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Musikindustrie : Robbie Williams streikt

Bei EMI unter Vertrag: Sänger Robbie Wiliams Bild: dpa

Beim Musikkonzern EMI läuft es nicht mehr rund. Die Umsätze schrumpfen und das Unternehmen droht mit dem Abbau von 2000 Stellen. Die Stars der britischen Musikszene sind empört, Robbie Williams will sein fertig produziertes Album vorerst nicht bei EMI veröffentlichen.

          Beim britischen Musikkonzern EMI gewinnt der Streit mit seinen Künstlern an Schärfe. Popstar Robbie Williams kündigte am Wochenende in London an, seinen langjährigen Vertragspartner zu bestreiken. Er wolle sein bereits fertig produziertes Album vorerst nicht bei EMI veröffentlichen und auch seine für dieses Jahr geplante Konzert-Tournee nicht antreten, teilte sein Manager Tim Clark mit. Ähnlich wie Williams, der beim Londoner Traditionsunternehmen vor 4 Jahren einen langfristigen Vertrag mit garantierten Einnahmen von 80 Millionen Pfund abschloss, sieht auch die britische Rockband "Coldplay" von weiteren Veröffentlichungen für EMI ab.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit ihren spektakulären Aktionen stemmen sich die Publikumslieblinge der britischen Musikszene gegen die drastischen Sparpläne, die der neue EMI-Eigentümer Guy Hands am morgigen Dienstag in London verkünden will. Der Finanzinvestor hatte den Musikkonzern Mitte vergangenen Jahres über seine Beteiligungsgesellschaft Terra Firma für 3,2 Milliarden Pfund übernommen.

          Sparprogramm bei Marketing und Vetrieb

          Das Unternehmen, das neben Williams und „Coldplay“ auch weltweite Verkaufsschlager wie "Beatles" oder "Rolling Stones" unter Vertrag hat, befindet sich in einer schwierigen Verfassung: Aufgrund des schnell wachsenden Online-Geschäfts steht der Absatz von CD-Tonträgern unter Druck. Während EMI im Geschäftsjahr 2006 zweistellige Umsatzrückgänge vermeldete, erreichte der Konzernverlust mit 264 Millionen Pfund Rekordhöhe. Der Negativtrend setzte sich im vergangenen Jahr fort, räumen EMI-Manager ein. Allein in Großbritannien musste der Konzern einen Verfall seines Marktanteils von 17,9 Prozent auf 15,4 Prozent verkraften.

          Coldplay-Sänger Chris Martin: Auch seine Band will nicht mehr bei EMI veröffentlichen

          Um die Erosion bei Umsatz und Ergebnis zu stoppen, muss Hands die Kosten für Personal und Sachaufwendungen abermals kräftig drücken. Von den verbliebenen 5500 Arbeitsplätzen sollen jetzt bis zu 2000 durch Kündigungen oder Verlagerung an externe Dienstleister abgebaut werden. Dabei sollen die gröbsten Einschnitte in zentralen Bereichen wie Verwaltung sowie Marketing und Vertrieb anfallen, heißt es in der Londoner Zentrale. In den vergangenen fünf Jahren schrumpfte die weltweite Belegschaft von einst 10 000 Mitarbeitern auf nunmehr fast die Hälfte. Dadurch fielen die Fixkosten im Konzern seit 2002 um 290 Millionen Pfund pro Jahr. Der jetzt geplante Schnitt beim Personal soll die Ergebnisrechnung ebenfalls um Beträge in dreistelliger Millionenhöhe entlasten, bestätigt ein EMI-Manager.

          Auch „Coldplay“ und Paul McCartney verärgert

          Der organisierte Widerstand der Künstler ist vor allem gegen die Abstriche bei den Ausgaben für Marketing und Vertrieb gerichtet. Vor Williams und „Coldplay“ äußerten sich bereits Paul McCartney und die Rockcombo „Radiohead“ verärgert über die Sparpläne von Guy Hands und verzichteten auf eine Verlängerung ihrer Verträge. Während der Kopf der „Beatles“ seitdem seine Solo-Werke über das Musiklabel der Kaffeehaus-Kette "Starbucks" vertreibt, startete „Radiohead“ die Vermarktung ihres neuen Albums „In Rainbows“ vor Monaten über das Internet.

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