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Monsanto-Chef im Porträt : An Kritik gewöhnt

Hugh Grant Bild: FAZ.NET - Robert Wenkemann

Der Vorstandsvorsitz des amerikanischen Agrokonzerns Monsanto ist kein Job für Menschen, die Sympathieträger sein wollen. Doch Hugh Grant ist eh kein Manager, der sich für die Geschäfte seines Unternehmens rechtfertigt.

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          Der Vorstandsvorsitz des amerikanischen Agrokonzerns Monsanto ist kein Job für Menschen, die Sympathieträger sein wollen. Vor ihnen steht eine massive Front von Gegnern, die den Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller als finstere Macht sehen. Kritiker haben dem Konzern einmal den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Mutanto“ verpasst, weil sie das gentechnisch veränderte Saatgut des Unternehmens als gefährlichen Eingriff in die Natur sehen. Monsanto dominiert den Weltmarkt für Gensaat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In dieser Woche musste der Monsanto-Chef Hugh Grant wieder einmal zusehen, wie sein Unternehmen in die Negativschlagzeilen geraten ist: Die deutsche Regierung hat den Anbau einer genveränderten Maissorte des Konzerns aus Sorge um Risiken für Verbraucher und die Umwelt verboten. Deutschland folgt damit fünf anderen europäischen Ländern, die den Genmais von Monsanto ebenfalls aus dem Verkehr gezogen haben.

          Der Monsanto-Mais war die einzige für den Anbau in Deutschland zugelassene genveränderte Pflanze. Vielen Verbrauchern mag dies bislang nicht bewusst gewesen sein, aber nach dem schlagzeilenträchtigen Verbot dürfte sich der Name Monsanto nun bei vielen von ihnen als Quelle von gefährlichen Lebensmitteln festsetzen.

          Genmais : Aigner verbietet MON 810

          Kein mann für flammende Reden

          Es hat eine gewisse Ironie, dass Hugh Grant gebürtiger Schotte und somit ein Europäer ist. Er kommt also aus dem Teil der Welt, wo die Opposition gegen genveränderte Lebensmittel am größten ist.

          Hugh Grant ist kein Manager, der sich für die Geschäfte seines Unternehmens rechtfertigt. Trotz seiner Position an der Spitze Monsantos sieht er keinen Anlass dafür, sich aggressiv als Botschafter des Reizthemas Gennahrung zu profilieren, der in flammenden Reden den Nutzen seiner Produkte für die Lebensmittelversorgung der Menschheit propagiert.

          Der 50 Jahre alte Grant ist in der amerikanischen Managerwelt keine auffällige Größe und tritt in der Öffentlichkeit nicht allzu oft in Erscheinung. Am ehesten ist er bei Finanzpräsentationen zu erleben, etwa bei der Vorlage von Quartalsberichten, aber dann beschränkt er sich auf die Darstellung nüchterner Zahlen und Strategien.

          Ein Mitarbeiter-Blog gegen die Negativ-Schlagzeilen

          Dabei ist Grant von Haus aus gar kein Finanzmann, sondern kommt aus dem landwirtschaftlichen Metier. Er hat an den Universitäten in Glasgow und Edinburgh Agrarwissenschaft studiert. Erst später absolvierte er einen Masters-Studiengang in Wirtschaft in England. Zu Monsanto kam er schon 1981, zunächst zu der schottischen Tochtergesellschaft.

          Auch wenn sich Grant selbst nicht ins Rampenlicht drängt, ist ihm doch bewusst, dass Monsanto Imageprobleme hat. Erst vor wenigen Wochen startete der Agrokonzern im Internet einen Blog, in dem Mitarbeiter den Kritikern des Unternehmens mit ihrer Sicht der Dinge Paroli bieten wollen. Monsanto beschreibt sich hier als Unternehmen, das missverstanden ist und zu Unrecht attackiert wird.

          „Die Menschen hier gehen mit Leidenschaft ihrer Arbeit nach und sind davon überzeugt, dass Monsanto und unsere Anstrengungen einen großen Beitrag für die Landwirtschaft und für die Welt im Allgemeinen leisten“, heißt es auf der Seite. Vorstandschef Hugh Grant gehört aber nicht zu der Gruppe, die den Blog mit Einträgen bestückt.

          Europa ist für Monsanto finanziell „vernachlässigbar“

          Monsanto sieht sich nicht nur der hitzig geführten Diskussion um mögliche Risiken durch genveränderte Lebensmittel gegenüber. Auch die Geschäftspraktiken des Unternehmens geraten immer wieder ins Zwielicht. So ist Monsanto im Umgang mit Bauern als wenig zimperlich bekannt. Das Unternehmen verbietet Bauern zum Beispiel, geerntete Produkte als Saatgut für die nächste Ernte zu verwenden. Viele Bauern wurden wegen unautorisierter Saatgutnutzung von Monsanto unter Druck gesetzt und verklagt.

          Dem Geschäft von Monsanto tun solche Kontroversen nicht weh: Das Unternehmen aus dem amerikanischen Bundesstaat Missouri konnte sich bis zuletzt über spektakuläre Wachstumraten freuen: Im vergangenen Jahr sprang der Konzernumsatz von Monsanto um 36 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn hat sich von 993 Millionen Dollar auf 2,0 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

          Die Verbote aus Europa sind für Monsanto ein Dämpfer, aber sie fallen nicht allzu stark ins Gewicht. Europa stellt nur einen sehr kleinen Teil des Geschäfts von Monsanto dar. Viel wichtiger ist der amerikanische Heimatmarkt, wo der überwiegende Teil von Mais und anderen Pflanzen gentechnisch verändert ist. Großes Wachstum erhofft sich Monsanto auch aus Ländern wie China, Indien oder Brasilien. Hugh Grant sagte zwar vor wenigen Jahren einmal, auch Europa sei für Monsanto strategisch wichtig. Finanziell sei die Region für den Konzern aber bislang „vernachlässigbar“.

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