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Liebhaberstücke : Warum die Motorrad-Legende Triumph überlebt hat

Der Klassiker: Triumph-Chef Nick Bloor hinter dem Modell Bonneville Bild: Marcus Theurer

So britisch wie Linksverkehr und Fish and Chips: Triumph-Motorräder, einst die Gefährten von Stars wie Marlon Brando und Elvis Presley, gibt es noch heute – dank eines Liebhabers, der auf Dividende verzichtet.

          Der Nachbar fährt jetzt wieder Motorrad. Seine Frau war nicht so begeistert von der Idee, aber das musste sein. Er hatte früher schon mal eine Maschine. Lange her ist das. Jetzt ist er um die fünfzig, er arbeitet als Finanzmanager in der Londoner City, die Kinder sind aus dem Haus – und wenn er sich morgens auf den Weg ins Büro macht, vor dem Haus den Motor seiner schwarz lackierten Triumph Bonneville T100 anlässt und am Gasgriff dreht, wackeln die Fensterscheiben.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Es sind Kunden wie dieser, denen einer der ältesten Motorradhersteller der Welt seine erstaunliche Wiederauferstehung zu verdanken hat. Seit 2012 sind die Verkaufszahlen des Familienunternehmens Triumph um mehr als ein Drittel gestiegen. Allein im laufenden Geschäftsjahr, das bis Ende Juni geht, rechnet der Geschäftsführer Nick Bloor mit einem Absatzplus von 14 Prozent auf 64.000 Maschinen. Nicht weniger als 14 neue Modelle hat der Hersteller in den vergangenen anderthalb Jahren auf den Markt gebracht. „Wir werden auch in den kommenden Jahren kräftig wachsen“, erwartet Bloor.

          Triumph ist so englisch wie Linksverkehr und Fish and Chips – und die Bonneville, das meistverkaufte Modell des Herstellers, ist nun mal die Triumph schlechthin. Zwar hat das Unternehmen auch Enduros, Tourer und Sportmaschinen im Programm. Aber der seit 1956 gebaute Motorrad-Klassiker ist legendär. Schon Marlon Brando, Steve McQueen und Elvis Presley waren Fans der Marke. Als Bob Dylan 1966 mit dem Motorrad schwer verunglückte, saß er im Sattel einer Triumph. „Wenn ein Kind ein Motorrad malt, dann sieht es aus wie eine Bonneville“, sagt der Unternehmenschef Bloor. Zwei Räder, dicker Motor, großer Tank, kein Schnickschnack.

          Das Bonneville von heute sieht noch fast so aus wie vor 60 Jahren

          Die derzeit gebaute Bonneville-Reihe kam 2016 auf den Markt, und sie sieht noch immer ziemlich gleich aus wie das Original vor 60 Jahren. Aber der sorgfältig gepflegte Nostalgie-Look täuscht. Tatsächlich ist die aktuelle Version ein modernes Motorrad. Der wuchtige Zweizylinder-Motor ist, anders als die breiten Kühlrippen glauben machen, wassergekühlt. Das Gehäuse der Benzineinspritzung sieht aus wie die Vergaser aus früheren Jahrzehnten, und den Abgaskatalysator haben die Ingenieure geschickt unter dem Triebwerk versteckt, um den klassischen Schwung der Auspuffrohre nicht zu ruinieren. Die Designphilosophie sei ganz einfach, sagt Bloor: Die Fahrzeugtechnik des 21. Jahrhunderts darf der puristischen „Britishness“ der Motorräder optisch nicht in die Quere kommen.

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          Es gilt schließlich ein großes Erbe zu pflegen: Triumph ist die zweitälteste noch existierende Motorradmarke der Welt. Seit 1902 werden unter diesem Namen in England Motorräder gefertigt – noch mehr Geschichte hat nur die mittlerweile indische Marke Royal Enfield vorzuweisen. Harley-Davidson folgte dagegen erst ein Jahr später. BMW brachte die ersten Motorräder 1923 auf den Markt. Dass man auch heute noch fabrikneue Triumph-Maschinen kaufen kann, grenzt allerdings an ein Wunder. Andere, einst weltbekannte Namen der britischen Motorradindustrie wie Brough, BSA und Matchless sind längst verschwunden. Nach den goldenen Nachkriegsjahrzehnten hatten in den siebziger Jahren neue japanische Konkurrenten wie Honda und Suzuki den Weltmarkt aufgerollt und die Briten binnen kurzer Zeit vom Markt gefegt.

