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Mount Everest : Hohe Profite im Sherpa-Business

Bild: F.A.Z.

Einsame Männer im Eis - von wegen. Längst sind die Bergführer Tourismus-Anbieter am Mount Everest. Die Trekkingtouren sind zu einer der wichtigsten Einkunftsquellen geworden.

          2 Min.

          Als der neuseeländische Bienenzüchter Edmund Hillary vor fünfzig Jahren den Mount Everest erklomm, war die Bergwelt in Ordnung. Während des Aufstiegs sah er keine Menschenseele - außer seinem Sherpa Tenzing Norgay. Auch lag damals noch kein Unrat herum (sieht man von den Leichen weniger erfolgreichen Vorgänger ab). Heute ist alles anders. Die Expeditionen trampeln sich auf den Füßen herum, im Basiscamp kann man sich inzwischen mit T-Bone-Steak und einem Glas Heineken stärken; ein Internetcafe bietet dem Trekker die Möglichkeit, einen Heldengruß nach Hause zu schicken. Hillary nutzt das diesjährige Jubiläum seiner Erstbesteigung ausgiebig, um den Niedergang der Bergsteigerkultur zu beschwören: Mit der Kommerzialisierung, sagte er jüngst, sei der einst abenteuerliche Aufstieg zum Dach der Welt zu einer "Führung" verkommen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Über 100.000 Bergsteiger landen jedes Jahr in Kathmandu

          Everest sells. Jahr für Jahr zählt Nepal mehr Bergsteiger. Auf den 15 etablierten Aufstiegsrouten zum Mount Everest drängeln sich allein in dieser Saison 45 Expeditionen. Für das arme Bergland im Herzen Asiens ist der Trekkingtourismus zu einer der wichtigsten Einkunftsquellen geworden. Über 100000 Bergsteiger landen jedes Jahr in Kathmandu. Vor zwanzig Jahren kam nicht einmal ein Viertel, und im Jahr 1966 wurden gerade einmal acht Bergtouristen gezählt. Für viele Trekkingregionen verlangt das Land "Eintritt"; 700 Euro sind keine Seltenheit. Für die große Southeast Ridge Route kassiert der Staat sogar 10000 Euro, für die North Ridge Route noch die Hälfte. Aber nicht nur in der Staatskasse klingelt es. Alle profitieren: Veranstalter, Reisebüros, die Hotellerie und nicht zuletzt die Kritiker wie der 83 Jahre alte Hillary, der seit Wochen durch die Region tourt, Reden hält, Premierminister trifft und nebenbei sein Buch "High Adventure: Our Ascent of the Everest" vermarktet.

          Vom Satellitentelefon bis zur mobilen Toilette - alles im Angebot

          Am stärksten verändert hat sich das Leben der Sherpas. Schon die ersten europäischen Bergsteiger - der bekannteste ist wohl der Brite George Mallory, dessen Leiche vor vier Jahren entdeckt wurde - haben die Geländekenntnisse des Bergvolkes zu schätzen gewußt. Bei seinem ersten Aufstiegsversuch im Jahr 1921 ließ sich Mallory von zehn Sherpas begleiten. Spätestens mit dem ersten Gipfelfoto, das Hillary 1953 von seinem Begleiter Tenzing schoß (der selber nicht fotografieren konnte), erlangte das Volk der Sherpas Weltruhm. Arm bleibt es dennoch. Erst mit dem Boom des Abenteuertourismus kehrte bescheidener und gelegentlich beträchtlicher Wohlstand ein. Geschickt stellten sich die Sherpas auf die Bedürfnisse der modernen Expeditionen ein: Vom Satellitentelefon bis zur mobilen Toilette bietet das Bergvolk den Interessierten alles an.

          Auch mit Beratungs- und Kontrolldiensten sind die Sherpas präsent. Viele helfen den unkundigen Trekkern, die Umweltauflagen einzuhalten. Nepal hat ein ökologisches Sicherheitsdepot eingeführt, um die Bergsteiger zu umweltfreundlichem Verhalten zu zwingen. Die 4000 Euro, die zu hinterlegen sind, bekommt nur zurück, wer nachweislich seinen Müll von den Höhen zurückbringt. Die Träger erinnern daran, die Toiletten vom Basiscamp mitzubringen, Essensreste und Batterien einzupacken, und die Kontrolleure verdienen ihr Geld damit, die Route wöchentlich abzusuchen.
          Das größte Geschäft sind die Expeditionen. Beinahe jedem, der gut zu Fuß ist, wird der große Kick geboten. Der Preis dafür liegt bei bis zu 65000 Euro pro Person.
          Einfache Sherpas verdienen zwischen 2000 und 5000 Euro pro Saison, Stars, wie der Dauergipfelstürmer Apa Sherpa, sollen 25000 Euro und mehr verdienen. Manche Sherpas sehen die Gewinne und Verluste des neuen Lebens deutlich. "Ich mag die Kommerzialisierung auch nicht", sagt Tashi Tenzing, der Enkel des berühmten Tenzing Norgay. "Aber was können wir tun? Nepal ist ein armes Land."

          Der Präsident der Nepal Mountaineering Association, Ang Tshering Sherpa, hat dagegen das Ziel hochgesteckt: "Der Mont Blanc in Frankreich zieht in der Saison täglich 50000 Touristen an", sagt er. "Warum sollen wird das nicht auch erreichen können?"

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