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Liebhaberstücke : Warum die Motorrad-Legende Triumph überlebt hat

Auch Triumph stand vor dem Aus. Doch dann kam John Bloor. 1983 kaufte der Vater des heutigen Geschäftsführers Nick Bloor den Markennamen Triumph. Bloor Senior war ein umtriebiger Selfmademillionär. Der Sohn einer Bergarbeiterfamilie aus Nordengland hatte sein Berufsleben mit 17 Jahren als Lehrling auf dem Bau begonnen und sich zum vermögenden Immobilienunternehmer hochgearbeitet. Die Konkurrenz hielt den branchenfremden Möchtegern-Motorradfabrikanten für einen Spinner. Die vermeintlich übermächtigen Wettbewerber aus Japan öffneten dem seltsamen Briten ihre Werkstore, als Bloor fragte, ob er sich deren moderne Produktionsmethoden vor Ort anschauen könne. Man nahm ihn nicht wirklich ernst.

Eine Marke für 200.000 Pfund

200.000 Pfund bezahlte der Triumph-Retter für den großen Namen und hatte zu Beginn nicht den blassesten Schimmer, wie man Motorräder baut. „Die Marke zu erwerben war der billige Teil der Geschichte“, sagt Nick Bloor heute und grinst. Schätzungen zufolge hat die Eigentümerfamilie Bloor in den vergangenen drei Jahrzehnten umgerechnet mehr als 90 Millionen Euro in die Wiederbelebung der Motorradmarke gepumpt. Der Triumph-Chef kommentiert solche Zahlen nicht: „Erheblich“ seien die Investitionen gewesen, sagt er dazu nur.

Motorenmontage bei Triumph in Hinckley: hier wird noch per Hand gearbeitet.

Sein Vater hat es einmal so ausgedrückt: „Man muss sich überlegen, was das wohl alles kosten wird, und diese Summe dann einfach verdoppeln oder verdreifachen.“ Warum hat sich Bloor dann damals überhaupt auf das Abenteuer eingelassen? Ihn selbst kann man das nicht fragen, denn der inzwischen 73 Jahre alte Senior gibt keine Interviews. „Er hat einfach die Geschäftschance gesehen“, sagt Nick Bloor.

Der lange Atem hat sich gelohnt. Weite Teile der britischen Industrie sind in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden – Triumph hat überlebt und ist Stück für Stück gewachsen. Die erste Neuauflage der Bonneville kam 2001 auf den Markt, lange bevor die nostalgischen „Retro-Bikes“ in Mode kamen und zu Verkaufsschlagern wurden. Inzwischen setzt Triumph deutlich mehr Motorräder ab als der italienische Rivale Ducati, ist allerdings kleiner als BMW und Harley-Davidson. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschafteten die Briten bei einem Umsatz von 408 Millionen Pfund einen operativen Gewinn (Ebitda) von 28 Millionen Pfund.

Vor drei Jahrzehnten hat die Wiederauferstehung von Triumph mit einer Handvoll Mitarbeitern begonnen. Heute beschäftigt das Unternehmen 2000 Mitarbeiter, 850 davon im Stammwerk in Hinckley, östlich von Birmingham, wo bis zu 150 Maschinen am Tag vom Band rollen. Das Unternehmen betreibt außerdem drei Fabriken in Thailand sowie Montagewerke in Brasilien und Indien. Mehr als 80 Prozent der britischen Herstellung verkauft Triumph im Ausland. Wichtigster Absatzmarkt ist Nordamerika, auch in Deutschland und Frankreich gibt es viele Triumph-Fans. Die Kundschaft hielt auch während des brutalen Abschwungs am Motorradmarkt in den Jahren nach der Weltfinanzkrise zu ihrer Marke. „Wir haben unseren Weltmarktanteil seither verdoppelt“, sagt Bloor. Eines allerdings hat es bei Triumph in den vergangenen Jahrzehnten nie gegeben: eine Dividende für die Eigentümerfamilie. „Jeder Penny Gewinn wurde ins Unternehmen reinvestiert“, versichert Bloor.

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