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Krise der MV Werften : Werfteneigner im Zwielicht

Sein Vater trieb den Ausbau der Gruppe voran. Loui berichtet aus dem Maschinenraum der Milliardäre: „Er glaubt daran, dass man durch Beobachten lernt, und so habe ich von klein auf an seinen Geschäftstreffen und Arbeitsreisen teilgenommen.“ Das Kreuzfahrtgeschäft wollte sein Vater durch die künftig eigenen Werften in Deutschland absichern. Keine schlechte Idee, solange die Nachfrage nach Seereisen brummte – immer bunter, größer, umweltfreundlicher wurden die Schiffe.

Viel Glücksspiel

Als Genting 2015 die MV Werften übernahm, versprach der Vormann aus Malaysia einen „sehr aktiven Schiffbau-Standort“. In Rostock und Wismar soll mit der Global I das größte Kreuzfahrtschiff der Welt gebaut werden: Die Schiffe der Global-Klasse von Genting sollen jeweils 9500 Kreuzfahrtpassagieren Platz bieten. Aber wollen sich die Menschen auf See in Pandemiezeiten so einpferchen lassen?

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Genting in Hongkong jedenfalls erklärte, überzeugt zu sein, alle erdenklichen Möglichkeiten für frisches Geld ausgeschöpft zu haben, und warnte nun gegenüber der Börse, weitere Insolvenzen im Verbund drohten. Bis zu 2,8 Milliarden Dollar stünden im Feuer. Überraschend kam das nicht: Schon im August 2020 unterbrach Genting Hongkong die Bedienung seiner Kredite im Wert von 3,4 Milliarden Dollar. Vergangenen Mai hatte das Unternehmen einen Verlust von 1,7 Milliarden Dollar ausgewiesen. Seit dem 7. Januar sind seine Aktien vom Handel ausgesetzt. Erst im Juni vergangenen Jahres hatte die Genting-Gruppe aber ihr Hotel Resorts World Las Vegas eröffnet, eine Investition von 4,3 Milliarden Dollar.

Eine Herausforderung für Gentings Kreuzfahrtgeschäft stellen ausgerechnet jene Regierungen dar, die Lim und seinen Partnern den Bau seiner Großcasinos erlaubt haben, weil er damit Touristen ins Land lockte. Bislang fahren die Kreuzfahrtschiffe für ein paar Stunden in internationalen Gewässern, wo dann die Roulette- oder Mahjong-Tische aufgedeckt werden. Das meiste Geld verdient der Reeder mit Glücksspiel – die Kurztrips werden bei Star Cruises aus Singapur für 249 Singapur Dollar (162 Euro) in der Kabine mit Balkon angeboten. Die amerikanische Regierung hat solche Kurzreisen unlängst verboten, asiatische Regierungen überlegen Ähnliches. Damit droht eine wichtige Geldquelle der Malaysier zu versiegen Und so geht Lim mit 70 Jahren in die Offensive: „Die Gegenparteien sind ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen“, schrieb er in einer Mitteilung an die Börse in Hongkong und meint damit die Deutschen.

Der Film hat einen Riss

Die Familie behält trotz Krise die Nerven. Loui warb gerade: „Unser Ziel ist es, die Erwartungen unserer Gäste auf See zu erfüllen und ihnen ein einzigartiges Erlebnis zu bieten.“ Noch im August, als die Schulden offensichtlich waren, ließ er am Geschäftssitz in Hongkong eine große Fotoreportage über sich veröffentlichen – er als 31-jähriger Jungmanager, der rund um die Erde nur das Feinste genießt. Selbst mit Altkanzlerin Angela Merkel habe er schon „eine Neujahrsparty gefeiert“, verkündet der Erbe.

Im wirklichen Leben kümmere er sich um das Design der Kreuzfahrtschiffe. „Mit einem Nachnamen kommt man nicht sehr weit“, betont er. „In der Wirtschaft überlebt immer noch der Stärkste. Man muss sich immer noch beweisen, man geht unter oder schwimmt.“ Den Arbeitern in Bremerhaven, Rostock und Wismar mögen die Ohren klingeln, wenn der Milliardärserbe im Hochglanzblatt ins Erzählen kommt: Schon als Junge habe er sich in den Hotelanlagen der Familie herumgetrieben: „Wenn große Künstler in die Resorts kamen, schlich sich Loui hinter die Bühne, um Showgirls zu treffen, weiße Tiger zu streicheln und die geheimen Zaubertricks zu lernen. ‚Oft hatte ich das Gefühl, in meinem eigenen Film zu leben‘, sagt er.“

Der Film, in dem die Lims leben, hat jetzt einen Riss. Aber warum nicht einfach den Kinosaal wechseln? Vielleicht schreibt Lim Kok Thay seine Forderungen an die deutsche Politik mit Blick auf den Park des französischen Städtchens Asnières. Den hatte van Gogh 1887 gemalt. Das Bild soll angeblich zur Kunstsammlung des Milliardärs gehören.

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