https://www.faz.net/-gqe-7p3ey

Wirtschaftsminister Montebourg : „Siemens will eine Allianz - GE eine Übernahme“

  • Aktualisiert am

Deutsch-französische Hochgeschwindigkeit: Links ein ICE von Siemens, rechts der TGV von Alstom Bild: Reuters

Im F.A.Z.-Interview erläutert der französische Wirtschaftsminister Montebourg, warum er das Angebot von Siemens der Offerte von GE vorzieht. Und die Angst vor einem umfangreichen Arbeitsplatzabbau für übertrieben hält.

          1 Min.

          Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg lehnt das Angebot von General Electric für Alstom ab. „Die GE-Offerte ist kein Angebot einer Allianz, sondern einer Übernahme - ein Angebot, das zur dauerhaften Schwächung der verbleibenden Alstom-Transportsparte führen würde“, sagte er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z. - Donnerstagsausgabe). „Alle großen Auftraggeber wie etwa die SNCF bestätigen das. Siemens dagegen setzt auf eine Allianz im Transport unter französischer Führung und in der Energie unter deutscher Führung. Die Entscheidungszentren blieben in Frankreich“, sagte er der F.A.Z.. Der Minister glaubt auch fest daran, dass Siemens ein Angebot abgeben werde. Der deutsche Konzern „hat ein Angebot ja schon erstellt, das aber noch durch die Ergebnisse der Detailprüfung während dieses Monats vervollständigt werden muss. Ich habe es gelesen, nicht ganz, aber teilweise“, sagte Montebourg der F.A.Z. „Mehr kann ich nicht sagen, denn das Angebot ist für den Aufsichtsrat bestimmt.“

          Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg

          Die Furcht vor umfangreichem Arbeitsplatzabbau wegen Doppelstrukturen zwischen Siemens und Alstom hält er für übertrieben. „Wenn die beiden Unternehmen Weltmarktführer werden und neue Märkte erobern, sieht das ganz anders aus“, sagte er der F.A.Z. Der „rheinische Kapitalismus“ sei für die französische Regierung auch „viel interessanter“, weil er dem Staat, den Gewerkschaften und den Gebietskörperschaften „Mitspracherechte“ einräume. „Wenn wir dagegen künftig in Connecticut vorsprechen müssen, um unsere Standorte zu erhalten, wäre das ein Problem“, sagte der Minister in Bezug auf das GE-Angebot der F.A.Z.

          Montebourg hofft, dass die Europäische Kommission künftig den Aufbau europäischer Champions zulasse. Er sieht sich in dieser Forderung auch auf einer Linie mit der Bundesregierung. „Bei voller Achtung der Eigentumsrechte machen wir von unseren Mitspracherechten Gebrauch, um zu einem Ergebnis zu kommen, das nicht zwingend eine reine Marktlösung ist. Wir teilen den Wunsch, eine europäische Industrie aufzubauen“, sagte Montebourg der F.A.Z..

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          EU-Unterhändler Michel Barnier

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen – und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.
          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          F.A.Z.-Sprinter : Britische Zwickmühle

          Ist heute der Tag der Einigung? Alles sieht danach aus, als würden Brüssel und Großbritannien doch noch zusammenfinden. Außerdem: VW versucht die betrogenen Kunden mit Vergleichen zufrieden zu stellen. Was heute sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.