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Konzern bestätigt Jahresziele : Tausende neue Glyphosat-Klagen gegen Bayer

  • Aktualisiert am

Bayer-Schornstein in Leverkusen Bild: EPA

Die Monsanto-Übernahme bläht Bayers Umsatz auf, doch es ist weiter unklar, ob sie sich am Ende als Segen oder Fluch entpuppen wird. Es gibt tausende neue Klagen gegen den Konzern.

          Die Zahl der Klagen gegen Bayer wegen mutmaßlicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter ist weiter gestiegen. Bis zum 11. April seien Klagen von rund 13 400 Klägern zugestellt worden, teilte Bayer am Donnerstag in Leverkusen mit. Das sind rund 2200 mehr als Ende Januar.

          Die Klagezahl steigt vor allem seit August beständig, nachdem ein Geschworenen-Gericht einem Krebspatienten hohen Schadenersatz zugesprochen hatte. Im März musste Bayer die nächste Schlappe in einem Geschworenen-Prozess einstecken. Die Urteile – und wohl auch die im Raum stehenden Summen von jeweils rund 80 Millionen Dollar – sorgten für viel Aufmerksamkeit und dürften weitere Kläger angezogen haben.

          Monsanto-Übernahme steigert Umsatz

          Bayer bestreitet die Vorwürfe und verweist auf zahlreiche wissenschaftliche Studien. „Das Unternehmen ist weiterhin überzeugt, gute Argumente zur Verteidigung gegen die erhobenen Ansprüche zu haben, und beabsichtigt, sich in all diesen Verfahren entschieden zur Wehr zu setzen“, heißt es in der Mitteilung von Donnerstagmorgen.

          Segen oder Fluch? Monsantos Glyphosat-Unkrautvernichter Roundup, jetzt ein Bayer-Produkt.

          Der Konzern geht gegen die Urteile vor und hofft, dass Berufsrichter die Sache in der nächsten Instanz anders einschätzen als die Geschworenen. Zuletzt hatte ein Richter Bayer und die Klägerseite in einem weiteren Prozess aufgefordert, einen Mediator einzusetzen und damit auf eine gütliche Einigung gedrängt.

          Der Pharma- und Agrarchemiekonzern aus Leverkusen legte am Donnerstag seine Quartalszahlen vor. In ihnen erwies sich die Monsanto-Übernahme als Ergebnistreiber. Im ersten Quartal erhöhte sich der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um mehr als 44 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Bayer setzte zum Jahresauftakt 13,02 Milliarden Euro um. Währungs- und portfoliobereinigt entsprach das einem Zuwachs von rund vier Prozent.

          Unter dem Strich verdiente das Unternehmen allerdings deutlich weniger als vor Jahresfrist, was an hohen Sonderaufwendungen wegen der Monsanto-Übernahme und dem Restrukturierungsprogramm von Bayer lag. Das Konzernergebnis sank deshalb um mehr als 36 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro. Die Bayer-Aktie notierte im Frankfurter Frühhandel 2,5 Prozent im Plus.

          Um Bayer schlagkräftiger und profitabler zu machen, hatte Vorstandschef Werner Baumann dem Konzern Ende vergangenen Jahres ein massives Sparprogramm verordnet. Bis Ende 2021 sollen rund 12.000 der weltweit gut 118.000 Stellen abgebaut werden. Bayer will sich zudem vom Geschäft mit Tiermedizin sowie Marken im Bereich Sonnenschutz und Fußpflege trennen.

          Jahresprognose bekräftigt

          Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern unverändert mit einem währungs- und portfoliobereinigten Umsatzplus von etwa vier Prozent auf dann rund 46 Milliarden Euro und einem Anstieg des bereinigten Betriebsgewinns (Ebitda) auf rund 12,2 Milliarden.

          Durch die Glyphosat-Klagen gingen dem Konzern rund 30 Milliarden Euro Börsenwert seit dem ersten Urteil verloren. Bayer steht daher am Freitag eine turbulente Hauptversammlung ins Haus. Wichtige Anteilseigner haben schon angekündigt, der Konzernführung die Entlastung verweigern zu wollen.

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