          Auch Triumph stand vor dem Aus. Doch dann kam John Bloor. 1983 kaufte der Vater des heutigen Geschäftsführers Nick Bloor den Markennamen Triumph. Bloor Senior war ein umtriebiger Selfmademillionär. Der Sohn einer Bergarbeiterfamilie aus Nordengland hatte sein Berufsleben mit 17 Jahren als Lehrling auf dem Bau begonnen und sich zum vermögenden Immobilienunternehmer hochgearbeitet. Die Konkurrenz hielt den branchenfremden Möchtegern-Motorradfabrikanten für einen Spinner. Die vermeintlich übermächtigen Wettbewerber aus Japan öffneten dem seltsamen Briten ihre Werkstore, als Bloor fragte, ob er sich deren moderne Produktionsmethoden vor Ort anschauen könne. Man nahm ihn nicht wirklich ernst.

          Eine Marke für 200.000 Pfund

          200.000 Pfund bezahlte der Triumph-Retter für den großen Namen und hatte zu Beginn nicht den blassesten Schimmer, wie man Motorräder baut. „Die Marke zu erwerben war der billige Teil der Geschichte“, sagt Nick Bloor heute und grinst. Schätzungen zufolge hat die Eigentümerfamilie Bloor in den vergangenen drei Jahrzehnten umgerechnet mehr als 90 Millionen Euro in die Wiederbelebung der Motorradmarke gepumpt. Der Triumph-Chef kommentiert solche Zahlen nicht: „Erheblich“ seien die Investitionen gewesen, sagt er dazu nur.

          Motorenmontage bei Triumph in Hinckley: hier wird noch per Hand gearbeitet.

          Sein Vater hat es einmal so ausgedrückt: „Man muss sich überlegen, was das wohl alles kosten wird, und diese Summe dann einfach verdoppeln oder verdreifachen.“ Warum hat sich Bloor dann damals überhaupt auf das Abenteuer eingelassen? Ihn selbst kann man das nicht fragen, denn der inzwischen 73 Jahre alte Senior gibt keine Interviews. „Er hat einfach die Geschäftschance gesehen“, sagt Nick Bloor.

          Der lange Atem hat sich gelohnt. Weite Teile der britischen Industrie sind in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden – Triumph hat überlebt und ist Stück für Stück gewachsen. Die erste Neuauflage der Bonneville kam 2001 auf den Markt, lange bevor die nostalgischen „Retro-Bikes“ in Mode kamen und zu Verkaufsschlagern wurden. Inzwischen setzt Triumph deutlich mehr Motorräder ab als der italienische Rivale Ducati, ist allerdings kleiner als BMW und Harley-Davidson. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschafteten die Briten bei einem Umsatz von 408 Millionen Pfund einen operativen Gewinn (Ebitda) von 28 Millionen Pfund.

          Vor drei Jahrzehnten hat die Wiederauferstehung von Triumph mit einer Handvoll Mitarbeitern begonnen. Heute beschäftigt das Unternehmen 2000 Mitarbeiter, 850 davon im Stammwerk in Hinckley, östlich von Birmingham, wo bis zu 150 Maschinen am Tag vom Band rollen. Das Unternehmen betreibt außerdem drei Fabriken in Thailand sowie Montagewerke in Brasilien und Indien. Mehr als 80 Prozent der britischen Herstellung verkauft Triumph im Ausland. Wichtigster Absatzmarkt ist Nordamerika, auch in Deutschland und Frankreich gibt es viele Triumph-Fans. Die Kundschaft hielt auch während des brutalen Abschwungs am Motorradmarkt in den Jahren nach der Weltfinanzkrise zu ihrer Marke. „Wir haben unseren Weltmarktanteil seither verdoppelt“, sagt Bloor. Eines allerdings hat es bei Triumph in den vergangenen Jahrzehnten nie gegeben: eine Dividende für die Eigentümerfamilie. „Jeder Penny Gewinn wurde ins Unternehmen reinvestiert“, versichert Bloor.

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