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Musikbranche : Rolling Stones streiten mit EMI

Gilt als versierter Stratege: Mick Jagger Bild: AP

Bei EMI setzt sich der Exodus prominenter Künstler fort. Jetzt muss der britische Musikkonzern den Wechsel der wirtschaftlich erfolgreichsten Band zum Rivalen Universal fürchten: Die Rolling Stones drohen damit, sich von EMI zu trennen.

          Bei EMI setzt sich der Exodus prominenter Künstler fort. Nach dem Abschied von Beatles-Legende Paul McCartney und dem Ausstieg der britischen Rockband Radiohead erwägen jetzt auch die kommerziell erfolgreichen Rolling Stones eine Kündigung beim britischen Musikkonzern.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach einem Treffen mit Stones-Frontmann Mick Jagger und EMI-Eigentümer Guy Hands in der vergangenen Woche sei eine Einigung über die Verlängerung des bisherigen Vertrages vorerst gescheitert, hieß es am Donnerstag in London. Demnach würde der bislang auf 5 Jahre befristete Kontrakt mit der EMI, der den Musikern Einnahmen von insgesamt 14 Millionen Pfund garantiert, wohl im Mai auslaufen. Das produzierte Stones-Album „Shine a Light“, das zeitgleich mit der Premiere des gleichnamigen Kinofilms im März erscheinen soll, werde bereits vom Plattenlabel Polydor des EMI-Rivalen Universal vermarktet, bestätigte ein Sprecher der Band.

          „Miese Konditionen“

          Führt der Wechsel zu Universal tatsächlich zum endgültigen Rückzug bei EMI, wäre das für Hands ein Schlag ins Kontor. Der Investment-Banker hatte den britischen Musikkonzern erst Mitte 2007 über seine Beteiligungsgesellschaft Terra Firma für umgerechnet 4,2 Milliarden Euro erworben. Doch der Einzug des gewieften Finanzjongleurs, der die verlustreiche EMI Group durch einen radikalen Konzernumbau und den Abbau von 2000 der weltweit 5500 Stellen sanieren will, irritiert die Prominenz der britischen Musikergemeinde.

          Wirtschaftlich erfolgreich: Die Rolling Stones

          Mit Verweis auf die drastischen Sparpläne bei Marketing und Vertrieb kündigte zunächst Paul McCartney dem EMI-Eigner die Gefolgschaft auf. Stattdessen ließ sich der ehemalige Kopf der Beatles vom neuen Musiklabel der Kaffeehaus-Kette Starbucks verpflichten. Wenige Monate danach verkündete die Band Radiohead ihren Ausstieg. Thom Yorke, Gründer der Rockcombo, führte als Gründe die „miesen Konditionen“ des neuen Vertrags sowie den Umstand an, dass Banker Hands „vom Musik-Geschäft keine Ahnung“ habe.

          In der Chefetage von EMI ist Jagger gefürchtet

          Dem Widerstand der Musiker-Prominenz schlossen sich zwischenzeitlich auch der Popbarde Robbie Williams und die Rockgruppen Coldplay, The Verve sowie Snow Patrol an. Sie alle drohen damit, ihre schon fertig produzierten Werke nicht bei EMI zu veröffentlichen oder ihre Konzerttourneen nicht anzutreten (F.A.Z. vom 16. Januar). Schließen sich den Protestlern gegen den neuen EMI-Kurs auch noch die Stones-Größen Jagger, Keith Richards & Co. an, wäre das für Hands ein bitterer Rückschlag. Beim britischen Traditionskonzern, der über Jahrzehnte vom Erfolg der Beatles oder Pink Floyd profitierte, stehen die Rolling Stones seit 1977 unter Vertrag.

          Obwohl bisweilen als „rüstige Musikrentner“ verspottet, gilt die 1963 in London gegründete Band bis heute als der mit Abstand erfolgreichste Wirtschaftsbetrieb der Rockmusik. Die jüngste Konzerttournee, die das aktuelle EMI-Werk „A Bigger Bang“ vermarkten half, erreichte mit einem Erlös von 160 Millionen Dollar einen Spitzenwert der Branche. Dabei dürften sich seit 1989 für die vier Bandmitglieder die Einnahmen aus CD-Verkäufen und Auftritten auf rund 2 Milliarden Dollar belaufen, geht aus seriösen Schätzungen hervor.

          In der Chefetage von EMI ist Jagger zudem gefürchtet. Der 63 Jahre alte Rockmusiker, der einst Wirtschaft an der London School of Economics studierte und heute sein Privatvermögen von geschätzt 300 Millionen Euro vom Londoner Finanzberater Rupert Prinz zu Loewenstein professionell verwalten lässt, gilt als versierter Stratege und knallharter Verhandler. Jaggers größter Coup war eine Lizenzvereinbarung mit Microsoft: Der Softwarekonzern erwarb gegen Zahlung von rund 9 Millionen Euro das Exklusivrecht, den Stones-Ohrwurm „Start me Up“ für den Marktstart seiner damaligen Softwareneuheit zu nutzen.

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