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Nach Atomabkommen : Iran steht Europas Autoindustrie wieder offen

  • -Aktualisiert am

Straßenbild in Teheran: Die Iraner fahren meist Kia oder Peugeot Bild: AFP

Der Durchbruch im Atomstreit lässt manche Hersteller auf ein kräftiges Wachstum hoffen. Deutsche Anbieter werden jedoch kaum zu den größten Profiteuren der Einigung zählen. Wichtig ist sie aber für die Zulieferer.

          Der Durchbruch im jahrelangen Atomstreit mit Iran wird auch der europäischen Autoindustrie nutzen, insbesondere den französischen Herstellern. Die Aktien von Peugeot und Renault stiegen an der Pariser Börse, nachdem sich zu Wochenbeginn ein Ende der Sanktionen gegen Iran abzeichnete. Der Deal der Großmächte öffnet Unternehmen, die im Iran Geschäfte gemacht haben, wieder die Tür. Dies hilft vor allem Renault und Peugeot, die vor den westlichen Sanktionen gegen Iran dort stark engagiert waren.

          Frankreichs Außenminister Laurent Fabius nannte als Beispiel für wahrscheinliche Lockerungen explizit die Autoindustrie. Französische Hersteller hatten unter den Sanktionen gelitten. PSA Peugeot Citroën etwa verkaufte noch 2011 Bausätze für knapp 458.000 Fahrzeuge nach Iran. Dieses Geschäft musste im Februar 2012 eingestellt werden. Renault hat 2012 rund 100.000 Autos in Iran verkauft und verbuchte im Sommer wegen der verschärften Sanktionen gegen das Land 512 Millionen Euro an Rückstellungen.

          Deutsche Zulieferer profitieren indirekt

          Die deutschen Hersteller Volkswagen, Daimler und BMW sind von der Öffnung weniger stark betroffen, weil sie auch vor den Sanktionen wenig Autos nach Iran verkauft haben. „Daimler hat sich schon früh ganz aus dem Land zurückgezogen, um keine Sanktionen der Amerikaner zu riskieren“, sagt Bärbel Sachs von der Kanzlei Noerr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wichtig ist die Öffnung aber für die großen deutschen Zulieferer wie Continental, Bosch und ZF Friedrichshafen, weil sie Peugeot und Renault beliefern.

          Die Beschränkungen waren von den Vereinigten Staaten als sogenannte extraterritoriale Sanktionen beschlossen worden und betrafen neben amerikanischen Unternehmen auch europäische. „Es handelte sich um eine sogenannte Executive Order, also um ein präsidiales Dekret“, erläutert Sachs. Die Aufhebung sei deshalb besonders schnell möglich, weil der Kongress daran nicht beteiligt werden müsse. Am 23. Januar 2012 hat auch die EU mit dem Beschluss 2012/35/GASP des europäischen Rates „restriktive Maßnahmen gegen Iran“ eingeleitet. Damit brach für Peugeot nahezu das gesamte Iran-Geschäft weg. Die Franzosen hatten lange Jahre mit dem iranischen Montage-Unternehmen Iran-Khondro zusammengearbeitet und vor dem Embargo im Jahr 2011 eine Rekordzahl von Auto-Bausätzen von fast einer halben Million Einheiten geliefert.

          Daimler plant keine Rückkehr

          Das Dekret brachte Europas gesamte Autoindustrie in eine missliche Lage. „Einerseits waren die Unternehmen gezwungen, ihre bestehenden Verträge mit iranischen Unternehmen zu erfüllen. Kamen sie dem nicht nach, drohten Schadensersatzklagen. Bei Fortführung der Geschäftsbeziehungen andererseits waren empfindliche Sanktionen in den Vereinigten Staaten zu befürchten. Dieser Missstand dürfte nun wegfallen“, sagt Expertin Sachs. Zudem dürften nach Anhebung der Schwellenwerte für Genehmigungspflichten im Zahlungsverkehr, zu denen sich die EU verpflichtet hat, die Schwierigkeiten im Finanzierungsbereich etwas erleichtert werden.

          Dass Irans Automarkt nun wieder offensteht, hilft Peugeot und Renault zum richtigen Zeitpunkt, sich unabhängiger vom stagnierenden europäischen Markt zu machen. Die beiden französischen Konzerne zählen zusammen mit der koreanischen Marke Kia zu den Marktführern in Iran. Nach Schätzung des Peugeot-Finanzchefs Jean-Baptiste de Chatillon haben die Sanktionen den Konzern jährlich etwa 120 Millionen Euro an operativem Gewinn gekostet. Auch Renault begrüßt die angekündigte Aufhebung der Sanktionen ausdrücklich. „Das sind gute Nachrichten für uns“, sagte eine Sprecherin. Nun gelte es herauszufinden, unter welchen Konditionen das Geschäft wiederaufgenommen werden könne. Der gesamte Automarkt in Iran dürfte 2013 um die Hälfte unter dem Rekordwert des Jahres 2011 liegen, als 1,7 Millionen Neuzulassungen registriert wurden, schätzt das Analyseinstitut IHS Automotive.

          Daimler hat sein Geschäft als Nutzfahrzeughersteller in Iran schon 2010 gestutzt und eine Beteiligung von 30 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen für Dieselmotoren mit Iran Khodro aufgegeben. Auch die Lieferung von Lastwagen mit drei Achsen wurde eingestellt. Im März 2011 schloss Daimler das Büro in Teheran. Jetzt wolle der Konzern die Entwicklungen genau beobachten, plane aber derzeit noch keine Rückkehr, wie eine Sprecherin erklärte.

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