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Fluggesellschaft : Muss der Niki-Verkauf neu aufgerollt werden?

Eigentlich soll IAG Niki übernehmen. Bild: dpa

Ein juristisches Scharmützel gefährdet die Abwicklung der insolventen Tochtergesellschaft von Air Berlin. Sie kann jetzt nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen klappen.

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          Paukenschlag vom Gericht: Die Insolvenz und der Verkauf des Air-Berlin-Ablegers Niki müssen wohl abermals neu aufgerollt werden. Denn nun soll ein Gericht in Österreich für das Verfahren zur österreichischen Tochtergesellschaften des deutschen Mutterkonzerns zuständig sein. Das entschied am Montag das Landgericht Berlin, nachdem in der vergangenen Woche das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg noch seine Zuständigkeit bekräftigt hatte.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit ist auch wieder offen, ob Niki wie vereinbart an den British-Airways-Mutterkonzern IAG veräußert werden kann, der seine Billigmarke Vueling verstärken wollte. Davor hatte der Niki-Insolvenzverwalter Lucas Flöther im Vorfeld der Entscheidung gewarnt. Schon der erste Verkauf war geplatzt: Nach wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU-Kommission hatte die Deutsche Lufthansa ihre Offerte zurückgezogen.

          Mit dem Berliner Richterspruch brechen für die Niki-Beschäftigten bange Tage an. IAG hatte angekündigt, für bis zu 740 der 1000 Mitarbeiter der bereits am Boden stehenden Gesellschaft neue Stellen zu schaffen. Sollte der Verkauf nun platzen, wäre diese Perspektive verloren. Gegen die Entscheidung des Berliner Landgerichts kann Niki selbst noch eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen, um das Verfahren noch in Deutschland zu halten. Andernfalls müsste das Verfahren in Österreich am Landesgericht in Korneuburg bei Wien neu beginnen. Dort hatte der Fluggastrechtedienstleister Fairplane einen separaten Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens eingereicht. Wann über diesen Antrag entschieden wird, ist noch offen.

          Der Verkauf von Niki käme dann nur noch zustande, wenn ein in Österreich neu zu bestellender Konkursverwalter den in Deutschland von Niki-Insolvenzverwalter Lucas Flöther ausgehandelten Vertrag übernehmen würde. Unklar ist, ob IAG so viel Geduld aufbringt. „Die Belegschaft baut darauf, dass die Beteiligten den Deal noch retten“, sagte Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits.

          In Deutschland hatte Fairplane mit einer Beschwerde die Zuständigkeit des Berliner Gerichts in Zweifel gezogen, um eine Verlagerung nach Österreich zu erreichen. Dabei hat Fairplane im Grundsatz nichts gegen einen Verkauf von Niki an den IAG-Konzern. Der Rechtsdienstleister befürchtet aber Interessenkonflikte zwischen den Insolvenzverfahren für Niki und für die Muttergesellschaft Air Berlin – zumal Niki-Insolvenzverwalter Flöther im Air-Berlin-Verfahren als Sachwalter mit Aufsichtsfunktion involviert ist. Fairplane erhofft sich, in einem deutlich abgetrennten Niki-Verfahren besser die Interessen der Käufer von Tickets für gestrichene Flüge durchsetzen zu können. Flöther hatte in der vergangenen Woche bestritten, dass diese Aussicht bestehe, da die Größe des Insolvenzmasse vom Gerichtsort unabhängig sei. Zudem hatte er bekräftigt, dass alle Kunden, die seit Mitte August nun nutzlose Niki-Tickets gebucht haben, ihr Geld im weiteren Verlauf des Verfahrens noch zurückbekommen.

          Unter der Marke Niki hatte Air Berlin zuletzt seine Ferienflugverbindungen gebündelt. Die Gesellschaft mit österreichischer Betriebslizenz gehörte den Berliner aber nur zu 49,8 Prozent, die übrigen Anteile hielt eine österreichische Privatstiftung. Allerdings wurden die Flugplangestaltung und der Ticketverkauf über Berlin gesteuert, Käufer von Niki-Tickets schlossen einen Beförderungsvertrag mit Air Berlin. Sogar der Überschuss von Niki wurde an die Muttergesellschaft nach Berlin abgeführt.

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