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Wegen Opioidkrise : Museen wollen das Geld der Sacklers nicht mehr

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Der Sackler-Name steht an vielen Museen wie hier im Metropolitan Museum of Art in New York. Bild: AP

In Amerika muss sich die Sackler-Familie wegen der Opioidkrise vor Gericht verantworten. Für viele Kulturinstitutionen ist sie derweil ein wichtiger Geldgeber – jetzt wenden sich erste Museen ab.

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          Die National Portrait Gallery und die Tate-Gallerien in London sowie das Guggenheim-Museum in New York haben Großspenden der Pharma-Unternehmer-Familie Sackler abgelehnt. Die Sacklers sind Mehrheitseigner an Purdue Pharma, dem Konzern, der das Schmerzmittel Oxycontin herstellt. Der Familie wird vorgeworfen, maßgeblich mitverantwortlich für die Opioidkrise in den Vereinigten Staaten zu sein.

          Es ist das erste Mal, dass Kulturinstitutionen eine Spende der Sacklers nicht annehmen. Der Sackler Trust, der das wohltätige Engagement der Familie verwaltet, erklärte daraufhin, bis auf weiteres alle Spenden im Vereinigten Königreich auszusetzen.

          Der Sackler Trust hatte eine Spende in Höhe von einer Million Pfund für die National Portrait Gallery geplant, die nun nicht übergeben wird. Das Tate Modern hatte in der Vergangenheit vier Millionen Pfund von den Sacklers erhalten, das Guggenheim Museum neun Millionen Dollar.

          Die Sacklers zählten über viele Jahre zu den Großspendern für Bibliotheken, Museen und Universitäten auf der ganzen Welt. Es gibt einen Sackler-Flügel im Metropolitan Museum of Art in New York, eine Sackler-Bibliothek an der Universität Oxford und eine Sackler-Medizinfakultät an der Universität Tel Aviv. Kritiker werfen der Familie vor, mit den Spenden von der eigenen Verantwortung in der Opioidkrise ablenken zu wollen.

          Purdue Pharma und acht Mitglieder der Familie müssen sich in den Vereinigten Staaten vor Gericht verantworten, weil sie Ärzte getäuscht und dazu verleitet haben sollen, möglichst große Mengen des Schmerzmittels zu verschreiben. Im Jahr 2017 starben nach Angaben des Center for Disease Control (CDC) über 48.000 Amerikaner an einer Überdosis von Opioiden wie Oxycontin.

          Weitere Prozesse stehen bevor

          Am Dienstag hatte Purdue Pharma in einem Vergleich mit dem Bundesstaat Oklahoma der Zahlung von 270 Millionen Dollar zugestimmt. Dem Unternehmen drohen weitere Gerichtsverfahren. Vor kurzem wurden Dokumente öffentlich, in denen der ehemalige Purdue-Vorstandschef Richard Sackler unter anderem Opioidsüchtige als „rücksichtslose Kriminelle“ bezeichnet.

          Theresa Sackler, die Vorsitzende des Sackler Trusts, sagte dazu in einer Pressemitteilung: „Die Suchtkrise in Amerika macht mich sehr traurig und ich unterstütze die Schritte von Purdue Pharma, diese Situation zu bewältigen. Ich weise aber die falschen Anschuldigungen zurück, die gegen das Unternehmen und mehrere Mitglieder der Sackler-Familie gemacht wurden.“

          Die amerikanische Künstlerin und Aktivistin Nan Goldin sagte gegenüber der BBC: „Ich würde diese Nachricht begrüßen, wenn das Geld als Reparationen an die Menschen ginge, deren Leben die Sackler-Familie zerstört hat. 300.000 Menschen in diesem Land sind tot. (Die Familie) sollte in irgendeiner Weise für den Schaden aufkommen, den sie angerichtet hat.“

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