit mehr als tausend Einzelhändlern im Bereich der Absatzfinanzierung zusammen.

          Die der Einlagensicherungs-Einrichtung des Bundesverbandes der deutschen Banken angeschlossene Valovis Bank hatte zuletzt eine Bilanzsumme von 5,8 Milliarden Euro. Nach IFRS wies sie für das Geschäftsjahr 2008 wegen eines hohen negativen Ergebnisses aus Finanzanlagen einen Verlust von 42 Millionen Euro aus, nach 6 Millionen Euro Gewinn im Jahr zuvor.

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