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Musikbranche : Harter Kampf ums Tafelsilber

Sony Music-Chef Rob Stringer (links) mit Lil Nas X und Columbia Records-Chef Ron Perry - bald erscheint dort das Debütalbum von Lil Nas X. Bild: Getty

Die großen Musikunternehmen ringen erbittert um Marktanteile. Hohe Vorschüsse für Künstler sind ein Mittel der Wahl – aber auch das Überdenken alter Konditionen aus der Zeit vor dem Streaming.

          6 Min.

          Sony Music hat Geld zu verschenken. So zumindest könnte man die jüngste Initiative des weltweit zweitgrößten Musikunternehmens überschreiben. Im Rahmen eines „Artist Forward“ betitelten Programms kündigte Sony kürzlich an, von Künstlern und anderen Partnern nicht beglichene Vorschüsse rückwirkend zum 1. Januar 2021 bei der Abrechnung der Tantiemen nicht mehr zu berücksichtigen – sofern diese Vorschüsse vor dem Jahr 2000 gezahlt wurden und ein Betroffener nach der Jahrtausendwende keinen weiteren Vorschuss von Sony erhalten hat. Die betreffenden Verträge an sich verändere man mit diesem Schritt zwar nicht, er erfolge aber grundsätzlich im Rahmen einer langfristigen Strategie, bei der es auch um modernisierte Verträge oder „flexible Deal-Optionen“ gehe, heißt es in einem der F.A.Z. vorliegenden Schreiben an die Sony-Partner weiter.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun fließt also Geld an Künstler, das Sony, vertraglich gesehen, gar nicht zahlen müsste. Gute Argumente für das Vorgehen liegen freilich auf der Hand: Der Umsatz auf dem seit Jahren stetig wachsenden Markt für Musikaufnahmen wird längst primär digital erwirtschaftet. Seit einiger Zeit diskutiert die Branche deshalb über die Verteilung der Streaminggelder zwischen Künstlern, Labels und anderen Partnern. Ein Bestandteil der Debatte ist die Kritik an alten Verträgen, die noch voll auf Herstellung und Vertrieb physischer Tonträger ausgerichtet waren. In Großbritannien beschäftigt die Lage auf dem Markt sogar einen Parlamentsausschuss.

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