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Musikrechte-Fonds : Hipgnosis kauft sich bei Leonard Cohens Nachlass ein

Leonhard Cohen am 27. Juni 1976 beim 10. Montreux Jazz Festival Bild: picture alliance/KEYSTONE

Der neue, von Blackstone mitfinanzierte Hipgnosis-Fonds erwirbt einen Anteil am Autorenkatalog von Leonard Cohen. Der Kauf unterstreicht den Reiz von Musikrechten – aber auch wie kompliziert das Feld mitunter ist.

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          Das Investmentunternehmen Hipgnosis hat sich einen Anteil an den Texten und Kompositionen von Leonard Cohen gesichert. Der Kauf erfolgte über den Mitte Oktober zusammen mit Blackstone eingerichteten, rund eine Milliarde Dollar schweren Fonds Hipgnosis Songs Capital. Der Finanzinvestor hatte im Rahmen dieser Partnerschaft zudem Anteile am Unternehmen Hipgnosis Song Management erworben, das auch den an der Londoner Börse notierten Fonds Hipgnosis Songs managt.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie Hipgnosis und die Nachlassverwalter des im November 2016 verstorbenen kanadischen Musikers am Sonntag mitteilten, hält Hipgnosis nun Anteile an allen 278 Cohen-Songs und weiteren Werken. Allerdings teilt sich der Kauf in zwei Pakete: An Cohens bis zum Jahr 2000 geschaffenen Texten und Kompositionen hat Hipgnosis lediglich die dem Songwriter – also Cohen – zustehenden Tantiemenanteile und die damit verbundenen Rechte (“writer's share“) erworben.

          Nicht alle Rechte an „Hallelujah“

          Insgesamt umfasst dieser Katalog 211 Werke, darunter auch das vielfach von anderen Interpreten gecoverte (und so mit Blick auf die Autorenrechte besonders lukrative) „Hallelujah“ oder „So long, Marianne“. Den anderen Teil der Rechte, den „publisher's share“, hält der Branchenseite „Music Business Worldwide“ zufolge die Verlagssparte von Sony Music. Über Sonys Label Columbia Records sind auch sämtliche 15 Studio-Alben des Kanadiers erschienen, vom Debüt „Songs of Leonard Cohen“ (1967) bis hin zum posthum veröffentlichten „Thanks for the Dance“ (2019). Folglich liegen die Rechte an Cohens eigenen Aufnahmen wohl entweder bei Columbia Records oder bei Cohens Erben.

          Die kompletten Autorenrechte (also “writers“ und “publisher's share“) wiederum hat Hipgnosis an Cohens Werken aus der Zeit ab dem Jahr 2001 erworben. Über finanzielle Fragen und weitere Details wurde – wie es bei Katalogverkäufen die Regel ist – nichts mitgeteilt.

          Hipgnosis hat bislang mehr als zwei Milliarden Dollar investiert

          Hipgnosis wurde 2018 vom ehemaligen Künstlermanager Merck Mercuriadis gegründet und gehört zu den umtriebigsten Käufern von Musikrechten im Zuge des jüngsten Booms. Auch Finanzinvestoren wie Blackrock, Pimco, Apollo Global Management oder KKR haben das Gebiet im Blick.

          Investoren versprechen sich aus dem Kauf von Anteilen an etablierten Songs langfristig stabile Einnahmen und setzen auf weiteres Wachstum etwa mit Blick auf das Streaming, aber auch durch andere digitale Plattformen oder der Nutzung von Musik in Filmen, Werbung oder Video-Spielen. Musiker wiederum erhalten mit dem Verkauf eine je nach Prestige und Umfang des Rechtepakets stattliche Einmalzahlung anstatt weiter regelmäßig die betreffenden Tantiemen einzustreichen.

          Der Fokus von Mercuriadis' Unternehmen liegt auf Autorenrechten. Insgesamt wurden über den börsennotierten Fonds seit Mitte 2018 für Anteile an rund 65.000 Songs mehr als zwei Milliarden Dollar ausgegeben. So hält Hipgnosis unter anderem 50 Prozent an den Texten und Kompositionen von Neil Young sowie Anteile am Schaffen von Blondie, Lindsey Buckingham oder Shakira.

          Teils kauft Hipgnosis jedoch auch Tantiemenansprüche auf die Vermarktung von Musikaufnahmen, beispielsweise die Produzenten-Anteile von Jimmy Iovine oder 80 Prozent der Anteile, die Country-Star Kenny Chesney aus seinen Veröffentlichungen zustehen. Letzterer war Mitte Januar diesen Jahres der erste bekannt gemacht Kauf über den Blackstone-finanzierten Fonds.

          Universal, Sony und Warner Music kaufen ebenfalls

          In dieser Konstellation erhält Hipgonsis gewissermaßen passive Einnahmen, da man lediglich Ansprüche auf Tantiemen erwirbt und über die Vermarktung der Musik in der Regel folglich nicht mitentscheidet. Dies trifft in Teilen nun auch auf die vor 2000 geschaffenen Cohen-Songs zu, wo Hipgnosis lediglich den „writer's share“ gekauft hat. Mercuriadis und Co dürften freilich aus gutem Grund darauf setzen, dass die anderen Rechteinhaber (in diesem Fall Sony) den Katalog bestmöglich auswerten wollen, liegt es ja auch in ihrem ureigensten Interesse.

          In 2022 hatten zuletzt vor allem Käufe der traditionellen Platzhirsche der Musikindustrie für Aufsehen gesorgt. Anfang Januar übernahm Warner Music den Großteil der Autorenrechte von David Bowie. Universal Music wiederum kaufte den Autorenkatalog von Sting und kürzlich auch den kompletten Katalog (Aufnahmen sowie Rechte an Texten und Kompositionen) von Neil Diamond.

          Sony teilte im Januar mit, die Rechte an den Aufnahmen von Bob Dylan erworben zu haben. Besiegelt wurde der Verkauf demnach schon im Juli 2021. Dylans Autorenrechte hatte im Dezember 2020 die Verlagssparte von Universal Music für Berichten zufolge bis zu 400 Millionen Dollar erworben.

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