https://www.faz.net/-gqe-a7mba

Nach Bestechungsprozess : Der Samsung-Erbe muss ins Gefängnis

Lee Jae-yong Bild: EPA

In einem Bestechungsprozess um Reitpferde und eine Unternehmensfusion hat das Obergericht in Seoul den Samsung-Chef Lee Jae-yong zu 30 Monaten Haft verurteilt. Sein Anwalt hält dagegen, dass Lee erpresst wurde.

          4 Min.

          Die Beziehungen zwischen den großen Unternehmen in Südkorea und der Politik sind traditionell eng. Das Netz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gelockert, aber es hält immer noch seine Fallen bereit. In einer dieser Fallen hat sich der faktische Chef des südkoreanischen Samsung-Konglomerates, Lee Jae-yong, jetzt wohl endgültig verfangen. Das Obergericht in Seoul verurteilte Lee am Montag wegen Bestechung und Veruntreuung zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Lee wurde direkt nach dem Urteil festgenommen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Auch wenn er aus dem Gefängnis heraus seinen Einfluss bei Samsung wird geltend machen können, wird die Verhaftung die strategische Führung eines der größten Elektronikkonzerne der Welt schwächen. Für Lee, den Enkel des Samsung-Gründers, wird es auch schwieriger, die Erbschaft im Samsung-Konzern zu ordnen. Sein Vater, Lee Kun-hee, war im Oktober gestorben, nachdem er nach einem Herzinfarkt jahrelang ans Bett gefesselt gewesen war.

          Nach dem Urteil gaben Aktien des Konglomerats an der Börse in Seoul deutlich nach. Samsung Electronics, das wirtschaftliche Herz der Gruppe, verlor 3,4 Prozent. Samsung C&T gab 6,8 Prozent ab. Ein Jahr frühere Haftzeit wird Lee auf die Strafe angerechnet, so dass das Konglomerat bis zu 18 Monate ohne ihn auskommen muss. Lee steht der Gang in die Berufung offen. Doch halten koreanische Juristen das für aussichtslos, weil Lee auf Rechtsfehler argumentieren müsste und der Supreme Court schon einmal in dem Verfahren geurteilt hatte.

          Bestechung oder Erpressung?

          Der 52 Jahre alte Lee war in dem Prozess erstmals im Jahr 2017 verurteilt worden im Zuge der Korruptionsaffäre um Präsidentin Park Geun-hye, die damals abgesetzt wurde. Samsung hatte das Reittraining der Tochter einer Park-Vertrauten in Deutschland auch durch den Kauf von Pferden unterstützt und Zahlungen an eine Sportstiftung geleistet. Im Gegenzug soll Lee die Unterstützung der Präsidentin für den Generationswechsel bei Samsung erhalten haben. Dabei ging es um die Zustimmung des staatlichen Pensionsfonds zu einer Fusion von Samsung-Unternehmen, die den Einfluss des Samsung-Erben auf das Konglomerat stärkte. Park wurde vergangene Woche vom Höchsten Gericht Südkoreas endgültig zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt, auch mit Verweis auf den Bestechungsfall Samsung.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Lee saß damals ein Jahr im Gefängnis und wurde im Februar 2018 freigelassen, nachdem die Gefängnisstrafe von fünf Jahren halbiert und ausgesetzt worden war. Dieses Urteil wurde 2019 vom Höchsten Gericht verworfen und an das Obergericht zur Neuverhandlung verwiesen. In dem neuen Urteil wird die Bestechungssumme mit 8,6 Milliarden Won (6,5 Millionen Euro) angesetzt. Lee ist parallel in einem anderen Verfahren angeklagt wegen des Verstoßes gegen Finanzmarktgesetze und des Vorwurfs der Veruntreuung. Dabei geht es um die Fusion von Samsung C&T und Cheil Industries, die indirekt auch in dem Bestechungsfall eine Rolle spielte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unter Druck: Georg Nüßlein (CSU) im Bundestag (Aufnahme aus dem Januar)

          Masken-Affäre : Nüßlein tritt aus der CSU aus

          Nach der Affäre um Geschäfte mit Corona-Masken ist der Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein aus der CSU ausgetreten. Auch Nikolas Löbel gibt sein Parteibuch ab. Der Gesundheitsminister hat derweil angekündigt, weitere Namen öffentlich zu machen.

          Campen mit Reisemobil : Alles im Kasten

          Die Begeisterung fürs Campen mit Reisemobil hält ungebrochen an. Besonders beliebt sind ausgebaute Transporter. Ein Blick in die Welt des Variantenreichtums.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.