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Monsanto-Übernahme : Bauern machen gegen Bayer mobil

Jenseits von Bauern hat in den Vereinigten Staaten auch der Kongressabgeordnete Charles Grassley Bedenken angemeldet. Verbandsmann Johnson hält es auch für gut möglich, dass der Ausschuss für Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS), der sich in der Vergangenheit schon bei anderen Übernahmevorhaben quergestellt hat, die Transaktion unter die Lupe nimmt.

Schon der geplante Verkauf des in den Vereinigten Staaten sehr präsenten Schweizer Syngenta-Konzerns an Chemchina sei vielen Amerikanern ein Dorn im Auge. Eine Übernahme von Monsanto durch Bayer könnte nun einem weiteren ausländischen Unternehmen mehr Macht in der amerikanischen Agrowirtschaft geben. Gerade in einer Zeit, in der Präsidentschaftsanwärter Donald Trump mit protektionistischen Äußerungen ein empfängliches Publikum findet, könnte das als Bedrohung wahrgenommen werden, meint Johnson.

Der europäische Widerstand gegen Monsanto hat viel mit Gentechnik zu tun, denn die Amerikaner sind der dominierende Anbieter von gentechnisch verändertem Saatgut. In Amerika ist dieses Thema nach Johnsons Einschätzung „weniger explosiv“. „Hier herrscht das Gefühl, wir sollten der Wissenschaft vertrauen.“ Das heißt allerdings nicht, dass Gentechnik gänzlich unumstritten ist. Gerade die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen wird derzeit kontrovers diskutiert. So wird in Kürze Vermont als erster amerikanischer Bundesstaat Lebensmittelherstellern eine Kennzeichnung solcher Produkte vorschreiben. Viele Lebensmittelkonzerne wollen ihre Verpackungen nicht nur in Vermont, sondern in ganz Amerika ändern.

Glyphosat-Diskussion ist das geringste Problem

Johnson kann sich vorstellen, dass eine Übernahme durch Bayer dem ramponierten Ruf von Monsanto vielleicht sogar zugutekommen könnte. Er zeigt sich aber auch überrascht, dass Bayer so viel Geld für Monsanto in die Hände nehmen will. Die gegenwärtigen Widrigkeiten in der Landwirtschaft machen dem amerikanischen Konzern derzeit in allen seinen Geschäftsbereichen zu schaffen und lassen die Umsätze schrumpfen. Dabei ist die Glyphosat-Diskussion wohl noch das geringste Problem für Monsanto, denn das Unternehmen macht den mit Abstand größten Teil seines Geschäfts mit Saatgut und nicht mit Pflanzenschutzmitteln. Johnson sagt, die Lage in der Landwirtschaft habe sich in kurzer Zeit dramatisch zugespitzt, denn noch vor vier Jahren hätte eine große Dürre die Preise nach oben getrieben. Aber schon zwei Jahre später hätten Rekordernten für eine Preiserosion gesorgt, und bis heute bewege sich die Branche auf dem niedrigen Niveau.

Monsanto argumentiert, die Delle sei vorübergehend und ein Wiederaufschwung sei „unvermeidlich“, was auch Bayers Kalkül sein dürfte. Johnson, der das zyklische Geschäft der Branche schon lange beobachtet, will den Optimismus nicht teilen und erwartet keine schnelle Wende: „Es wird wieder aufwärts gehen, aber wer weiß schon, wann? Vielleicht in drei Jahren, vielleicht aber auch erst in fünf?“ Und wenn ein Aufschwung unvermeidlich sei, dann gelte das auch für einen darauf folgenden Abschwung.

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