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Münchener-Rück-Manager Höppe : „Strom aus der Sahara ist eine große Idee“

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Peter Höppe leitet bei der Münchener Rück den Bereich GeoRisikoForschung. Er ist die treibende Kraft hinter dem Projekt Wüstenstrom Bild:

Er ist die treibende Kraft hinter dem 400 Milliarden Euro schweren Sahara-Wüstenstrom-Projekt: Der Münchener-Rück-Manager Peter Höppe erläutert, warum Solarkraftwerke in Afrika unsere Energieprobleme lösen - ein Interview.

          Kein Unternehmen auf der Welt hat vermutlich mehr mit den Folgewirkungen von Wind, Wetter und Klimawandel zu tun als die Münchener Rück. Das Unternehmen versichert Versicherungen - daher gehört es zur Kernkompetenz, große Risiken richtig einzuschätzen. Um für Naturkatastrophen gut gewappnet zu sein, hat sie eine eigene Abteilung „Geo Risks“ aufgebaut. Deren Leiter ist seit knapp fünf Jahren der Meteorologe und promovierte Physiker Peter Höppe. Höppe ist die treibende Kraft hinter dem 400 Milliarden Euro schweren Sahara-Wüstenstrom-Projekt. Im Interview erläutert er, warum Solarkraftwerke in Afrika unsere Energieprobleme lösen.

          Herr Höppe, Sie haben die Lösung für Europas Energieprobleme: Strom von der Wüstensonne. Kostenpunkt 400 Milliarden Euro.

          Wir haben selbstverständlich nicht die Lösung für alle Energieprobleme. Aber tatsächlich glauben wir, dass Sonnenkraftwerke in der nordafrikanischen Wüste zur Lösung beitragen, ohne die Umwelt zu belasten.

          Wieso soll ausgerechnet Afrika Europa helfen können?

          Das sogenannte Desertec-Konzept, für das wir jetzt eine Industrieinitiative anschieben, sieht vor, Strom dort zu erzeugen, wo erneuerbare Energien in größter Dichte vorhanden sind. Das sind die Wüstengebiete. Und die nächste Wüste aus europäischer Perspektive ist nun einmal die Sahara.

          Sie haben für das Projekt 400 Milliarden Euro veranschlagt. Das klingt jetzt nicht gerade bescheiden.

          Diese Summe hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in einer Studie schon 2005 ermittelt. Das Projekt ist ja auch ambitioniert. Das ursprüngliche Konzept sieht vor, immerhin 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs damit zu decken. Die Investitionssumme verteilt sich auf viele Jahre.

          Sie wollen keine Solarzellen in der Wüste installieren, sondern solarthermische Kraftwerke. Was ist der Vorteil?

          Solarthermische Kraftwerke sind doppelt so effizient wie Felder mit Solarzellen. Wir glauben, dass in solchen Kraftwerken Strom zu marktfähigen Preisen erzeugt werden kann. Denn in den nächsten zehn Jahren wird sich der Strom aus konventionellen Kraftwerken verteuern, während die Solarthermie im Preis sinken wird. Damit wird der Wüstenstrom konkurrenzfähig.

          Was passiert genau in solarthermischen Kraftwerken?

          Im Prinzip fangen rinnenförmige Spiegel die Sonnenwärme ein, erhitzen ein Spezialöl, das wiederum Wasser erhitzt. Der entstehende Wasserdampf bewegt Turbinen, die den Strom erzeugen.

          Sie brauchen eine Menge Platz für die Spiegel?

          Na ja, das ist relativ. Um ganz Deutschland mit Wüstenstrom zu versorgen, reicht eine Fläche von 50 mal 50 Kilometer. Für Europa wären 150 mal 150 Kilometer ausreichend.

          Eine praktische Frage: Wo bekommen Sie in der Wüste das Wasser her, dessen Dampf die Turbinen antreibt?

          Das funktioniert, wenn das Wasser wieder verwendet wird, sprich geschlossene Systeme genutzt werden. Ein Teil des Stroms könnte auch zur Entsalzung von Meerwasser genutzt werden.

          Noch eine technische Frage: Könnten nicht Wüstenstürme die Spiegel unbrauchbar machen?

          Die Sahara besteht nicht nur aus Sand. Es ist einfach eine Frage des Standorts.

          Und wie bekommt man den Strom dann von der Sahara nach Passau, Flensburg und Castrop-Rauxel?

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