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Monsanto-Übernahme : Sind Industriebetriebe die falsche Landwirtschaft?

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Im Hier und Jetzt: Kleinbäuerliche Welt noch ohne Monsanto und Bayer in Paraguay Bild: Riva Press/laif

Der Bevölkerungsschub macht eine Industrialisierung der Landwirtschaft nötig – so heißt es. Darauf hofft auch Bayer, wenn es den Saatgutkonzern Monsanto kaufen will. Doch die Grenzen werden schon sichtbar.

          Das Kalkül des Konzerns Bayer, der umgerechnet rund 55 Milliarden Euro für den Saatgut- und Chemiekonzern Monsanto ausgeben will, basiert im Wesentlichen auf einer Annahme: dass die Landwirtschaft der Welt weiter industrialisiert werden muss. Doch wie kann die wachsende Weltbevölkerung in Zukunft wirklich ernährt werden: durch großindustrielle Landwirtschaft, oder – weiterhin – überwiegend von Kleinbauern? Die tragen bis heute laut der Welthungerhilfe rund 70 Prozent zu den weltweiten Ernten bei.

          Die Rechnung des deutschen Pharma- und Pflanzenschutzkonzerns basiert ausdrücklich auf der Annahme, dass eine rapide fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft in den Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens und Afrikas alternativlos ist. In Brasilien, Argentinien und Teilen etwa Ostafrikas hat sie schon stattgefunden – finanziert mit Milliarden etwa von chinesischen Staatsfonds, die bemüht sind, Nahrungsmittel für den wachsenden Appetit ihrer Bevölkerung zu sichern. An Geld mangelt es nicht, auch wenn die zyklischen Agrarpreise derzeit auf einem Tiefstand sind – einerseits.

          Gentechnik macht Monsanto interessant für Bayer

          Was hat Monsanto zu bieten? Der Konzern steht nicht nur für genveränderten Mais, Soja und Baumwolle, die sich mit Chemikalien wie Glyphosat kombinieren lassen. Das sind die Umsatzbringer des Unternehmens, mit dem es einen Großteil seiner Erlöse generiert – dies aber schon seit rund 20 Jahren. Die wirtschaftliche Attraktivität Monsantos begründet sich, mit Blick auf die Zukunft, vor allem durch dessen Forschungsaktivitäten in Sachen Gentechnik der neuen Generation, der sogenannten Genom-Scheren „Crispr/Cas“. Und auch in Sachen „Big Data“ in der Landwirtschaft haben die Amerikaner Milliarden investiert – also in eine Datenvernetzung, die aller Voraussicht nach den Strukturwandel von bäuerlicher zu industrieller Landwirtschaft stark beschleunigen wird.

          Jedoch gibt es begründete Zweifel daran, dass dieser Weg in der Landwirtschaft der einzig richtige ist. Die biotechnologischen Sprünge, die nur durch Milliardeninvestitionen in Forschung und Zulassungsverfahren möglich wurden, verteuern das Saatgut für die Bauern. In den vergangenen 20 Jahren vervierfachten sich etwa die Preise, die amerikanische Farmer für Saatgut von Mais oder Baumwolle zahlten, laut dem amerikanischen Agrarministerium. Dafür ernteten sie auch mehr und mussten weniger Diesel einsetzen.

          Soll künftig aber die ganze Welt so ernährt werden, würde das Hunderttausende Kleinbauern in Entwicklungs- und Schwellenländern zum Aufgeben zwingen – und zur Flucht in die Großstädte. Daran haben aber weder die Regierungen der Staaten ein Interesse, noch letztlich die Industriestaaten, die schon jetzt mit ungekannten Einwanderungswellen konfrontiert sind. Längst ist der reine Blick auf die Produktivität für diese Länder auch politisch nicht mehr gewollt: immer mehr Staaten geben Milliarden dafür aus, die Kleinbauern auf dem Land zu halten. So etwa Marokko – durchaus auch aus sicherheitspolitischen Gründen. Ein Kleinbauer wird unwahrscheinlicher zum islamistischen Terroristen.

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