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Musikrechteverwerter : Betrugsfall erschüttert die Gema

„Ein beispielloser Einzelfall”: Gema-Chef Heker Bild: Gema

Die Gema hat gegen zwei ihrer Mitarbeiter und mindestens zehn Mitglieder Strafanzeige gestellt. Es bestehe der Verdacht, dass Live-Aufführungen abgerechnet wurden, obwohl sie nicht stattgefunden haben

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          Auf den Rechteverwerter Gema sind viele Künstler, Komponisten und Texter nicht gut zu sprechen. Mangelnde Transparenz und hohe Ineffizienz werfen sie der Institution vor. Zudem sei unklar, nach welchem Muster die Einnahmen an die Mitglieder verteilt werden. Ihr Groll dürfte noch zunehmen, da jetzt ein Betrugsfall in der Verwertungsgesellschaft für Musikurheberrechte mit Sitz in München die Runde macht. Denn offenbar haben zwei Gema-Mitarbeiter an betrügerischen Machenschaften, deren Ausmaß noch nicht bekannt ist, mitgewirkt. Sie sollen Livemusikveranstaltungen abgerechnet haben, die in Wahrheit nie oder nicht in dem Umfang stattfanden. Außerdem sind wohl mindestens zehn Gema-Mitglieder beteiligt. Hinweise auf dieses abgekartete Spiel erhielt die Gema von einem oder mehreren Zeugen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Am Freitag erhob die Gema selbst Betrugsvorwürfe gegen zwei ihrer inzwischen fristlos gekündigten Mitarbeiter und die involvierten Mitglieder und stellte Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin. „Wir stehen noch ganz am Anfang, der Fall ist erst zwei Wochen alt“, sagte der Gema-Vorstandsvorsitzende Harald Heker in einer Internet-Pressekonferenz.

          Über den finanziellen Schaden konnte Heker noch nichts sagen. Er sprach von einem „Angriff auf die Solidargemeinschaft“. Er will das Kontrollsystem der Gema von externen Beratern „überprüfen“ lassen.

          Viel mehr erfuhren die Journalisten am Freitag dann auch nicht, denn persönliche Fragen waren nicht zugelassen und konnten nur schriftlich eingereicht werden. Stattdessen interviewte eine Unternehmenssprecherin ihren eigenen Chef, was eher den Charakter einer Schauveranstaltung hatte. Wie Hohn klang auch die einleitende Aussage Hekers, die Gema habe „nichts zu verbergen“.

          Doch genau diesem Verdacht setzte sich die Gesellschaft ohne Not mit der Art und Weise ihres Frage-und-Antwort-Spiels aus.

          Sinn und Zweck der Gema ist es seit gut einem Jahrhundert, von Veranstaltern und Radiosendern Gebühren zu verlangen, um diese dann über einen Verteilerschlüssel an Komponisten und Rechteinhaber von Musikstücken auszuschütten. Mehr als 60 000 Mitglieder hat die Verwertungsgesellschaft heute. Allein im vergangenen Jahr hat sie nach Angaben einer Sprecherin 660 000 Veranstaltungen lizenziert; etwa die Hälfte davon war angemeldet. Die anderen wurden von den knapp 200 freiberuflichen Außendienstmitarbeitern „aufgespürt“. In der Bilanz des Geschäftsjahres 2009 weist die Gema für ihre Rechteinhaber aus aller Welt Einnahmen von 841 Millionen Euro aus, gut 2 Prozent mehr als im Jahr davor.

          Die Verteilung des Geldes entspreche dem Willen der Mitglieder, behauptete Gema-Chef Heker. Er werde sich gern dafür einsetzen, dass das System „noch besser verstanden wird in der Öffentlichkeit“, sagte er auf eine Frage seiner eigenen Mitarbeiterin. Und gegen Reformen habe er nichts.

          An diesem Punkt wäre es spannend geworden, einmal zu erfahren, wie das jahrzehntealte System erneuert und verbessert werden könnte - um Betrügereien auszuschließen und die Verteilgerechtigkeit für die Mitglieder zu erhöhen. Doch dazu kam es nicht. Nach 28 Minuten erklärte die Gema-Sprecherin die Videokonferenz für beendet. Es habe keine weiteren Fragen mehr gegeben.

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